Suche nach Ursachen des Alterns

26. Juli 2007, 12:43
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Die Geschäfte mit dem Traum der ewigen Jugend boomen - entscheidende Rolle spielen aber Lebensstil und soziale Integration

Göttingen - Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie die Menschheit. Schon im ältesten schriftlichen Epos sucht der sumerische König Gilgamesch nach Unsterblichkeit. Heute forschen Wissenschafter nach den Ursachen des Alterns. Und ein ganzer Industriezweig profitiert von der Hoffnung der Menschen auf einen Jungbrunnen.

Antioxidantien, Hormone, Frischzellenkur

Kaum noch jemand spricht von der Frischzellen-Therapie, dabei war die vermeintliche Verjüngungskur Jahrzehnte lang der letzte Schrei: Politiker, Sportler und Künstler ließen sich Zellen aus Tierföten spritzen. Heute hat die umstrittene Behandlung kaum noch Anhänger. Umso stärker boomen dafür andere Verfahren mit dem Versprechen, das Altern mit Antioxidantien, Hormonen oder Spurenelementen hinauszuzögern.

Lebenserwartung steigt weiter

Wissenschaftliche Belege für eine lebensverlängernde Wirkung solcher Stoffe sind dürftig. Eindeutig bewiesen ist dagegen die Tatsache, dass die Lebenserwartung in den Industrieländern zunimmt. In den vergangenen 150 Jahren stieg die Lebensspanne pro Jahr um durchschnittlich drei Monate, wie Jutta Gampe vom Max-Planck-Institut (MPI) für demographische Forschung in Rostock berichtet.

Frauen werden heute 83, Männer 76

Um 1840 waren die Schwedinnen mit einer Lebenserwartung von 45 Jahren weltführend. Inzwischen werden in Deutschland Frauen im Durchschnitt 82, Männer 76 Jahre alt. "Der Trend zum Älterwerden wird sich fortsetzen", prognostiziert Gampe. Die über 100-Jährigen sind die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe. Gründe für die Tendenz sind geringere Kindersterblichkeit, bessere medizinische Versorgung und gesündere Ernährung.

Und dennoch: Der Rekord für das längste Leben ist seit zehn Jahren ungebrochen. Damals starb die Französin Jeanne Calment im Alter von 122 Jahren. Obwohl bisher kein Mensch älter wurde, glaubt Gampe nicht an ein absolutes Alterslimit: "Es gibt keine einprogrammierte Grenze."

Gesunde Ernährung, Bewegung und wenig Stress

Generell scheint die Rolle genetischer Faktoren für die Lebenserwartung begrenzt. Forscher beziffern den Einfluss der Erbanlagen auf etwa 25 Prozent. Die übrigen 75 Prozent entfallen demnach auf Umweltfaktoren. "Der Lebensstil spielt eine ganz entscheidende Rolle", sagt Professor Alfred Wolf vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Anti-Aging-Medizin.

Als Rezept für ein langes Leben empfiehlt der Gynäkologe gesunde Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Tabak, wenig Stress und ein anregendes soziales Umfeld. "Diese Faktoren bestimmen im Wesentlichen, ob wir alt werden", sagt Wolf.

Bedeutung der "Anti-Aging" Faktoren nicht geklärt

Zusätzlich zu den allgemeinen Empfehlungen grenzt Wolf die Anti-Aging-Medizin von den einfachen Heilsformeln dubioser Geschäftemacher ab. "Man kann die Auswirkungen des Alterungsprozesses verzögern, muss dabei aber individuell vorgehen", sagt er. Das heißt, jeden Menschen präventiv auf altersbedingte Risiken etwa für Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs zu untersuchen.

Zwar gebe es Hinweise, dass verschiedene Gene, Hormone oder Antioxidantien am Alterungsprozess beteiligt sind. Die genaue Bedeutung einzelner Faktoren ist laut Wolf aber nicht geklärt.

Alterungsprozesse sind zu komplex

Auch Professor Peter Herrlich warnt vor voreiligen Schlüssen. "Altern wird von vielen Faktoren bestimmt, die bei jedem Menschen anders sind", sagt der Leiter des Leibniz-Instituts für Altersforschung in Jena. "Diese Prozesse sind viel zu kompliziert, als dass man einfache Schlüsse ziehen könnte."

Beispiel Kalorienrestriktion: Zwar gehen viele Forscher davon aus, dass eine Reduzierung der Energiezufuhr die Lebensspanne verlängert. Aber zur Erklärung dieses nur in Tierversuchen gezeigten Phänomens werden unterschiedliche Gründe bemüht.

So vermutet man, dass mit dem Energieverbrauch in den Zellkraftwerken, den Mitochondrien, der Anfall schädlicher Stoffwechselprodukte wie etwa freier Radikale steigt, die dann die Zellen schädigen. Eine Senkung der Kalorienmenge soll vor diesem oxidativen Stress schützen und das Altern verzögern. "Man weiß nicht so recht, wie das genau funktioniert", sagt Herrlich und schließt auch eine banale Erklärung nicht aus. Denn dass Ernährung und Gewicht die Gesundheit beeinflussen, ist seit Jahrzehnten unbestritten.

"Wundermittel" Resveratrol

Unklar ist die Lage auch bei dem geradezu als Wundermittel angepriesenen Rotwein-Inhaltsstoff Resveratrol: Zwar verlängerte das Mittel tatsächlich die Lebenszeit von Fischen um 30 Prozent. Aber es erhöhte laut Herrlich auch die Sterblichkeit der Tiere in jungem Alter.

Auf der Suche nach dem Schlüssel für ein langes Leben blicken viele Wissenschafter nach Okinawa. Nirgendwo sonst auf der Erde werden die Menschen so alt wie auf dieser japanischen Insel. Aber auch hier lassen sich kaum Rückschlüsse auf einzelne Ursachen der Langlebigkeit ziehen.

Soziale Interation

Während manche Forscher auf die Ernährung verweisen, ist die MPI-Wissenschafterin Gampe skeptisch: "Auf Okinawa werden alte Menschen noch mit vielen sozialen Aufgaben betraut", sagt sie. "Die soziale Integration spielt offenbar eine große Rolle." Das sieht Herrlich ähnlich: "Körperlich und geistig aktive Menschen leben länger." (APA/AP)

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