Eh klar, durchs Fenster. Mit Ort und Größe kann man die Raumstimmung erheblich beeinflussen - Von Christine Diethör
Was ist der Unterschied zwischen Beleuchtung und Belichtung? Beleuchtet werden Räume mittels künstlicher Lichtquellen, die Belichtung jedoch erfolgt durch die Sonne. Die Versorgung eines Wohnraumes mit ausreichend viel Tageslicht ist eine gesundheitliche Notwendigkeit. Die Bauordnung sieht daher eine Mindestfensterfläche vor.
Aber auch in der Innenraumgestaltung ist die Belichtung ein wesentlicher Faktor - Tageslicht wirkt sich auf den Charakter eines Raumes enorm aus. Je größer das Zimmer, desto höher sollte es sein, damit die Raumproportion wieder stimmig wird. Je tiefer der Raum hingegen, desto höher sollte die Lichtöffnung angeordnet werden, damit das Licht bis weit nach hinten reichen kann. Die heute allzu oft geübte Praxis, im Wohnbau bis zu sechs Meter tiefe Räume mit einer Raumhöhe von gerade einmal 2,50 Metern und einer einseitigen Belichtung zu bauen, ist denkbar schlecht: Der rückwärtige Raumbereich ist hier notgedrungen ein finsteres Loch.
Ähnliches gilt auch im Dachgeschoßausbau. Je höher der Raum, desto höher hinauf sollten auch die Fensteröffnungen gezogen werden. Auch hier lauert die Gefahr von finsteren Zwickeln unter der Schräge. Daher kann man auch eine zweite Fensterreihe anordnen. Das hat einen positiven Nebeneffekt: Der Raum wird gut belüftet.
Die Orientierung der Belichtungsquellen ist ebenfalls ein Thema. Wohnräume sollten bevorzugt nach Süden und Westen ausgerichtet sein, Schlafräume hingegen eher nach Osten oder Norden. Nach Möglichkeit sollten größere Zimmer Licht von mehreren Seiten bekommen. Besonders in dichten und städtischen Lagen ist die Orientierung der Belichtung jedoch nicht immer frei wählbar. Alternativ kann man sich daher auch mit der Größe der Verglasungen behelfen: Je weniger direkte Sonneneinstrahlung möglich ist, desto größer sollte die Verglasung gewählt werden.
Die schönste und gleichmäßigste Belichtung von Räumen erzielt man mit einer großzügigen Verglasung nach Norden. Da kann man sich von Künstlerateliers und Ausstellungsräumen einiges abschauen. Schwierig gestaltet sich die Arbeit mit dem Computer. Da sich das Fenster im Bildschirm spiegelt, wird man nicht umhinkommen, auf die gute alte Beschattung und eine richtige Orientierung des Arbeitsplatzes zurückzugreifen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.5.2007)