Ärztliche Unfehlbarkeit

22. Juni 2007, 14:37
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Ein Patient stirbt noch im Vorspann des ZDF-Films "Kunstfehler" - Ein schönes Schaustück über die Verantwortung der Ärzte

Ehebruch, eine Schlägerei, der Liebhaber wird vom Gatten die Stiege hinuntergeworfen und liegt kurz darauf hinter Türen mit der Aufschrift "OP-Bereich. Kein Zugang". Der Milzriss-Routine-Operation steht Chefarzt Dr. Blessing (Günther Maria Halmer) vor. Unempfänglich für Kritik ignoriert er die Blutung, auf die Kollegin Jutta Lambertz (Sophie von Kessel) aufmerksam macht.

Der Patient stirbt noch im Vorspann des ZDF-Montagsfernsehfilms "Kunstfehler" (20.15 Uhr). Im Rest des Films kämpfen Blessing und Lambertz um die Zeugenaussagen weiterer wissender Ärzte, ein Krieg ausgetragen mit Intrigen auf der einen, mit Pochen auf Gerechtigkeitssinn auf der anderen Seite. Der hartnäckige Anwalt Dirk Assmann (Hans-Jochen Wagner) muss erfahren, dass Vorgänge hinter OP-Türen tatsächlich schwer zugänglich sind: Der gute Ruf, die eigene Position scheinen wichtiger als der Unschuldsbeweis für den angeklagten betrogenen Ehemann.

In reduzierter Inszenierung und kühlem Licht messen sich Gewissen und Ignoranz, Verantwortungsbewusstsein und Karrieredenken. Der Glaubwürdigkeit wegen darf der Kampf nicht in makellosem Happyend münden, der Unterhaltung und der Hoffnung wegen dürfen die Anständigen nicht vollkommen erfolglos bleiben.

Ein schönes, inszenatorisch und schauspielerisch routiniert und unaufgeregt umgesetztes Schaustück über die Verantwortung der Ärzte, ungeeignet nur für Menschen, denen in nächster Zeit eine Operation ins Haus steht. (pum/DER STANDARD; Printausgabe, 14.5.2007)

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    foto: zdf/susan reynolds skelton
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