"Die Optik ist saublöd"

18. Oktober 2007, 11:51
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Hoch qualifizierte Frauen wurden bei der Bestellung der Rektoren übergangen - das Verfahren soll geändert werden, sagt Minister Johannes Hahn im STANDARD-Interview

Als Minister seien ihm bei Rektorenbestellungen die Hände gebunden, sagt Wissenschaftsminister Johannes Hahn - auch wenn er sich wünscht, dass Frauen künftig bei Bestellungen zum Zug kommen, so der Minister im Standard-Interview mit Conrad Seidl

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Standard: Herr Bundesminister, bei den jüngsten Bestellungen von Rektoren gab es Bewerbungen von hoch qualifizierten Frauen - zum Zug gekommen sind sie allerdings nicht. Warum können Frauen keine Spitzenkarriere an Unis machen, was läuft da falsch?

Hahn: : Ich gebe zu: Die Optik ist saublöd, weil dreimal Frauen nicht zum Zug gekommen sind. Aber dazu muss man auch die Rechtslage kennen: Da erstellt der Senat, der sich aus Universitätsangehörigen zusammensetzt, einen Dreiervorschlag. Und aus diesem Dreiervorschlag, der eine Reihung vorsehen kann oder auch nicht, hat dann der Uni-Rat, der auch mit externen Vertretern besetzt ist, jemanden zu wählen. Aber nur unter denen, die vorgeschlagen sind. Wenn dem Uni-Rat der Vorschlag nicht passt, kann er den zurückschmeißen, dann muss der Senat einen neuen erstellen.

Standard: Wie jetzt an der Boku?

Hahn: : So ist es. Wir hatten bei den drei Fällen, wo Frauen nicht zum Zug gekommen sind, unterschiedliche Situationen: Am Schillerplatz, an der Kunsthochschule, hat der Senat einen Vorschlag gemacht, wo eine Frau Nummer eins war - und der Uni-Rat hat den bestehenden Rektor weiter verlängert.

In Krems hat der Senat zwei Männer und eine Frau vorgeschlagen, nämlich Gudrun Biffl, worauf der Uni-Rat einen dieser Männer gewählt hat. Die Frau, die vielen als am geeignetsten erschienen wäre, Ada Pellert, die bereits Vizerektorin ist, und eine ausgewiesene Expertin in der Aus- und Weiterbildung, was die Kernaufgabe der Donau-Universität ist, war gar nicht auf dem Vorschlag des Senats.

Und auf der Boku gab es einen Dreiervorschlag, wo eine Frau drauf war und der amtierende Rektor gar nicht - da hat der Uni-Rat den ganzen Vorschlag zurückgegeben.

Standard: Ein Rektor soll aber doch auch abgelöst werden können, das ist doch der Sinn des Bestellungsverfahrens?

Hahn: : Es steht halt jetzt zum ersten Mal seit der Autonomie der Universitäten eine mögliche Wiederbestellung von Rektoren an. Und da hat es halt in der Vergangenheit einige Rektoren gegeben, die im Rahmen der ihnen eingeräumten Autonomie relativ forsch unterwegs waren und damit nicht nur Zuspruch bei ihren Kollegen und Mitarbeitern gefunden haben. Und daher sind sie von deren Vertretung im Senat nicht wieder nominiert worden. Auch in Innsbruck war das der Fall.

Standard: Möglicherweise passt der Bestellungsmodus insgesamt nicht. Sollte man das nicht grundsätzlich überdenken?

Hahn: : Wir haben ohnedies im Regierungsübereinkommen festgelegt, dass das Universitätsgesetz 2002 einer Evaluierung zu unterziehen ist. Das war damals ein Jahrhundertwerk, in dem eine Autonomie begründet wurde, die für kontinentaleuropäische Verhältnisse einzigartig ist. Das wird jetzt in halb Europa versucht zu kopieren. Wie immer bei solchen gravierenden Änderungen gibt es die eine oder andere Sache nachzuschärfen - und die Rektorenbestellung wird sicher ein Thema sein.

Standard: In welche Richtung?

Hahn: : Es ist rechtlich umstritten, aber es könnte sein, dass der amtierende Rektor automatisch oder als Ergänzung auf den Dreier- beziehungsweise dann Vierervorschlag käme. Die Frauenthematik ist davon aber getrennt zu sehen. In Krems wird das möglicherweise ein Fall für die Gleichbehandlungskommission.

Standard: Die prüft, ob der Vorschlag zulässig war?

Hahn: : Ja. Natürlich würde ich mir wünschen, was ja auch der Präsenz von Frauen in den Unis entspricht, dass Frauen Rektorinnen werden - aber da kann ich nur appellieren. Denn mir sind durch die Autonomie die Hände gebunden. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.05.2007)

  • Wissenschaftsminister Gio Hahn im Interview
    foto:standard/cremer

    Wissenschaftsminister Gio Hahn im Interview

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