Reaktionen: Stronach unter Druck

26. Juli 2007, 14:40
10 Postings

Auswirkungen auf Standort Graz ungewiss - Daimler AG macht froh: Zetsche, Beschäftigte und Börse zufrieden

Uwe Galler ist sehr zurückhaltend. Wie auch die Chefetage und der Betriebsrat bei Magna, die sich den Tag über nicht über den geplatzten Cerberus-Deal äußern wollten. Der Geschäftsführer des steirischen Autoclusters, Galler, wagt jedenfalls noch keine klare Prognose, was die verhinderte Ehe zwischen Magna und Chrysler für den Standort Graz bedeuten könnte. Galler: "Ich gehe aber davon aus, dass sich in Graz nichts Wesentliches verändern wird."

Ganz ausschließen will man das in der Autobranche aber nicht. Denn Finanzinvestor Cerberus wird einen harten Sparkurs fahren, wovon auch Graz nicht verschont bleiben dürfte.

Dass Magna noch vor dem Abschluss des geplanten Chrysler-Deals den russischen Oligarchen Oleg Deripaska als Miteigentümer präsentiert hatte, wird in der Branche als kontraproduktiv gewertet. Allerdings: Stronach stand unter Zeitdruck, er musste den Einstieg Deripaskas in der Hauptversammlung, die vor der Chrysler-Entscheidung stattfand, bekannt geben. Sicher wissend, dass die "russische Karte" im Poker um Chrysler das Blatt verschlechterte. Es hatte sich in den USA umgehend Widerstand gegen eine russische Beteiligung - über Magna - an der US-Autoindustrie gebildet. Zudem hatte Deripaska vom State Department ein Einreiseverbot verhängt bekommen. Stronach brauchte aber das russische Kapital für den Chrysler-Deal und das Okay seiner Aktionäre. Denn aus der "Handkasse" hätte Stronach Chrysler nicht übernehmen können, und ohne Deripaska um den US-Konzern wahrscheinlich gar nicht mitbieten können, heißt es.

Daimler AG macht froh

"Persönlich ist mir diese Entscheidung nicht leicht gefallen." Mit diesen Worten beendete DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche am Montag die von seinem Vorgänger Jürgen Schrempp geschlossene Ehe. Schließlich hatte Zetsche, bevor er 2006 an die Stuttgarter Konzernspitze wechselte, viel Zeit und Kraft in die Sanierung von Chrysler gesteckt. Nun aber zeigt er sich mit dem Deal zufrieden: "Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größeren Wert schafft - für Daimler und für Chrysler." In Daimler AG soll der Stuttgarter Konzern nach dem Geschäft umbenannt werden. Nötig ist dafür eine außerordentliche Hauptversammlung, die im Herbst zusammenkommt.

Seit man die US-Tochter im Februar zum ersten Mal zur Disposition gestellt habe, sei die Gefahr einer Übernahme des gesamten Konzerns gesunken, betont Zetsche: "Zu dieser Zeit war das Risiko, dass andere Entscheidungen für uns treffen, sicherlich dramatisch." Nun, wo sich die Schwaben die nimmersatte US-Tochter vom Hals geschafft haben, will Zetsche aber nicht ausschließen, dass es auch bei Daimler zu "kleineren" Stellenstreichungen kommen kann. An den Renditezielen für die Sparten Pkw, Lkw und Busse will Zetsche festhalten.

Erfreut über die Trennung sind aber auch die Arbeitnehmer, der Gesamtbetriebsrat begrüßt den Verkauf. Besonders laut war der Jubel am Montag an der Frankfurter Börse: Der Aktienkurs schnellte bis zu acht Prozent nach oben und pushte das Papier auf 65,34 Euro. So hoch war es seit sieben Jahren nicht mehr gestanden. (mue, bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.05.2007)

Share if you care.