"Komatrinken" ist für Österreichs Rettungsdienste "nichts Neues"

24. Juli 2007, 16:09
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"Wenn ich am Wochenende das Plakat zu einer Ein-Euro-Party sehe, weiß ich, dass wir dort hinfahren werden"

Wien - "Komatrinken" ist ein über ganz Österreich verbreitetes Phänomen. Die APA hat am Montag bei den Rot Kreuz-Landesstellen in sämtlichen Bundesländern nachgefragt und dabei eine Erkenntnis gewonnen: Für die Rettungsdienste sind bis zur Bewusstlosigkeit betrunkene Jugendliche nichts Neues. Dennoch gibt es immer wieder Fälle, bei denen sogar abgebrühten Helfern die Luft weg bleibt.

Eine schier unglaubliche Geschichte erzählte ein führender Mitarbeiter des Kärntner Roten Kreuzes. Ein Vater habe ihm berichtet, dass sein Sohn mit gleichaltrigen 15- bis 16-Jährigen jedes Mal vor dem abendlichen Streifzug durch die Lokale zu Hause "vortrinkt". Die Jugendlichen würden in Geschäften billigen Alkohol besorgen und sich mit diesem in Stimmung bringen, bevor sie das Haus verlassen. "Der Vater hat mir gegenüber ausdrücklich die Sparsamkeit der Buben gelobt, da in den Lokalen die Getränke ja so teuer seien", so der Rettungsmann.

"Patienten" werden jünger

"Wenn ich am Wochenende das Plakat zu einer Ein-Euro-Party sehe, weiß ich, dass wir dort hinfahren werden", meinte ein Sanitäter des Roten Kreuzes in Eisenstadt. Vor allem in der Nacht von Freitag auf Samstag, meist nach Mitternacht, werden die Helfer zu zwei bis drei Einsätzen gerufen. Die "Patienten" werden jünger, auf alle Fälle unter dem Führerschein-Alter, stellte auch er fest. Noch vor wenigen Monaten sei die Rettung vor allem zu 18- oder 19-Jährigen gerufen worden.

In den vergangenen Monaten habe sich das seiner Meinung nach auf Grund der "Flatrate-Partys" geändert. Die jüngste Patientin war ein Mädchen im Alter von 13 Jahren. Der Rettungssanitäter ist seit 30 Jahren beim Roten Kreuz tätig und war zuvor in Wiener Neustadt. "Dort war es noch schlimmer", so sein Kommentar.

"Neu ist es nicht"

"Komatrinken" scheint auch in Niederösterreich schon länger bekannt: "Neu ist es nicht", so der Tenor von Ralph Schüller, Sprecher des NÖ Roten Kreuzes, und Stefan Spielbichler von der NÖ Rettungsleitstelle LEBIG. Zu beobachten sei allerdings, dass immer mehr Mädchen mit Alkoholintoxikationen ins Spital eingeliefert würden. Die weiblichen Jugendlichen hätten in Niederösterreich mit den Burschen gleichgezogen, "wenn nicht sogar schon überholt", so Spielbichler.

"Das eigentliche Problem ist das Vorglühen", weiß Spielbichler. Auf den Festen selbst seien die Wirte bereits sehr sensibilisiert, so dass Personen, die vom Gesetz her nicht berechtigt sind Alkohol zu trinken, auch tatsächlich keinen erhalten. In vielen Fällen sei es aber so, dass unter 16-Jährige ältere Freunde in den Supermarkt schicken, die dort alkoholische Getränke kaufen und an die Gruppe weitergeben. (APA)

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