One neuerlich vor Verkauf

11. Juni 2007, 11:31
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KPN, France Telecom, Orascom, russische Alpha Group im Gespräch - Einsparungen drohen

Der drittgrößte österreichische Handynetzbetreiber "One" steht nach mehreren Anläufen erneut vor dem Verkauf. Der derzeitige Haupteigentümer, der deutsche Energiekonzern E.ON, hat jetzt die zweite Phase im Verkaufsprozess eingeleitet. Ende April seien bereits vorläufige Angebote eingelangt. Nun laufe die vertiefte Unternehmensprüfung (Due Diligence), hieß es aus Eigentümerkreisen zur APA.

Damit bestätigten die Informanten am Dienstag einen entsprechenden Bericht der Finanzagentur Dow Jones aus London von vergangener Woche.

Interesse

Öffentlich sein Interesse an One bestätigt hat zuletzt im Februar nur der niederländische Telekomkonzern KPN, der davor bei tele.ring abgeblitzt war. Ob die Niederländer tatsächlich ein Angebot gelegt haben, ist offen. Als mögliche Interessenten gelten auch die France Telecom, die über die Tochter Orange mit einem Minderheitsanteil schon seit Jahren an One beteiligt ist, der ägyptische Telekom-Riese Orascom und die Alfa Group des russischen Finanz- und Telekom-Mogulen Michail Friedman. Abgewunken hat dagegen bereits die Telefonica mit ihrem Mobilfunkableger O2.

Eine bis 1,5 Milliarden Euro

Über den Wert von One reichen die Schätzungen - je nachdem, welche Seite man befragt - von einer bis 1,5 Mrd. Euro. Ein Verkaufserlös etwa in der Mitte dieser Bandbreite wird in der Branche als "ambitioniert aber denkbar" eingestuft.

Derzeit gehört One zu 50,1 Prozent E.ON. Den Rest halten Orange und die norwegische Telenor (je 17,45 Prozent) sowie die dänische TDC (15 Prozent). Laut den Kreisen steht trotz Syndikatsvertrag das Gesamtunternehmen zum Verkauf. Telenor und TDC haben schon früher nicht auf ihrem Vorkaufsrecht beharrt.

Due Diligence

Verkaufsberater ist die Investmentbank Goldman Sachs. Die Due Diligence läuft Mitte Juni aus. Danach haben die Interessenten noch zwei Wochen Zeit, ihr letztes Angebot abzugeben, hieß es aus den Kreisen.

One hat zuletzt 2006 trotz eines Kundenzuwachses von zwölf Prozent auf rund 2 Mio. Handykunden Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis hinnehmen müssen. Die Erlöse sanken wegen des harten Tarifkampfs um 1,6 Prozent auf 617 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) um 9,7 Prozent auf 28 Mio. Euro und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 8 Prozent auf 161 Mio. Euro. Schon im Jahr davor waren die operativen Gewinne um mehr als ein Viertel gefallen.

Weitere EInsparungen

Nach dem Verkauf ist nach Meinung von Branchen-Beobachtern deshalb mit weiteren Einsparungen bei One zu rechnen. 2004 hatte das Unternehmen rund ein Fünftel seiner Belegschaft abgebaut. Zur Zeit hält One bei etwa 900 Mitarbeitern.

Ausstieg

E.ON hatte bereits vor mehr als fünf Jahren einen Ausstieg aus One angekündigt. Der deutsche Energie-Multi will sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Schon im Vorjahr hatte der Konzern den Verkaufsprozess bis in die zweite Phase gebracht. France Telecom wollte damals gemeinsam mit der Investmentgesellschaft Carlyle One übernehmen. Letztendlich scheiterte das Gebot jedoch an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Hatte Carlyle zunächst einen Kaufpreis von 1,4 Mrd. Euro in Aussicht gestellt, wollten die Investoren nach der Due Dilligence nur noch 1,015 Mrd. Euro auf den Tisch legen. Das sei E.ON damals zu wenig gewesen, heißt es.

Carlyle ist diesmal nicht mehr im Rennen dabei. An der Neuausschreibung habe man sich nicht mehr beteiligt, hieß es aus London auf APA-Anfrage. (APA)

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One

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    Jorgen Bang-Jensen, Geschäftsführer von One wird weiter einsparen müssen, meinen Experten.

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