Porträt: Schwarzweiße Stehaufmänner

5. Juli 2007, 15:56
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Der erste Nichtwiener Meister überlebte mehrere existenzielle Krisen - Aufstieg punktuell geplant - Vastic als spielerisches Um und Auf

Linz - 1965 hatte sich der Linzer Athletik Sport Klub als erster Nicht-Wiener Verein zum österreichischen Fußball-Meister gemacht. Zuletzt war der Traditionsklub allerdings sechs Jahre in der Zweitklassigkeit verschwunden. Am Freitag meldete sich der LASK, der österreichweit als einer der Vereine mit dem größten Fan- und Zuschauerpotenzial gilt, endgültig im Oberhaus zurück, steht nach dem 1:1 in Leoben als Aufsteiger in die Bundesliga fest.

"Das ist der Lohn für jahrelange Aufbauarbeit", erklärte LASK-Präsident Peter-Michael Reichel. Der Unternehmer hatte den Klub im Jahr 2000 nach der Pleite der Rieger-Bank, die auch den LASK in arge Bedrängnis gebracht hatte, mit dem Auftrag der finanziellen Konsolidierung übernommen. "Damals war der LASK ein schwerer Sanierungsfall", erinnerte Reichel. Heute steht der souveräne Meister der Red Zac Erste Liga sportlich wie wirtschaftlich auf gesunden Beinen.

Dafür garantiert ein Konsortium, das sich aus sechs größeren Geldgebern zusammensetzt. Im Gegensatz zu anderen Vereinen sind die Schwarz-Weißen damit nicht von der Gunst einzelner Hauptsponsoren abhängig. "Wir stehen auf einer breiten Basis. Der LASK ist ein gesunder Klub", versicherte Reichel. Das war nicht immer so: 1995 war der Klub in Konkurs gegangen, ein 20-prozentiger Zwangsausgleich sicherte das Überleben. 1997 folgte die Fusion mit dem Stadtrivalen FC Linz.

Der Abstieg in die Zweitklassigkeit war nach dem Rieger-Finanzdebakel 2001 nicht mehr zu verhindern. Es folgte eine mehrjährige Konsolidierungsphase, die ihren entscheidenden Moment höchstwahrscheinlich im Mai 2003 erlebt hat. Damals hatte der LASK in dritter und letzter Instanz vom Ständigen Neutralen Schiedsgericht gerade noch die Lizenz für die Erste Liga erhalten. Eine Nicht-Erteilung hätte die Linzer wohl erneut vor eine existenzielle Krise gestellt.

Der 1908 als Linzer Sport-Klub (LSK) gegründete Verein, der 1965 das Double gewann gilt laut verschiedener Studien als eine der wichtigsten "Marken" im heimischen Fußball. Dazu kommt ein Stadion, das bis zu 20.000 Menschen Platz bietet. Echten Heimvorteil bringt die Leichtathletik-Arena auf Grund der Laufbahn zwar nicht, die Stadt Linz plant aber seit längerem einen Um- bzw. Neubau. Mehr als 50 Millionen Euro sollen dafür locker gemacht werden.

Vastic bleibt das Zentrum

Der LASK selbst investiert vorerst in die Mannschaft. Für die kommende Saison soll laut Reichel zumindest auf jeder Position - also im Tor, in Verteidigung, Mittelfeld und Angriff - je eine neuer Spieler mit Bundesliga-Format verpflichtet werden. Zentrale Figur im Spiel des Aufsteigers, der seit Sommer des Vorjahres und auch weiterhin von Trainer Karl Daxbacher betreut wird, dürfte dennoch Ivica Vastic bleiben.

Der 37-jährige Ex-Nationalspieler, der den LASK schon in der vergangenen Saison mit 19 Toren beinahe ins Oberhaus geschossen hätte (zwei Punkte fehlten am Ende auf Altach), ist auch in der aktuellen Spielzeit Führender der Schützenliste. "Ohne Vastic wäre der LASK nur die Hälfte wert", meinte Herbert Prohaska.

Der Spielmacher selbst, der 2005 überraschend von der Austria nach Linz gewechselt war, gab sich dagegen in der für ihn so typisch bescheidenen Art: "Ich bin immer nur so gut wie die Mannschaft." Und beim LASK scheint sie derzeit gut genug zu sein - gut genug zumindest für die Rückkehr in die Bundesliga, die seit Jahren genau für diese Saison 2006/2007 geplant gewesen war. Eine Punktlandung. (APA/red)

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LASK Linz

Gegründet: 1908 als Linzer Sport-Klub (LSK) - seit 1919 Linzer
Athletik Sport Klub (LASK); 1997 Fusion mit FC Linz zum LASK Linz

Vereinsfarben: Schwarz-Weiß
Stadion: Stadion der Stadt Linz (Gesamtkapazität 20.104 Plätze -
davon 16.107 Stehplätze, 3.413 Sitzplätze, 584 VIP- und Presseplätze)

Homepage: www.lask.at

Präsident: Peter-Michael Reichel (seit 2000)
Trainer: Karl Daxbacher (seit Mai 2006)
Bekannteste Spieler: Ivica Vastic (AUT/37 Jahre), Anton Ehmann
(AUT/34), Jürgen Panis (AUT/32), Matthias Dollinger (AUT/27), Charles Amoah (GHA/32)

Größte Erfolge:

Österreichischer Meister 1965
Österreichischer Cupsieger 1965
Österreichischer Amateur-Staatsmeister 1931
Meister der zweithöchsten Spielklasse 1958, 1979, 1994 und 2007
Achtmal UEFA-Cup-Teilnehmer

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