"Condi", die außenpolitische Geheimwaffe

2. August 2000, 19:33

Condoleezza Rice berät Bush in Außenpolitik

Der Name Condoleezza ist die Abwandlung einer musikalischen Bezeichnung - "con dolcezza" (mit Süße) - und entspricht einem Wunschtraum der Mutter der heute 45-jährigen Condoleezza Rice: Sie hätte ihre Tochter gerne als weltberühmte Pianistin gesehen. Sollte George W. Bush die Wahlen gewinnen, könnte seine derzeitige außenpolitische Beraterin tatsächlich Weltruhm erlangen, allerdings nicht im Konzertsaal: Als Außenministerin oder Sicherheitsberaterin eines Präsidenten George W. Bush könnte sie auf der politischen Weltbühne Furore machen und als erste schwarze Amerikanerin, so ein politischer Beobachter, die Popularität eines Rockstars erreichen. Bereits jetzt wird sie als "Geheimwaffe von Bush" bezeichnet - immerhin war sie es, an die sich der außenpolitisch wenig versierte Kandidat während des bisherigen Wahlkampfes um Rat wandte.

Condoleezza Rice wurde am 14. November 1954 in Birmingham, Alabama, als Tochter eines presbyterianischen Pastors geboren. Im Alter von zehn Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Tuscaloosa, wo ihr Vater einen Posten als Dekan an einem afroamerikanischen College annahm. Condoleezza selbst begann bereits im Alter von 15 Jahren an der University of Denver zu studieren, machte mit 19 ihren "Bachelor"-Abschluss und mit 21 den "Master" in Politikwissenschaft. In Denver war sie stark von ihrem Professor Josef Korbel, einem ehemaligen tschechischen Diplomaten, beeinflusst - dem Vater der derzeitigen (demokratischen) Außenministerin Madeleine Albright. Nach ihrer Promotion 1981 wurde sie bald an die prestigereiche Stanford University berufen und dort 1987 zur außerordentlichen Professorin ernannt.

Ihre Karriere in der Politik gipfelte in einem Beraterjob für Präsident George Bush, bei dem sie für Russland zuständig war. Nach ihrer Rückkehr nach Stanford wurde sie 1993 zum "Provost" der Universität ernannt - als erste Frau und erste Nichtweiße, die dort diesen hohen akademischen Titel erlangte.

1998 brachte Vater Bush die begabte Politologin mit seinem Sohn George W. zusammen - und die beiden verstanden sich auf Anhieb. Seither ist Condoleezza Rice, kurz "Condi" genannt, eine der wichtigsten Personen im außenpolitischen Team des Kandidaten. Condoleezza bezeichnet sich außenpolitisch als "sehr konservativ", bei anderen Themen eher "beinahe schockierend liberalistisch" oder "gemäßigt".

Die begeisterte Freizeitsportlerin - in ihrer Kindheit war sie Eiskunstläuferin - gilt als charmant, intelligent und mit ausreichend Charisma ausgestattet, was sie bei ihrem umjubelten Auftritt auf dem republikanischen Parteitag unter Beweis stellte. Am liebsten aber sitzt sie in ihrer kargen Freizeit noch immer am Klavier. (Susi Schneider)

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