Gerüchte um Deripaska-Einstieg auch bei Lotterien

22. Juni 2007, 12:22
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Russe könnte BAWAG-Anteil übernehmen - Casinos-General Stoss: Habe Deripaska noch nie getroffen - Stoss im "Kurier": Glücksspielmonopol hält noch 20 Jahre

Wien - Dem russischen Milliardär Oleg Deripaska wird nach dem Einstieg beim Baukonzern Strabag und beim Autozulieferer Magna auch ein Interesse am Lotterien-Anteil der BAWAG P.S.K. nachgesagt, berichtet die Tageszeitung "Die Presse". Casinos-Austria-Chef Karl Stoss dementiert jedoch entsprechende Verhandlungen.

Gerüchten zufolge gebe es Gespräche über den Verkauf des Lotterien-Anteils, den derzeit noch die BAWAG hält, an Deripaska, so die Zeitung. Da in einen "Gemischtwarenladen", wie ihn Deripaska mit seinem Konzern "Basic Element" hält, ziemlich viel Verschiedenes hinein passt, könnte auch ein Lotterien-Anteil passen. Zumal zum Reich von Magna-Gründer Frank Stronach auch eine Entertainment-Sparte gehört, die einen Pferdewetten-Kanal und das "Racino" in Oberwaltersdorf betreibt.

"Gute Kontakte"

Casinos-Austria-Boss Karl Stoss allerdings weiß von keinen Verhandlungen. Die Casinos, denen die Lotterien mehrheitlich gehören, haben ein Vorkaufsrecht auf den BAWAG-Anteil. "Ich habe Deripaska noch nie getroffen", sagt Stoss gegenüber der "Presse". Er sei allerdings selbst in letzter Zeit öfter in Moskau gewesen. "Ich habe zum einen sehr gute Kontakte aus meiner Zeit als Generali-Chef. Zum anderen haben die Russen konkret angefragt, ob wir sie beim Aufbau einer Online-Lotterie beraten." Das entsprechende Gesetz sei noch nicht beschlossen. Wenn es möglich wird, könnten sich die Casinos auch an der russischen Lotterie mit fünf Prozent beteiligen.

Zum Verkauf stehen 34 Prozent Anteile aus dem Eigentum der BAWAG. Der Wert des Pakets wird auf bis zu 200 Mio. Euro geschätzt. Eine wichtige Voraussetzung für den Verkauf aller BAWAG-Beteiligungen ist der offizielle Abschluss des Verkaufs der einstigen Gewerkschaftsbank an den US-Fonds Cerberus. Dieses Closing soll Mitte kommender Woche stattfinden.

Möglicherweise laufen aber die Fäden hinter den Kulissen in einer anderen Hand zusammen, schreibt die "Presse": Zu den Großaktionären der Casinos Austria gehört der Raiffeisen Konzern. Auch die Strabag gehört zum Raiffeisen-Imperium. Der starke Mann bei Raiffeisen, Generalanwalt Christian Konrad, habe beim Einstieg Deripaskas bei der Strabag eine Schlüsselrolle gespielt. Doch auch die gemeinsame Fußball-Leidenschaft von Magna-Boss Frank Stronach und Deripaska könnte ein verbindendes Element sein.

Zum BAWAG-Anteil meint Casinos-Chef Stoss in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier" (Samstagsausgabe): "Meine Vermutung ist, dass Cerberus den Anteil behalten will. Bisher hat niemand bei uns angefragt. Die Lotterien sind ein sehr rentierlicher Betrieb und kein Sorgenkind der BAWAG." Zuversichtlich gibt sich Stoss betreffend des Glücksspielmonopols: "Ich glaube, dass das Monopol in der EU die nächsten 20 Jahre hält." (APA)

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    foto: standard/hendrich
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