"Auf Abstiegskampf keine Lust"

20. Juli 2007, 16:40
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Paul Scharner fühlt sich nach der Rettung von Wigan Athletic bereit "für höhere Aufgaben wie die Champions Lea­gue" - ein Interview

Wien - Der Österreicher Paul Scharner war am Sonntag einer der Helden des Fußball-Krimis zwischen Sheffield United und Wigan Athletic. Der 27-jährige Wigan-Legionär erzielte beim 2:1-Auswärtserfolg, der den Klassenerhalt sicherte, das frühe 1:0 (14.). Nach einer langen Verletzungspause im Winter gab es für Scharner also einen nahezu perfekten Saisonabschluss.

Im Gespräch warf der Niederösterreicher noch einen Blick auf die zurückliegende Saison und erklärte seine nächsten sportlichen Ziele. Das Nationalteam ist zwar nach wie vor ein Tabu-Thema, für höhere Aufgaben wie etwa die Champions League fühlt sich der selbstbewusste Defensivmann aber durchaus bereit.

Wie waren die Feierlichkeiten nach dem fixierten Klassenerhalt?

"Zum Feiern habe ich leider keine Zeit gehabt. Ich habe meine Eltern vom Flughafen abholen müssen, weil sie mir in den nächsten Tagen beim Umbau meines Hauses helfen. Später am Abend habe ich aber noch ein paar Bier getrunken."

Ist die Ablöse von Paul Jewell für Sie überraschend gekommen?

"Einerseits schon, andererseits hat es schon im Frühjahr während unserer sehr schwachen Phase rumort."


Scharner trifft gegen Sheffield zum 1:0

Wird sich unter Chris Hutchings die Spielphilosophie von Wigan ändern?

"Na hoffentlich (lacht)! Sonst spielen wir nächstes Jahr wieder bis zur letzten Runde gegen den Abstieg. Nein, im Ernst: Mit Hau-Ruck-Fußball, wie wir ihn heuer teilweise gespielt haben, zeigt der Weg klar Richtung Abstiegszone."

Schildern Sie das 1:0 und den weiteren Spielverlauf.

"Die ersten 30 Minuten haben wir die Partie voll im Griff gehabt. Das 1:0 war ein flacher Crossball vom Kevin Kilbane und ich habe ihn optimal getroffen. Ein super Gefühl, vor allem bei ca. 2.500 mitgereisten Wigan-Fans. Wir haben gewusst, dass wir gewinnen müssen. In der zweiten Hälfte war es dann nur noch Krieg und ein absoluter Thriller. Nach Gelb-Rot gegen McCulloch in der 75. Minute stand es auf Messers Schneide, nach dem Schlusspfiff sind dann alle Dämme gebrochen."

Wie sieht die sportliche Zukunft von Paul Scharner aus?

"Ich habe Vertrag bis Sommer 2009 und sage: 'Vertrag ist Vertrag'. Aber wer weiß, was sich im Sommer so tut. Auf ein weiteres Jahr Niemandsland und Abstiegskampf habe ich eigentlich keine Lust. Ich fühlen mich bereit und reif für höhere Aufgaben wie die Champions League oder den UEFA-Cup."

Wie geht es dem lange Zeit verletzten Knie?

"Bestens. Für mich hat diese Verletzung sogar viel Positives gebracht. Ich habe nach einigen Jahren voller Belastung einmal ein paar Monate Auszeit gehabt und jetzt viel mehr Ruhe in mir. Mein Körper hat dem extrem körperbetonten und schnellen Fußball in England Tribut zollen müssen. Jetzt fühle ich mich fitter als je zuvor. Diese Verletzung war für meine weitere Karriere absolut wichtig."

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Mentalbetreuer und Berater Valentin Hobel, der ja in Altach engagiert ist?

"Wir telefonieren regelmäßig und alle vier Wochen kommt er nach England. Dann besprechen wir den Plan für die nächsten Wochen."

Was waren die persönlichen Highlights in der vergangenen Saison?

"Mein erster Doppelpack im Profi-Fußball im Auswärtsspiel gegen Everton und natürlich das Tor gestern gegen Sheffield."

Abgesehen vom Umbau des Hauses, wie sehen Ihre Urlaubspläne aus?

"Bis zum 1. Juni bleibe ich in England. Dann bin ich zwei Wochen in Österreich, will mich in dieser Zeit in den Bereichen Grundausdauer und Schnelligkeit gezielt verbessern. Und dann verbringe ich noch eine Woche in Kroatien." (APA)

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    "Wer weiß, was sich im Sommer so tut"

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