Fett-Steuer mundet Österreichern nicht

11. Juli 2007, 10:31
144 Postings

Nein sagen Ärzte und Ernährungsberater zu dem Vorstoß aus Deutschland - Aufklärung sei der richtige Weg, etwa durch die Schulmediziner

Wien/Linz - Im Grunde genommen wäre es für den Staat schnell verdientes Geld - die Fett-Steuer. Seit Jahren zeigen Studien zu den Ernährungsgewohnheiten der Österreicher, dass hier zu viel, zu fett und zu süß gegessen wird. Dennoch, die am Wochenende von deutschen Politikern aufgestellte Forderung, ungesunde Lebensmittel höher zu besteuern, stößt auf breite Ablehnung.

"Einfach nur an der Steuerschraube zu drehen, greift zu kurz", meint Ernährungsberater Roland Widowitsch vom Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit (PGA) in Linz. Als Beispiel nennt er das Rauchen, dass auch durch die Verteuerung der Zigaretten nicht signifikant weniger werde. Vielmehr spare der Raucher in anderer Bereichen.

Nur durch Aufklärung könne das Gesellschaftsproblem Übergewicht bekämpft werden. "Die Leute müssen befähigt werden, sich gesund zu ernähren", erklärt Widowitsch die Arbeit von PGA. Dass die Österreicher diese Fähigkeit derzeit noch nicht besitzen, beweist einmal mehr der aktuelle Ernährungsbericht des Gesundheitsministeriums. 35 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen leiden an Übergewicht. Jeweils sechs Prozent der Geschlechter seien sogar fettsüchtig (adipös). Bereits 40.000 Kinder sollen in Österreich an Adipositas erkrankt sein.

Ärztekammer: Kaloriensteuer abgelehnt

Chips und Schokolade künftig mit einer Kaloriensteuer zu belegen, wird auch von der österreichischen Ärztekammer abgelehnt. "Wir leben in einer freien Gesellschaft, in der mit Vernunft auch noch etwas zu erreichen sein muss", ist Ärztekammerpräsident Reiner Brettenthaler überzeugt. Den Erfolg versprechenderen Weg, die "beinahe schon Volkskrankheit Adipositas" zu kurieren, sieht auch er in der Aufklärungsarbeit.

Die Ärztekammer arbeite deshalb bereits seit Längerem daran, die Aufgaben der Schulmediziner neu zu definieren. Anstelle "der jährlichen Reihenuntersuchungen, die nur wenig bringen", sollten die Mediziner lieber verstärkt beratend tätig werden. Doch bisher habe, so Brettenthaler, die Kammer mit ihrem Vorschlag bei der Politik kein Gehör gefunden.

ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hatte am Wochenende zumindest angekündigt, anstelle einer neuen Fett-Steuer lieber auf Prävention setzen zu wollen. (Kerstin Scheller/DER STANDARD-Printausgabe, 15.05.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wie ungesund die knusprige Fettkruste der Stelze ist, kann keine Steuer erklären.

Share if you care.