Purer Luxus auf vier Rädern als Dauerleihgabe

20. Juli 2007, 13:52
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Kostbare Kutschen der Schönbrunner Wagenburg werden im Folientunnel gegen Schädlinge behandelt

Die Wagenburg von Schönbrunn ist eine der bedeutendsten Kutschensammlungen weltweit. Jetzt konnte sie mit Leihgaben aus dem Hause Thurn und Taxis erweitert werden. Darunter: die Hochzeitskutsche von Sisis Schwester.

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Wien - "Das ist mein Liebling", bekennt Monica Kurzel-Runtscheiner, Direktorin der Wagenburg in Schönbrunn. Ein original Brandmaier-Wagen, der erst kürzlich wieder nach Wien zurückgekehrt ist. 1828 war es gewesen, als ein Agent des Regensburger Fürsten Maximilian Karl von Thurn und Taxi eigens nach Wien geschickt wurde, um zu erkunden, welche Kutschen denn im Moment die angesagtesten wären. Das Ergebnis der Recherche: Ein Gefährt von Simon Brandmaier, das muss man einfach haben - schließlich baute der nicht nur für das Wiener Kaiserhaus, sondern belieferte auch den Papst und den türkischen Sultan. Und so wurden gleich mehrere dieser Luxuskaleschen bestellt, um den prächtigen Marstall der Thurn und Taxis zu zieren.

Zwei dieser Originale wurden nun gemeinsam mit 15 weiteren Nobelkutschen als Dauerleihgabe an die Wiener Wagenburg überlassen. "Der größte Neuzugang seit Bestehen unseres Museums", freut sich Kurzel-Runtscheiner.

Drei dieser Kutschen werden auch das Interesse der Sisi-Fans erwecken: Die waren nämlich 1858 gemeinsam mit 18 weiteren Gefährten anlässlich der Vermählung der bayrischen Prinzessin Helene mit Erbprinz Maximilian Anton von Thurn und Taxis hergestellt worden - solch ein Fürstenpaar brauchte schließlich einen anständigen Fuhrpark. Helene hätte ursprünglich Kaiser Fanz Joseph I. heiraten sollen, der sich dann aber doch für ihre jüngere Schwester Elisabeth entschieden hatte.

Innovative "Begasung" Im September werden diese Nobelkutschen in der Wagenburg dem Publikum präsentiert. Vorher aber müssen sie noch fachgerecht vorbehandelt werden. Denn hausfremde Objekte können nicht so ohne weiteres in ein schädlingsfreies Depot gebracht werden - also müssen sie vorher mit Stickstoff "begast" werden.

Nun verfügt die Wagenburg zwar über eine hauseigene Anlage - in die allerdings nur jeweils ein Wagen hineinpasst. "Bei 17 Kutschen hätte die Behandlung daher Jahre gedauert", erläutert Restaurator Ernst Gregor. Also entwickelte er im Rahmen eines Forschungsprojektes eine einfaches aber effektives System, das auch für andere Museen und Sammlungen eine willkommene, kostensparende Lösung ihrer Schädlingsprobleme sein könnte.

Sechs maßgeschneiderte und luftdicht verschweißte Folientunnel wurden konstruiert, in denen jeweils drei Kutschen Platz haben. Darin werden die Thurn und Taxischen Kutschen nun ein paar Wochen lang unter Stickstoff gesetzt. "Entscheidend ist, dass man einen ganzen Lebenszyklus der Schädlinge abwartet", erläutert Gregor. Nur so kann man sicher sein, dass sämtliche Eier und Larven erwischt wurden. Wobei hier aber weniger Holzwürmer sondern in erster Linie Motten gefürchtet sind, die sich in den Stoffbespannungen und Polsterungen der Kutschen eingenistet haben könnten.

Doch zurück zu Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis - der hatte nämlich nicht nur einmal in Wien groß eingekauft. Vier Jahre nach der Bestellung bei Simon Brandmaier wurde erneut ein Agent zur Kutschenschau nach Wien geschickt. Und diesmal erhielt der Fabrikant Johann Engl den Zuschlag. Der baute für die Regensburger eine Kutsche in zweierlei Ausführung: Einen "einfacheren" Stadtwagen für den Vormittag - und einen reich mit Gold verzierten "Nachmittags"-Stadtwagen. Für jeden Anlass also das richtige Beförderungs-Outfit.

Allein daran merkt man, dass die damalige Anschaffung einer Kutsche keineswegs mit einem heutigen Autokauf vergleichbar ist. Das war eher, als würde man sich heutzutage einen Lear-Jet leisten. Oder ein Haus. "Es gibt den Bericht eines englischen Adeligen, der sich überlegte, ob er eine Kutsche, oder ein Landhaus erwerben solle", weiß Kurzel-Runtscheiner. "Er entschied sich dann doch für die Kutsche - weil er damit mobiler war." (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, PRint-Ausgabe, 18.5.2007)

  • Monica Kurzel-Runtscheiner vor ihrem "Liebling": Eine Berline des Kutschenbauers Brandmaier. Die Brandmaier-Kutschen der Habsburger sind nicht mehr erhalten.
    foto: der standard/fischer

    Monica Kurzel-Runtscheiner vor ihrem "Liebling": Eine Berline des Kutschenbauers Brandmaier. Die Brandmaier-Kutschen der Habsburger sind nicht mehr erhalten.

  • Eine konservatorische Innovation: Unter den luftdichten Kunststoff-Zelten werden Schädlinge bekämpft.
    foto: der standard/fischer

    Eine konservatorische Innovation: Unter den luftdichten Kunststoff-Zelten werden Schädlinge bekämpft.

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