Jugendrotkreuz schnürt Maßnahmenpaket

26. Juli 2007, 13:38
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Generalsekretär Zarhuber: Exzessives "Saufen" habe es "immer schon gegeben", Verschärfung jedoch klar erkennbar - Grüne fordern Werbeverbot

Wien - Das Thema "Komatrinken", also exzessiver Alkoholkonsum von Jugendlichen, bewegt nach wie vor die Öffentlichkeit. "Es muss rasch etwas geschehen", forderte der Generalsekretär des Österreichischen Jugendrotkreuzes, Karl Zarhuber. Man habe deshalb ein Maßnahmenpaket geschnürt, in dem Prävention und Hilfe verpackt ist.

Verschärfte Situation

"An und für sich betrifft dieses Phänomen nur eine kleine Gruppe von Jugendlichen. Hauptsächlich entsteht das Problem in der Vorbildwirkung durch Erwachsene", betonte Zarhuber. Dass sich Jugendliche "niedersaufen", habe es "immer schon gegeben", so der Generalsekretär. "Es hat aber eher als Erfahrung gedient, die meisten haben danach gesagt: 'Nein, danke, nie wieder.'"

Heute sei jedoch eine Verschärfung der Situation deutlich erkennbar. Eine neue, Besorgnis erregende Entwicklung sei, dass sich Jugendliche gezielt mit Alkohol eindecken. Dazu komme auch, dass die Schwerbetrunkenen immer jüngeren Alters sind, also die Hemmschwelle stetig sinke.

Gefährliche Mischung

"Durch die große Informationsflut hat das eine ganz neue Qualität bekommen. Außerdem geht es darum, der Realität zu entfliehen, die Kontrolle zu verlieren", erklärte Zarhuber im APA-Gespräch. Gemeinsam mit der Tatsache, dass der Zugang zu Alkoholika immer leichter werde, ergebe das eine gesellschaftlich durchaus explosive Mischung.

Hotline für Jugendliche

Das Jugendrotkreuz bietet nun ihre Jugendhotline "time 4 friends" unter der kostenlosen Rufnummer 0800-664530 zur Verfügung, die den betroffenen Jugendlichen mit Rat und Hilfsangeboten zur Seite steht. Zarhuber: "Wir haben in fast jeder Schule einen Schulreferenten des Jugendrotkreuzes, den Betroffene ins Vertrauen ziehen können. Als Unterstützung für Lehrer und Schulen gibt es die GIVE Servicestelle für Gesundheitsbildung. Von einer Verschärfung der Gesetze hält Zarhuber allerdings nichts. Er rief viel mehr dazu auf, die bestehenden Bestimmungen entsprechend umzusetzen.

Werbeverbot und Strafen für Erwachsene

Ein Werbeverbot für alkoholische Getränke forderten hingegen die Grünen. "Solange im Zusammenhang mit Alkopops und ähnlichen speziell für eine jugendliche Klientel designten hochprozentigen Getränken verharmlosend von 'Softalkohol' gesprochen wird, kann von keinem seriösen Herangehen an das Thema die Rede sein", erklärte Jugendsprecherin Barbara Zwerschitz.

Das Werbeverbot soll insbesondere bei Sport-Events und Musikfestivals, die sich vorwiegend an ein jugendliches Publikum richten, zum Einsatz kommen. "Es ist notwendig, den über weite Strecken unverantwortlichen Werbestrategien internationaler Getränkekonzerne einen Riegel vorzuschieben", so Zwerschitz.

Als "flankierende Maßnahmen" plädierten die Grünen auch für die harte Bestrafung von Erwachsenen, die alkoholische Getränke für Jugendliche besorgen, sowie von Wirten, die Alkohol an Jugendliche ausschenken. Auch eine Vereinheitlichung des Jugendschutzgesetzes sei längst überfällig. (APA/red)

Jugendhotline: "time 4 friends": Tel. 0800-664530
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