Tour 2006 längst nicht entschieden

2. Juli 2007, 11:07
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Vom Rechtsstreit um den unter Doping­verdacht stehenden Floyd Landis, der bei einer Anhörung vor der US-Anti-Doping-Agentur jedwedes Vergehen bestreitet

Los Angeles – Am 7. Juli beginnt die Tour de France, 94. Auflage. Und es kann gut sein, dass bis dahin immer noch nicht feststeht, wer die 93. gewonnen hat. Derzeit gilt als Sieger Floyd Landis, der die Große Schleife 2006 als Erster vor dem Spanier Oscar Pereiro und dem Deutschen Andreas Klöden als Schnellster beendet hatte.

Der 31-jährige US-Amerikaner hatte freilich nach der überlegen gewonnen 17. Etappe eine Dopingprobe mit deutlich überhöhtem Testosteronwert abgeliefert. Auf Anordnung der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada waren unlängst sieben Proben von Landis, die bei der Tour noch negativ getestet worden waren, nachträglich mit exakteren Methoden untersucht und als positiv identifiziert worden. Pereiro war nur zwischenzeitlich unter Verdacht gestanden, für die bei ihm gefundene Substanz Salbutamol, die mit einem Asthmaspray eingenommen worden war, lieferte er eine Ausnahmegenehmigung. Also könnte Pereiro den Sieg noch erben. Falls der Landis überhaupt weggenommen wird. Denn dieser Tage stellt sich Landis auf eigenen Wunsch einer Anhörung vor der Usada und bestreitet jegliches Doping, will den seiner Meinung nach ihm gehörenden Titel in doppelter Hinsicht verteidigen.

Sein Anwalt Maurice Suh bezeichnete zum Auftakt der zehntägigen Anhörung das Dopingtest-Prozedere als "totale Katastrophe". Dem Labor der französischen Anti-Doping-Agentur (LNDD), das Landis’ Urin nach der Tour untersucht hatte, will Suh bis zum 23. Mai acht Verletzungen "internationaler Richtlinien" nachweisen: "Ein Desaster wie dieses entsteht nicht durch ein oder zwei Dinge, die schief laufen. Es resultiert aus zahlreichen Fehlern, die alle zur gleichen Zeit passieren."

Usada-Anwalt Richard Young: "Unabhängig vom Ablauf dieses Verfahrens waren die Testergebnisse positiv. Jetzt müssen wir zwei Fragen klären. Erfüllen diese Ergebnisse alle Kriterien für einen positiven Befund? Und sind die Ergebnisse verlässlich?" Sollte Landis von den Doping-Experten Patrice Brunet, Usada-Vertreter Richard McLaren und dem von ihm selbst ausgewählten Christopher Campbell schuldig gesprochen werden, drohen ihm eine zweijährige Sperre sowie der Verlust des Tourtitels. Er wäre der Erste in der diesbezüglichen Geschichte, dem der Sieg nachträglich aberkannt wurde. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist für die Parteien noch der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne möglich. (red, sid, APA - DER STANDARD PRINTAUSGABE 16.5. 2007)

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    Landis will seinen Titel quasi doppelt verteidigen.

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