"2 Tage in Paris": Offen für Vorurteile

Redaktion
21. Juni 2007, 18:26
  •   Fast durch Paris getrennt: Adam Goldberg (re.) und Julie Delpy, die für "2 Tage in Paris" erstmals Regie führte.
    f.: 3l-filmverleih

    Fast durch Paris getrennt: Adam Goldberg (re.) und Julie Delpy, die für "2 Tage in Paris" erstmals Regie führte.

Das Regiedebüt der französischen Schauspielerin Julie Delpy ist eine flotte (Liebes-)Komödie über kulturelle Missverständ­nisse zwischen Amerikanern und Franzosen

Wien - Als der Ort, an dem Verliebte noch ein wenig näher aneinander rücken, ist Paris im Kino nie wirklich aus der Mode gekommen. Aber wie jedes Klischee weist auch dieses bestimmte Abstufungen auf, und manchmal braucht es sogar den Beweis des Gegenteils, damit sich ein Klischee umso wirkmächtiger aufrichten kann. Das bedeutet zwar nicht Hass statt Romantik, aber gemäß einem Screwball-Comedy-Gesetz zumindest den permanenten Anstieg von Reibung zwischen Mann und Frau - bis sich dann am Ende (wieder) Liebe einstellt.

Das Regiedebüt der französischen Schauspielerin Julie Delpy, 2 Tage in Paris, folgt dieser dramatischen Regel recht bedingungslos, wobei die Reibung hier aus kulturellen Unterschieden resultiert - und aus der Art und Weise, wie gegensätzlich man Paris erfahren kann. Das junge Paar, Marion (von Delpy verkörpert), Typus quirlige Französin, und Jack (Adam Goldberg), Typus neurotischer New Yorker, beschließt seine Europa-Reise mit einem Aufenthalt in Paris. Weil Marion von hierher kommt und hier auch immer noch ihre Eltern leben, stehen die Voraussetzungen schlecht, dass es Zeit für romantische Zurückgezogenheit geben wird. Eher geht es um so etwas wie die Pflicht nach der Kür.

Wer also mit Delpys Film eine Art Fortführung von Richard Linklaters melancholischer Ballade Before Sunset erwart, der befindet sich auf der falschen Spur. Wo Paris damals eine Kulisse war, vor der sich zwei Menschen Mitte dreißig ihre Lebenswirren seit dem letzten Zusammentreffen erzählen, ist die Stadt nunmehr ein Ort der Interaktion - und der unliebsamen Erinnerungen. Hektisch, voller US-Touristen, chauvinistischer Taxifahrer sowie Ex-Liebhaber von Marion, die es - zumindest aus der Perspektive Jacks - mit Trennungen nicht so genau nehmen.

Delpy setzt in ihrer Komödie von Anfang an auf die Karte der wechselseitigen Ressentiments zwischen Amerikanern und Franzosen. Marions Eltern - die Julie Delpy mit ihren richtigen besetzt hat: Marie Pillet und Albert Delpy, in Frankreich viel beschäftigte Komödianten - sind liebevoll gezeichnete Karikaturen: Er ein renitenter Alt-68er, der gern schweinigelt und falsch geparkte Autos mit dem Schlüssel zerkratzt; sie eine gutmütige, etwas indiskrete und auch ziemlich freizügige Person, die zu starken Emotionsbekundungen neigt.

Kulturelle Stereotype wie diese bedient und bestätigt 2 Tage in Paris mit geradezu unverschämter Offenheit - was Delpy bei der Finanzierung des Films durchaus Probleme beschert hat. Aus deren direkter Konfrontation gewinnt er seine erzählerische Dynamik, die kumulativ ist, also eine immer rasantere Entwicklung durchläuft: Ihren Anker hat sie in Jacks Perspektive, aus der sich das Sozialleben der Franzosen nach Codes gestaltet, denen er nur ungenügend folgen kann.

Labile Männer

Aus anfänglicher Verunsicherung wird dann schnell Unverständnis: Ist der erste Zusammenprall noch nach dem Muster von Meet the Parents entworfen, der Schwiegersohn in spe also der Adressat von Spott und Frotzelei, so fantasiert der zunehmend paranoidere Jack in weiterer Folge eine veritable Beziehungskrise herbei. Die vielen Nebenbuhler bringen sein ohnehin labiles Männlichkeitsbild gehörig ins Wanken. Delpy erlaubt sich die schöne Pointe, dass es gerade eine von Daniel Brühl verkörperte "Fee" ist, die ihm schließlich ins Gewissen redet.

Nicht zuletzt solche kleineren, versponnenen Elemente sind es, die 2 Tage in Paris eine individuelle Note verleihen, die vergleichbaren Mainstream-Komödien abgeht. Delpy betrachtet ihr eigenes Land mit den Augen von jemandem, der sichtlich Distanz gewonnen hat - ist sie doch eine von nicht eben vielen französischen Schauspielerinnen ihrer Generation, die sich auch international etablieren konnten. Sie weiß um Klischees, und sie weiß, dass man darüber lachen kann. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 5. 2007)

---> Interview mit Julie Delpy: "Pausen sind schlecht"

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Ab Freitag im Kino
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5 Postings
sehr lustiger film

kann ich wirklich empfehlen, selten so gelacht im kino!

unbedingt in OV anschauen, ich weiss nicht, ob es bei der synchronisierten version so funktioniert mit dem ländermatch frankreich - usa....

Anmerkung: der film ist im wesentlichen Englisch, nicht Französisch, daher ist der titel "deux jours a paris" etwas irreführend.

ich mag frau Delpy!

und den film werde ich mir ganz sicher ansehen :o)

"2 Tage in Paris"

Is' das die Vortsetzung von "One Night in Paris"?

Nein, aber diese Geschichte erinnert sehr stark an den Film mit dem July Delpy international bekannt wurde. Es handelt sich dabei um Before Sunrise von Richard Linklater, wo Delpy an der Seite von Ethan Hawk einen Tag und eine Nacht in Wien verbracht hat.

nein. und zieh gefällgist einen anzug an!

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