Drogencheck in der Partyarea

11. September 2007, 10:19
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Mit völlig anonymen Drogenanalysen bekämpft der unkonventionelle Verein "CheckIt" das Risiko von gefälschten Drogen

Damit bewegt sich die Initiative im gesetzlichen Graubereich.

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Wien - "Alkohol ist bei solchen Raves kein Problem. Das Hauptproblem ist Ecstasy", meint Peter Fuhrich, Sanitäter beim Roten Kreuz bei einem Techno-Rave an einem Samstag am Rande von Wien.

Bei genau diesem Thema setzt "CheckIt" mit seiner doch sehr unkonventionellen Methode an. "Wir führen keine Qualitätskontrolle durch, sondern generieren Informationen der Substanzen, um eine Risikobeurteilung durchführen zu können", erklärt Rainer Schmid, der seit zehn Jahren für den Verein im Labor tätig ist und bei dessen Gründung involviert war.

"CheckIt" hat nicht nur eine Beratungsstelle in der Gumpendorferstraße, sondern ist auch bei Festivals vor Ort mit einem Beratungs- und Analysezelt präsent. Mit dieser Form der Drogenberatung arbeitet er in einem gesetzlichen Graubereich.

Will ein Jugendlicher auf einem Event eine Droge zur Analyse abgeben, so muss er in das "CheckIt"-Zelt gehen, wo absolute Anonymität herrscht. Dort muss man die Droge auf eine Waage legen, sie mit einem Stück Schleifpapier abschmirgeln und die Spuren der Droge dann in ein Röhrchen geben. Auf die Frage, warum das "CheckIt"-Team das nicht selbst macht, antwortet ein Mitarbeiter: "Würden wir die Drogen in die Hand nehmen und dann wieder zurückgeben, dann würden wir dealen - und das ist illegal."

Diese Probe wird dann in das Labor gebracht und dort auf ihre Bestandteile geprüft. "Später ist dann ein Aushang beim Zelt zu sehen, wobei wir absichtlich Fachbegriffe verwenden, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen", erläutert Sonja Grabenhofer, die seit zwei Jahren als Eventmanagerin für "CheckIt" tätig ist, die Vorgehensweise.

13 von 41 gefälscht

Ein Rave bedeutet für das Team eine Menge Arbeit. So wurden auch in dieser Nacht rund 200 Infogespräche, 15 Beratungen sowie 41 Analysen durchgeführt, von denen 13 nicht die erwartende Zusammensetzung enthielten. Als Aufklärungsinstanz in Sachen Drogengefahr will sich der Verein nicht verstehen: "Es ist nicht sinnvoll zu sagen, dass Drogen böse sind. Das wissen sie alle", sagt Schmid. "Die meisten von ihnen schaffen es, diese Durchgangsphase ohne bleibende Schäden zu überstehen und dabei unterstützen wir sie." Die Jugendlichen würden keine konventionellen Beratungsstellen aufsuchen, da sie sich selbst nicht als süchtig bezeichnen würden, meinen die Experten.

Vor allem durch die absolute Anonymität setzen die jungen Partybesucher großes Vertrauen in das "CheckIt"-Team. "Ich habe auch schon Drogen dort testen lassen. Ich finde es cool, dass man sich sicher sein kann, dass die Polizei nicht verständigt wird", meint Patrick* (19). Eine Zusammenarbeit mit der Polizei ist für "CheckIt" ausgeschlossen.

Trotz allem würde sich Schmid einen besseren Informationsaustausch mit der Exekutive wünschen, da die Daten von den Analysen auf der "CheckIt"-Homepage öffentlich und somit auch für die Polizei zugänglich sind. "Die Polizei stellt uns aber ihre Informationen nicht zur Verfügung. Dabei wäre es interessant, ob unsere Informationen mit denen der beschlagnahmten Funde übereinstimmen", meint Schmid. Denn genau mit diesen Informationen werden die Statistiken gespeist um die Entwicklungen und Trends festzustellen. So werden nicht nur unsaubere Drogen aufgezeigt, sondern auch neue Inhaltsstoffe analysiert.

Schmid sieht die Relevanz von "CheckIt" im Steigen begriffen: "1997 wurde 'CheckIt' als Projekt gestartet, denn damals, Anfang der 90er, ist Ecstasy über England nach Europa gekommen. Solch neue Entwicklungen wird es immer wieder geben. Doch um diese zu analysieren und zu entdecken, sind wird vor Ort." (Katharina Holub, Michael Kosch/DER STANDARD Printausgabe, 15. Mai 2007)

*Name von der Redaktion geändert

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CheckIt

  • Im Discofieber und Partyspaß sind Drogen ein Problem. Vor allem dann, wenn die Zusammensetzung nicht stimmt, besteht ein großes Risiko. Um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen, sind unkonventionelle Methoden gefragt.
    foto: standard/corn

    Im Discofieber und Partyspaß sind Drogen ein Problem. Vor allem dann, wenn die Zusammensetzung nicht stimmt, besteht ein großes Risiko. Um das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen, sind unkonventionelle Methoden gefragt.

  • Bei "CheckIt" werden die Drogen von den Jugendlichen selbst zur Analyse präpariert - völlig anonym.
    foto: standard/newald

    Bei "CheckIt" werden die Drogen von den Jugendlichen selbst zur Analyse präpariert - völlig anonym.

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