BMW zieht X3-Produktion aus Graz ab

6. Juni 2007, 16:09
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Nach dem verlorenen Poker um Chrysler und dem Einstieg des russischen Oligarchen Oleg Deripaska im Konzern, verliert Magna jetzt den großen Brocken BMW X3

Graz/Moskau - Es rumpelt im steirischen Autocluster. Zuerst werden die lange kolportierten Gerüchte um einen Einstieg des russischen Oligarchen Oleg Deripaska bestätigt, schließlich zieht Magna beim Chrysler-Deal gegen Cerberus den Kürzeren und jetzt wird von BMW offiziell angekündigt, dass das Nachfolgemodell des BMW X3 nicht mehr in Graz gefertigt wird.

BMW-Vorstandschef Norbert Reitbauer bekräftigte am Dienstag, dass die Produktion ins hauseigene US-Werk Spartanburg verlagert werde. Damit sollen letztlich die Währungsrisiken durch den starken Euro gesenkt werden. Zudem sind die USA der größte Einzelmarkt des Unternehmens - also will BMW gleich vor Ort produzieren.

Zeitgleich mit der für Graz bitteren Ankündigung, den BMW X3 auszulagern - immerhin bindet der X3 40 Prozent der Produktionskapazitäten - ventilierte BMW über die Financial Times Deutschland, dass Magna als Ausgleich einen in Planung stehenden "Mini-Geländewagen" entwickeln und produzieren werde. Das neue Modell soll bereits 2009 auf den Markt kommen.

In Summe zeigen sich trotz der X3-Hiobsbotschaft sowohl Belegschaftsvertretung wie auch Magna-Konzernspitze relativ optimistisch, ab 2010 die Auftragsbestände durch neue Akquisitionen halten zu können. Magna-Arbeiterbetriebsratschef Thomas Stoimaier zum Standard: "Ich darf zwar keine konkreten Auskünfte über laufende Verhandlungen machen, bin aber, so wie alles läuft, durchaus positiv gestimmt."

Ähnliche Töne kommen aus der Konzernzentrale. Magna-Sprecher Daniel Wizani: "Wir sind mit bestehenden und neuen Kunden in Gesprächen und zuversichtlich, dass wir auch nach 2010, wenn der X3 ausläuft, gut ausgelastet sein werden." Auch der geplatzte Deal mit Chrysler werde sich nicht negativ auswirken, sagt Wizani. Magna habe zu Daimler und Chrysler seit Jahrzehnten Verbindungen, die wohl so bleiben würden.

Neben der Partnerschaft mit Oleg Deripaska scheint nun auch die zweite große Kooperation mit Russland auf Schiene zu sein. Nach Informationen des Standard wurde letzte Woche das seit 2006 im Gespräch stehende Jointventure zwischen Magna und dem größten russischen Autokonzern AvotVaz (Lada) ausverhandelt. Dieses sieht die Gründung einer gemeinsamen 50:50-Plattform vor - samt Bau eines 800-Millionen-Euro-Werkes.

Der Vertrag soll noch diese Woche im Lada-Stammwerk in Togliatti paraphiert werden. Denkbar ist aber auch eine Vertragsunterzeichnung während des Österreich-Besuches von Präsident Wladimir Putin nächste Woche in Wien. Ein Indiz dafür: der Chef des AvtoVAZ-Aufsichtsrates Sergej Tschemesow, der auch als Putin-Nachfolger im Gespräch ist, wird Putin begleiten.

2006 hatte es bereits eine Grundsatzvereinbarung gegeben. AvtoVaz ließ Magna Modelle ausarbeiten, was vor gut einem Monat zum Konflikt führte, weil Magna zu teuer veranschlagte. Magnas Krisenmanager für die Russen eilten nach Russland. In der Vorwoche konnten dem Vernehmen nach die Unstimmigkeiten ausgeräumt werden. (Walter Müller, Eduard Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.05.2007)

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BMW
  • BMW schert aus und verlagert die Produktion des X3 von Graz ins hauseigene US-Werk nach Spartanburg.
    foto: standard

    BMW schert aus und verlagert die Produktion des X3 von Graz ins hauseigene US-Werk nach Spartanburg.

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