Glas mit Stil

12. Juni 2007, 22:58
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Der slowakische Glas­erzeuger Rona - einst in österreichischer Hand - produziert für Riedel, Rosenthal, Swarovski und Co. Nun soll "Rona" aus dem Dornröschenschlaf erwachen

Glaserzeugung ist eine laute und heiße Angelegenheit. In den Produktionshallen erinnert vieles an die vorindustrielle Zeit. Der Hochofen bringt es auf 1.500 Grad, wer in seine Nähe zu tun hat, kommt leicht ins Schwitzen. An den verschiedenen Produktionslinien zischt, dampft und klirrt es. In den Hallen wo der geringe Anteil an handgemachtem Glas hergestellt wird, gehen leicht bekleidete Männer ihrer Arbeit nach. Nur schwer übertönt die Musik aus dem Radio das Getöse. Produziert wird hier im Glaswerk Rona in Lednické Rovne unweit von Púchov im Nordwesten der Slowakei rund um die Uhr, denn die Öfen dürfen nicht abkühlen. Gegründet wurde das Unternehmen in der K&K-Monarchie vom Wiener Unternehmer Josef Schreiber. Der nach Mitte des 19. Jahrhunderts zu den bedeutenden Glashüttenbetrieben in der Habsburger Monarchie zählende Firmengründer stammte aus dem mährischen Dub. Ab 1844 betrieb er in Wien eine Glashandlung, in der sein gleichnamiger Neffe und dessen Cousins in die Lehre gingen, die später auch den Familienbetrieb übernahmen. 1890 entstand in Lednické Rovne auf einem gekauften Gutshof die Glashütte.

Im Zentrum der Glasherstellung

In der habsburgischen Monarchie bildeten die böhmischen Länder das Zentrum der Glasherstellung. Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts begann auch auf dem Gebiet Mährens eine intensive Entwicklung der Glasindustrie. Eine bedeutende Rolle spielten dabei besonders die Glashüttenunternehmer, die bestehende Glashütten modernisierten und neue Betriebe aufbauten - einer davon war Schreiber. Die Produkte waren schon damals nicht nur für den österreichischen Markt gedacht. Die Schreibers bauten in bedeutenden Städten Europas und der Welt ihre Vertretungen auf. Neben der Hauptfiliale in der Wiener Liechtensteinstraße waren ihre Handelsvertreter in Budapest, Paris, Prag, Berlin, Hamburg, London, Bukarest und Kairo tätig. Die Produktion der Firma war umfangreich. Neben Tafelglas und gängigem Gebrauchsglas für den Haushalt bzw. dem durch Schleifen, Gravieren, Bemalen u.ä. verzierten Luxussortiment umfasste sie vor allem eine steigende Produktion von Beleuchtungsglas, das im Zusammenhang mit der Entwicklung der Beleuchtung mit Petroleum, Gas und schließlich auch Elektrizität zu jener Zeit einen gewaltigen Aufschwung verzeichnete.

Lampen, Spiegel und Zubehör

Lampen, Spiegel und Zubehör, das aus farbigem Konvergenzglas oder Kristallglas gefertigt und ausgiebig mit bunter floraler oder zoomorpher Malerei verziert wurde, Ätzglas, Pressglas gehörten ebenfalls zum Produktportfolio. Im Jahre 1896 begann die Firma beispielsweise als erste in Europa in Lednické Rovne zur Verzierung von feinem Serviceglas panthographische Geräte zu verwenden: Dabei wurde mithilfe von Nadeln der ursprünglich auf Zink- oder Eisenplatten geätzte Entwurf gleichzeitig auf bis zu vierzig Gläser auf einmal übertrugen. Ein Verfahren, das übrigens heute noch im Einsatz ist. Allerdings ist die Maschine an den Computer gekoppelt. Wahrscheinlich aus Belgien bezog die Firma auch ihre ersten Pressmaschinen, die ein breites Sortiment Gebrauchsgläser für den Haushalt produzierten, die damit auch für die weniger vermögenden Menschen leistbar wurden.

"Trend zu günstiger Ware

Kosten sind auch heute wieder Thema: "Der Trend geht zur günstigen Ware" sagt Milan Šnapko, einer der Manager der Firma. 90 Prozent der Gläser werden deswegen maschinell produziert. Das dauert rund ein Viertel der Zeit, die der Glasbläser benötigt. Der Preisunterschied ist ebenfalls etwa so hoch. Den Unterschied zwischen Hand- und Maschinenarbeit sieht der Fachmann in erster Linie daran, dass der Kelch bei zweiterem auf den Stiel aufgesetzt ist. Weltmarktführer ist man bei Rona in der Produktion von maschinell hergestellten Gläsern, die von jenen per Hand hergestellten kaum noch zu unterscheiden sind. Derzeit setzt man in der traditionsreichen Glasfabrik alles daran, die Produktivität zu verbessern und die Mitarbeiter dabei soweit wie möglich einzubinden: Durch Unternehmensbeteiligung und Umstrukturierung der Hierarchie. Verbesserungsvorschläge sollen von daher kommen, wo gearbeitet wird, sagt Šnapko. 10 Prozent mehr Produktivität habe man seit Anfang 2007, als mit der Prozessumstellung begonnen wurde, bereits erreicht. Aus den 20 Prozent Ausschuss vom Anfang bis zum Ende des Produktionsprozesses sollen letztendlich weniger werden. Die Löhne der Mitarbeiter sollen dafür steigen.

Produziert wird für 700 Kunden, darunter so namhafte wie Riedel, Rosenthal, Swarovski und den berühmten Karlsbader Glashersteller Moser. 50 Millionen Gläser pro Jahr verlassen die Fabrik. 1450 Mitarbeiter erwirtschaften einen Umsatz von 1,7 Milliarden Kronen (rund 50,5 Mio Euro). 90 Prozent der Ware geht in den Export nach Westeuropa und Amerika. Als nächstes möchte man sich den japanischen Markt vornehmen und die Marke "Rona" aus dem Dornröschenschlaf erwecken. "Uns kennt eigentlich keiner" sagt Milan Šnapko. Aber das soll sich jetzt ändern. "Rona" will die von jungen Designern für das Unternehmen geschaffenen Gläser verstärkt in den Vordergrund rücken. (Regina Bruckner)

  • Hier werden die Gläser per Hand hergestellt. Der Preis ist etwa um ein vierfaches höher als für ein "Maschinenglas".

Das Unternehmen war zwischenzeitlich verstaatlicht und ist heute nach wechselnden Eigentümern in der Hand von zwei tschechischen und zwei slowakischen Besitzern aus der Umgebung von Lednické Rovne.
    foto: derstandard/bruckner

    Hier werden die Gläser per Hand hergestellt. Der Preis ist etwa um ein vierfaches höher als für ein "Maschinenglas".

    Das Unternehmen war zwischenzeitlich verstaatlicht und ist heute nach wechselnden Eigentümern in der Hand von zwei tschechischen und zwei slowakischen Besitzern aus der Umgebung von Lednické Rovne.

  • Das Prinzip des Pantographen beruht auf einer maschinellen Gravur, die mittels einer Nadel in Wachs erfolgt. Die Objekte sind vor dem Einsetzen in die Maschine mit einem Bad aus Paraphin, Zeresin und Bienenwachs überzogen. Dort wo die Wachsschicht von der Anreißnadel der Maschine geschlitzt wurde, wird nach Einweichen des Glases in Säure das Muster geätzt.
    foto: derstandard.at/bruckner

    Das Prinzip des Pantographen beruht auf einer maschinellen Gravur, die mittels einer Nadel in Wachs erfolgt. Die Objekte sind vor dem Einsetzen in die Maschine mit einem Bad aus Paraphin, Zeresin und Bienenwachs überzogen. Dort wo die Wachsschicht von der Anreißnadel der Maschine geschlitzt wurde, wird nach Einweichen des Glases in Säure das Muster geätzt.

  • Vor dem Hochofen ist es ganz schön heiß. Bis zu 50 Grad kann hier die Temperatur betragen. Im Hochofen steigt die Temperatur auf ungemütliche 1.500 Grad.
    foto: derstandard.at/bruckner

    Vor dem Hochofen ist es ganz schön heiß. Bis zu 50 Grad kann hier die Temperatur betragen. Im Hochofen steigt die Temperatur auf ungemütliche 1.500 Grad.

  • Gearbeitet wird hier rund um die Uhr. Die Hochöfen dürfen nicht stillstehen. Rund 100 Millionen Kronen (knapp 300.000 Euro) wurden zuletzt jährlich investiert, 10 Millionen davon in Forschung. Geforscht wird mit anderen internationalen Unternehmen, staatliche Unterstützung dafür gibt es in Ausnahmefällen.
    foto: derstandard.at/bruckner

    Gearbeitet wird hier rund um die Uhr. Die Hochöfen dürfen nicht stillstehen. Rund 100 Millionen Kronen (knapp 300.000 Euro) wurden zuletzt jährlich investiert, 10 Millionen davon in Forschung. Geforscht wird mit anderen internationalen Unternehmen, staatliche Unterstützung dafür gibt es in Ausnahmefällen.

  • Heute werden nur noch rund 10 Prozent der insgesamt 50 Millionen hergestellten Gläser per Hand hergestellt. Der Trend geht auch hier zu günstiger Ware.
    foto: derstandard.at/bruckner

    Heute werden nur noch rund 10 Prozent der insgesamt 50 Millionen hergestellten Gläser per Hand hergestellt. Der Trend geht auch hier zu günstiger Ware.

  • Produziert wird für 700 Kunden, darunter so namhafte wie Riedel, Rosenthal, Swarovski und den berühmten Karlsbader Glashersteller Moser.
    foto: rona

    Produziert wird für 700 Kunden, darunter so namhafte wie Riedel, Rosenthal, Swarovski und den berühmten Karlsbader Glashersteller Moser.

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