Gefährliche Gewichtsschwankungen

26. Juli 2007, 13:41
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Übergewicht ist schlecht für die Galle, Crash-Diäten auch, gesunde Ernährung die beste Prophylaxe

Übergewicht ist ein weit verbreiteter Risikofaktor für Gallensteinleiden. Erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Gallensalze kristallieren und dadurch Steine entstehen. Aber auch Radikaldiäten und Gewichtsschwankungen, der oft zitierte Jo-Jo-Effekt, erhöhen das Risiko.

Internationale Studien belegen das Dilemma: Amerikanische Wissenschafter werteten, so die Zeitschrift "Archives of Internal Medicine", die Daten von rund 25.000 Männern auf den Zusammenhang von Gewichtsverschiebungen und Gallensteinleiden aus.

Countdown

Das Risiko, Gallensteine zu bekommen, stieg bei Männern mit Gewichtsschwankungen unter fünf Kilo um 21 Prozent, bis zehn Kilo um 38 Prozent und ab zehn Kilo um 76 Prozent. Zu ähnlichen Ergebnissen kam die bislang größte epidemiologische Studie an 90.000 Frauen. Frauen, die im Verlauf von zwei Jahren über vier Kilogramm abnahmen, hatten ein um 44 Prozent erhöhtes Risiko, Symptome zu entwickeln, bei einer Gewichtsabnahme von mehr als zehn Kilogramm nahm das Risiko um 94 Prozent zu. Bei Frauen ist das Gallenstein-Risiko generell zwei- bis dreimal so hoch wie bei Männern, als Ursache gelten hohe Östrogenwerte.

Was ist nun Menschen zu raten, die aus gesundheitlichen Überlegungen abnehmen müssen?

Ballaststoffe

Die Gewichtsabnahme müsse langsam erfolgen, empfiehlt Gastroenterologe Frank Lammert vom Universitätsklinikum in Bonn: "Die Diät muss nicht speziell fettarm sein, aber ballaststoffreich." Extrem fettarme Diäten sind kontraproduktiv, sie vermindern die Gallenblasenkontraktionen.

Wichtig sei, nicht mehr als einen Kilo pro Woche abzunehmen, vermeiden sollte man auch den häufigen Wechsel von Diäten und Gewichtszunahme. Der Grund für die Negativauswirkungen von Diäten ist die Übersättigung der Galle mit Cholesterin. Es kommt zur Reduktion der Gallenblasenkontraktionen. Die resultierende Trägheit fördert die Steinbildung.

Kaffee tut gut

Bei Diäten werden kleinere Mahlzeiten alle paar Stunden empfohlen. Als sinnvolle Methode zur Gewichtsreduktion bezeichnet Lammert regelmäßigen, leichten Sport. Zwei bis drei Stunden Laufen oder Rad fahren senken das Gallensteinrisiko um 20 bis 40 Prozent, ergab eine Studie an unter 65-jährigen Männern.

Wer es mit der Galle hat, darf nichts Fettes essen, hieß es lange. Kaffee und Alkohol müssten gestrichen werden. Stimmt nicht, sagt die moderne Medizin. Kaffeegenuss soll sogar prophylaktisch wirken. Vier Tassen täglich senke die Wahrscheinlichkeit, Gallensteine zu bekommen um 25 Prozent, wurde beim Kongress "Experimental Biology 2007" in Washington D.C. berichtet. Mäßiger Alkoholgenuss schadet nicht und gilt wie Kaffee als gute Vorbeugung von Gallensteine.

Prophylaktische Wirkung wird auch Vitamin C zugeschrieben. Große Studien dazu fehlen aber noch. Allgemein anerkannt ist jedoch die Empfehlung, sich drei- bis fünfmal am Tag ballaststoffreich, fett- und cholesterinarm zu ernähren und ungesättigte Fettsäuren zu bevorzugen. Wer eine Gallenblasen-Operation hinter sich hat, muss nicht auf Genuss verzichten. Nach der Operation muss maximal zwei Wochen fettarme Diät eingehalten werden, dann darf wieder alles - in Maßen - gegessen werden. (DER STANDARD, Printausgabe, jub, 14.5.2007)

Abnehmen - zunehmen - abnehmen: Jo-Jo-Effekt ist der Fachbegriff für einen Teufelskreis, der "auf die Galle geht".

  • Abnehmen - zunehmen - abnehmen: Jo-Jo-Effekt ist der Fachbegriff für einen Teufelskreis, der "auf die Galle geht".
    foto: standard

    Abnehmen - zunehmen - abnehmen: Jo-Jo-Effekt ist der Fachbegriff für einen Teufelskreis, der "auf die Galle geht".

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