"Bawag wieder ganz normale Bank"

12. Juni 2007, 14:16
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Die Bank ist verkauft, ihr Chef Ewald Nowotny freut sich auf ruhigere Zeiten. Dem ÖGB bleibt vom Verkaufserlös nur sehr wenig

Die Bawag ist an Cerberus verkauft, ihr Chef Ewald Nowotny freut sich auf ruhigere Zeiten. Die Bank soll nun ihre Kernbereiche stärken, setzt aufs Autofinanzierungs- und Leasinggeschäft. Dem ÖGB bleibt vom Verkaufserlös nichts oder sehr wenig. Die neuen US-Manager der Bank waren bei der ersten Pressekonferenz nicht dabei, sie hatten anderswo zu tun.

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Wien – Das richtige Geschenk für Bawag-Chef Ewald Nowotny aufzutreiben, kostete den ÖGB viel Geduld. Das Buch (Andreas Korp: "Die Arbeiterbank"), das ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer Nowotny am Mittwoch, ziemlich genau 12 Stunden nach dem Bawag-Verkauf an Cerberus, bei einer Pressekonferenz überreichte, musste mühsam gesucht werden. Aufgestöbert wurde es dann in der Nationalbibliothek, im ÖGB fertigte man dann ein Faksimile an. Mit dem Blumenstrauß war es noch schlimmer: In ganz Wien waren "die vielen, vielen Vergissmeinicht, auf dass Du uns nicht vergessen mögest" (Hundstorfer zu Nowotny) nicht aufzutreiben gewesen, fündig wurde man schließlich erst im Stadtgartenamt.

Das Gegengeschenk für den ÖGB war leichter aufzustellen gewesen: Ein traditioneller roter "Bawag-Sparvereinskasten", mit der Aufschrift "Dein Sparverein, Sparen lohnt sich immer". Nowotnys Nebenbemerkung war kaum zu hören: "Für den ÖGB muss der Kasten wahrscheinlich größer sein."

Muss er nicht, wie die Aussagen Hundstorfers zum Bawag-Verkauf deutlich machten. Tags zuvor hatte Cerberus zwar 3,2 Mrd. Euro für die Bawag überwiesen, die wurden aber flugs an die diversen ÖGB-Gläubiger (der größte war die Bawag selbst) weitergeleitet. 600 Millionen flossen in die Bank selbst, rund 147 Mio. an die Refco-Gläubiger. Übrigbleiben dürfte dem ÖGB so gut wie nichts, ein großer Sparkasten wird ganz sicher nicht vonnöten sein.

Hundstorfers Statement dazu: "Der Bawag-Verkauf war die einzige Möglichkeit, die Bawag und den ÖGB wirtschaftlich zu retten. Der ÖGB ist seit Dienstag schuldenfrei, die Kredite sind erledigt". Ob und wie viel dem ÖGB nach Schuldentilgung übrigbleiben, könne er "jetzt noch nicht sagen".

Bankchef Nowotnys erste Aufgabe "an diesem historischen Tag" war es, die neuen amerikanischen Eigentümer zu entschuldigen. Kein einziger von ihnen war am Tag Eins der "neuen Bawag" ebendort anwesend, weil "die Topmannschaft ist mit anderen, neuen Aktivitäten beschäftigt", so der Bankchef, den Chrysler-Einstieg von Cerberus ansprechend. Dafür waren drei von vier der österreichischen Bawag-Kleinaktionäre in Wien: Hannes Androsch für die Zweiergruppe Androsch (hält mit der Tiroler Unternehmerfamilie Marsoner zwei Prozent), Susanne Riess-Passer für Wüstenrot (ein Prozent), Generali-Chef Luciano Cirinà (drei Prozent); die Post hält fünf Prozent. Tags zuvor, in der ersten Hauptversammlung (sie fand am Dienstag-Abend in der Bawag statt, dauerte rund zehn Minuten und wurde von Anwältin Eva Fischer von der Cerberus-Kanzlei Wolf Theiss geleitet), war der Aufsichtsrat bestellt worden. Ihn führt zunächst Cerberus-Manager Daniel Wolf, er soll später von Ex-Banker und Cerberus-Manager Pieter Korteweg ersetzt werden. Insgesamt sind fünf Cerberus-Leute im Aufsichtsrat, die Post, deren Kooperationsvertrag mit der Bawag übrigens bis 2015 verlängert wurde, entsendet Rudolf Jettmar, der Bawag-Betriebsrat drei seiner Mitglieder.

Kräftig aufgestockt wurde auch der Bank-Vorstand: Alle fünf bisherigen Manager (drei von ihnen noch aus der Ära Elsner ff) bleiben bis zu ihrem Vertragsende 2008, Nowotny hat einen neuen Fünfjahresvertrag unterschrieben, mit Exit-Möglichkeiten. Die Amerikaner schicken nun drei weitere Manager in die Vorstandsetage: Bardo Akay (Risiko), Joseph Laughlin (Backoffice) und Carsten Samusch (Treasury).

Die acht Bawag-Chefs werden nun daran gehen, das Kerngeschäft der Bank auszuweiten, Generali-Versicherungen und Wüstenrot-Bausparverträge zu verkaufen und den "Kooperationsvertrag" mit dem ÖGB mit Leben zu erfüllen: Die Bawag bleibt ÖGB-Hausbank, man unterstützt einander, vergibt Betriebsratskredite. Zudem will Nowotny die Möglichkeiten ausschöpfen, die der neue Mehrheitsaktionär mitsamt seiner Töchter GMAC und Chrysler-Finanzierungsgesellschaft bringe: "Wir wollen die Rolle der Kapitalanlagegesellschaften ausbauen, das Leasinggeschäft, die Auto- und Konsumfinanzierung".

Weitere Details über die künftige Positionierung der Ex-Gewerkschaftsbank und ihrer Budgetziele (derzeit sind für 2011 rund 410 Mio. Euro Gewinn angepeilt, zuletzt waren es etwas mehr als 20) waren nicht zu eruieren. Nowotny: "Die Bawag ist jetzt wieder eine ganz normale Bank, und keine Bank der Welt gibt ihre Strategie und Businesspläne bekannt, wenn sie nicht muss." (Renate Graber)

  • In ganz Wien waren "die vielen, vielen Vergissmeinicht, auf dass Du uns nicht vergessen mögest" (Hundstorfer rechts zu Nowotny) nicht aufzutreiben gewesen, fündig wurde man schließlich erst im Stadtgartenamt.
    foto: standard/regine hendrich

    In ganz Wien waren "die vielen, vielen Vergissmeinicht, auf dass Du uns nicht vergessen mögest" (Hundstorfer rechts zu Nowotny) nicht aufzutreiben gewesen, fündig wurde man schließlich erst im Stadtgartenamt.

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