Traumehe in Trümmern: DaimlerChrysler 1998–2007

26. Juli 2007, 14:40
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Die "Ehe" zwischen Daimler und Chrysler hielt neun Jahre, die transatlantische Welt-AG ist nun am Ende

Die Ehe zwischen Daimler und Chrysler hielt neun Jahre. Geschlossen wurde sie am 7. Mai 1998, als Daimler-Benz und Chrysler zum weltumspannenden Automobilkonzern fusionierten. Die transatlantische Fusion war in knapp vier Monaten von Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp (O-Ton: "Hochzeit im Himmel") und Chrysler-Boss Robert Eaton zustande gebracht worden. Neun Jahre später: das Aus.

Der erneute Rutsch von Chrysler in die roten Zahlen und düstere Aussichten für den US-Markt veranlassten Vorstand und Aufsichtsrat von DaimlerChrysler im Frühjahr 2007, den Weg für eine Trennung von Daimler und Chrysler freizumachen.

Stationen eines Zusammenlebens

Wenige Monate nach der Fusion (im Oktober 1998) erfolgt der Verkaufsstart des Zweisitzers Smart. Die folgenden Jahre sind von Akquisitionen geprägt: Im März 2000 steigt DaimlerChrysler beim japanischen Autohersteller Mitsubishi ein, im Juni erwirbt man zehn Prozent der Hyundai Motor Company.

Im Oktober 2000 gibt es die erste Krise: Die US-Sparte schreibt im dritten Quartal ein Minus von 600 Mio. Euro. Ein Führungswechsel soll die Probleme lösen – Nutzfahrzeugvorstand Dieter Zetsche löst James Holden ab.

Im April 2001 werfen Aktionäre der Konzernführung mit Blick auf die Dauerprobleme ein Scheitern der Vision von der "Welt-AG" vor. Zuvor bringt der US-Milliardär Kirk Kerkorian eine Klage über neun Mrd. Dollar (6,67 Mrd. Euro) ein. Der damals drittgrößte Einzelaktionär wirft Schrempp darin vor, die Aktionäre in Bezug auf eine Fusion unter Gleichen belogen zu haben. Die Klage wird abgewiesen.

Im April 2004 lässt DaimlerChrysler seinen verschuldeten Partner Mitsubishi fallen, es folgt ein Sparpaket im Ausmaß von jährlich 500 Mio. Euro. Im Februar 2005 wird die Mercedes-Gruppe nach einem starken Gewinneinbruch Sorgenkind bei DaimlerChrysler.

Im Juli 2005 kündigt Schrempp den Rücktritt zum Jahresende an. Nachfolger wird Zetsche. Im November steigt man endgültig bei Mitsubishi aus, nach einem Stellenabbau wird im März 2006 die Produktion des viersitzigen Smart gestoppt.

Im Februar 2007 vermeldet Chrysler für 2006 einen Verlust von 1,1 Mrd. Euro. Eine Trennung wird nicht mehr ausgeschlossen. Am 14. Mai ist dies fix. (APA, Reuters, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.05.2007)

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    Chrysler stand stets im Schatten des Mercedes-Sterns.

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