Ergebnis leicht unter Erwartungen

1. Juli 2007, 17:38
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Ausblick 2007: Rohölpreis unter 2006 mit starken kurzfristigen Schwankungen, Dollar schwächer, Raffineriemargen ähnlich

Wien - Die OMV, führender Öl- und Gaskonzern Mittel- und Zentraleuropas, hat im ersten Quartal 2007 einen leichten Ergebnisrückgang erlitten und lag auch beim Resultat leicht unter den Analysten-Erwartungen. Das bereinigte Betriebsergebnis sank um zwei Prozent auf 480 Mio. Euro. Analysten hatten im Schnitt knapp acht Prozent Zuwachs erwartet; In- und ausländische Banken war von plus zwei Prozent ausgegangen.

Der Periodenüberschuss verringerte sich um sieben Prozent auf 401 Mio. Euro, wie die OMV Mittwoch Früh weiter mitteilte. Der Umsatz im Auftaktquartal wuchs um sieben Prozent auf 4,594 Mrd. Euro, und der Mitarbeiterstand ging um 17 Prozent auf 39.187 zurück. Die OMV-Aktie hatte am Dienstag recht kräftig um 2,33 Prozent auf 48,78 Euro zugelegt.

Petrom steuerte ein EBIT-Viertel bei

Die rumänische Petrom steuerte zu den 512 Mio. Euro Gesamt-EBIT des OMV-Konzerns 136 Mio. Euro bei. Nach Bereichen verringerte sich das EBIT in E&P um 29 Prozent auf 421 Mio. Euro, drehte in R&M von negativen 37 Mio. Euro auf positive 29 Mio. Euro ins Plus (dazu trug die Petrochemie 39 nach 2 Mio. Euro bei) und legte im Gasbereich um 140 Prozent auf 79 Mio. Euro zu; im so genannten Konzernbereich sank es um 62 Prozent auf 17 Mio. Euro.

Der Periodenüberschuss nach Minderheiten erhöhte sich im 1. Quartal leicht um 4 Prozent auf 332 Mio. Euro, der Überschuss vor Sondereffekten nach Minderheiten stieg um 7 Prozent auf 317 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie wuchs dementsprechend um 4 Prozent auf 1,11 (1,07) Euro. Der Cashflow legte je Aktie auf 2,36 (1,69) Mio. Euro zu. Die Gearing Ratio der OMV lag im 1. Quartal bei 3 Prozent, nach 7 Prozent Ende 2006; die Nettoverschuldung wurde von Ende Dezember bis Ende März von 630 auf 321 Mio. Euro reduziert.

Anstieg der Investitionen

Die Gesamtinvestitionen betrugen 528 Mio. Euro und lagen damit spürbar über dem Auftaktquartal des Vorjahres (433 Mio. Euro); davon flossen 250 Mio. Euro in den E&P-Bereich, vor allem in die Entwicklung neuer Felder in Rumänien, Österreich, Neuseeland und Großbritannien. 226 Mio. wurden in R&M investiert, etwa in die Petrochemie Burghausen, Qualitätsverbesserungen in Raffinerien und die Erhöhung der Beteiligung an der türkischen Petrol Ofisi auf 35,2 Prozent. In Erdgas wurden 32 Mio. Euro investiert, hauptsächlich in den Ausbau der West-Austria-Gasleitung (WAG).

Beim Mitarbeiterstand des Konzerns, der im Jahresabstand insgesamt um 17 Prozent von 47.282 auf 39.187 zurückging, verringerte sich die Beschäftigtenzahl bei der Petrom um 19 Prozent von 41.992 auf 33.964.

In Raffinerien & Marketing (R&M) sank der Bereichsumsatz wegen einer geringen Produktennachfrage (vor allem bei Heizöl) wegen des milden Winters in Europa sowie Lagererhöhungen wegen geplanter Raffineriestillstände um 10 Prozent auf etwa 3,5 (3,9) Mrd. Euro. Die EBIT-Steigerung wurde primär durch bessere Raffineriemargen (bei OMV West und Petrom) sowie durch Petrochemie und Marketing erreicht.

Die gesamten OMV-Raffinerieverkaufsmengen sanken um sieben Prozent auf 5,22 Mio. t wegen des Nachfragerückgangs auf Grund des milden Winters und der Reduktion wenig rentabler Exporte der Petrom. Die Auslastung insgesamt wuchs leicht auf 93 Prozent. Die Marketing-Verkaufsmengen lagen mit 3,87 Mio. t um neun Prozent tiefer als ein Jahr davor. Ende März verfügte die OMV (samt Petrom) über 2.511 Tankstellen; der Marktanteil der OMV in Mitteleuropa betrug damit 20 Prozent.

Raffinerie-Stillstände

In R&M plant die OMV 2007 drei große Raffinerie-Stillstände: Im 2. Quartal für einen Monat in Arpechim (Rumänien) sowie rund einen Monat zur Überholung der Öldestillationsanlage in Schwechat bei Wien; im 4. Quartal soll Burghausen am Inn für sechs Wochen still stehen, dort wird der Cracker erweitert und eine neue Metathesisanlage in Betrieb gehen. Durch diese Stillstände werde die Raffinerie-Auslastungsrate im OMV-Konzern unter dem Niveau von 2006 liegen. Schwerpunkt der Investitionen werde die Modernisierung der Raffinerie Petrobrazi (Rumänien) sein sowie der Cracker Burghausen und der Thermal Cracker in Schwechat, um vermehrt schwere Heizöle einsetzen zu können und den Anteil schwerer Heizöle in der Produktausbeute zu reduzieren. Die Modernisierung der Petrom laufe nach Plan, so die OMV.

Preisrückgänge in E&P

In Exploration & Produktion (E&P) hat die OMV im 1. Quartal nach eigenen Angaben ein "herausforderndes Umfeld" vorgefunden. Die Rahmenbedingungen seien durch tiefere Ölpreise, niedrigere Verkaufsmengen und die Dollar-Schwäche "schwierig" gewesen. Der im Schnitt realisierte Rohölpreis lag mit 51,89 Dollar je Fass um sechs Prozent niedriger als ein Jahr davor (55,00 Dollar), der Gaspreis um zwei Prozent tiefer. Der Brent-Preis verringerte sich zugleich im Schnitt um 7 Prozent auf 57,76 (61,78) Dollar/Fass. Für den E&P-Bereichs-EBIT-Rückgang um 29 Prozent auf 421 Mio. Euro sei ein geringerer Petrom-Beitrag die Ursache gewesen.

Der Bereichsumsatz stagnierte bei 892 (879) Mio. Euro, ein Plus von einem Prozent. Die Gesamtproduktion an Erdöl, NGL und Erdgas sank um 5 Prozent auf 28,9 Mio. boe, im Tagesschnitt waren dies 322.000 boe. Die Öl- und NGL-Fördermenge lag mit 14,4 Mio. bbl um 8 Prozent tiefer; Gründe dafür waren der Wegfall verkaufter Assets in Südamerika sowie geringere Mengen in Rumänien. Die Gasproduktion sank - auch wegen des warmen Winters - um 1 Prozent auf 14,5 Mio. boe.

Die Produktionskosten in E&P (OPEX, exklusive Lizenzgebühren) stiegen im 1. Quartal um 23 Prozent von 9,88 auf 12,18 Dollar pro boe, bei der Petrom wuchsen sie wegen des starken Leu um 29 Prozent auf 15,51 (12,06) Dollar pro boe. Bei der rumänischen Petrom kletterte der regulierte Inlandsgaspreis für Produzenten um 39 Prozent auf 154,05 (110,5) Dollar je 1.000 m3. Die Explorationsausgaben in E&P wuchsen um 3 Prozent auf 38,5 (37,2) Mio. Euro, laut OMV-Angaben vor allem durch die Steigerung der Aktivitäten bei Petrom (von 3 auf 20 Mio. Euro im Jahresabstand).

Für 2007 erwartet die OMV in E&P - nach der rückläufigen Produktion 2006 - wieder einen leichten Zuwachs, unterstützt durch die Ende 2006 in Betrieb genommenen Felder in Neuseeland und Jemen. Die Investitionsschwerpunkte würden heuer bei Feldern in Österreich, Neuseeland, Kasachstan, Jemen und Libyen liegen. In Rumänien seien erste Anzeichen von Verbesserungen infolge der dortigen Modernisierungen gegen Ende 2007 zu erwarten.

Der Erdgas-Bereichsumsatz verdoppelte sich im ersten Quartal auf 889 (446) Mio. Euro, ein Zuwachs um 99 Prozent. Das EBIT stieg um 140 Prozent auf 79 (33) Mio. Euro ebenfalls stark durch die seit dem vierten Quartal 2006 in die OMV vollkonsolidierte EconGas, die allein 36 Mio. Euro beisteuerte. Die verkauften Erdgasmengen sanken wegen des warmen Winters um 21 Prozent auf 3,96 Mrd. m3. Die verkaufte Transportkapazität stieg - vor allem durch den Ausbau der TAG-Gasleitung - um sechs Prozent auf 12,15 Mrd. m3. Durch Inbetriebnahme des Loop II der Tag Anfang 2007 stünden nun zusätzlich vier Mrd. m3 Transportkapazität zur Verfügung. Damit wurde laut OMV die jährliche Transportkapazität auf 41 Mrd. m3 erhöht. Die durchschnittlich verkaufte Speicherkapazität von Erdgas stieg 16 Prozent auf 804.273 m3/h.

Entscheidung über "Nabucco"

Im Erdgas-Segment werde 2007 die Internationalisierung konsequent weiter umgesetzt, heißt es im Ausblick. Die Aktivitäten im Marketing und Trading sollen durch EconGas in Deutschland und Italien sowie das Gaswachstum der Petrom in Rumänien weiter gestärkt werden. Ende 2007/Anfang 2008 sei die endgültige Entscheidung für das Projekt der "Nabucco"-Gasleitung zu erwarten, über die Gas aus dem Kaspischen Raum nach Europa kommen soll. Zum Adria LNG Projekt und den Bau eines Gaskraftwerks in Rumänien seien 2007 Machbarkeitsstudien geplant. (APA)

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OMV
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