Rechenübungen für die kommende Herbstlohnrunde

2. Juli 2007, 13:57
posten

Die Industrie kann sich als Maßzahl für Erfolgsprämien nicht nur das Ebit vorstellen, sondern auch den Rohertrag

Wien - Bis zur Herbstlohnrunde der Metaller und Industrieangestellten ist es zwar noch weit, die Arbeitgeber warnen die Gewerkschafter aber bereits vor Euphorie. Auch der Metallerabschluss in Deutschland sei kein Grund für Übermut, mahnt Wolfgang Welser, Spartenobmann Industrie in der Wirtschaftskammer.

Denn die in Baden-Württemberg fixierte Erhöhung um 4,1 Prozent bestehe teils aus Einmalzahlungen, laufe 19 Monate, betreffe nur die Tariflöhne und entspreche - umgerechnet auf ein Jahr - einer Anhebung um rund 2,6 Prozent.

Als Vorbild empfiehlt Welser schon eher die heimische Elektro- und Elektronikindustrie, die vor einer Woche wohl mit 2,7 Prozent plus für KV- und Ist-Löhne abgeschlossen hat, in der via Verteiloption aber 0,2 Prozent der Lohnsumme betriebsintern als Einmalzahlung an Leistungsträger verteilt werden können und wirke daher nicht dauerhaft lohntreibend. Kapitalisiert auf drei Jahre entsprächen diese 0,2 Prozent etwa 8,4 Prozent eines Monatsentgelts, rechnete Welser bei einer Tagung der Wirtschaftskammer in Baden vor. Betriebe, die keine Betriebsrat haben, ersparen sich die 0,2 Prozent übrigens nicht: "Wer keinen Betriebsrat hat, zahlt die 2,7 Prozent Ist-Erhöhung."

Bei der Metallerherbstlohnrunde 2006 haben sich die 100 Euro Einmalzahlung übrigens 29 Betriebe erspart. Ihr Geschäftsgang war so schlecht, dass sie, wie im KV vereinbart, nach Offenlegung der Zahlen befreit wurden. 14 Firmen blitzten bei dem Versuch ab.

Der Rohertrag als Messlatte sei aber kein Stein der Weisen. Im Gegenteil, er sei ein Diskussionsbeitrag. Ein anderer wäre die Ebit-Marge. Wenn diese fünf Prozent überschreite, könnten 0,5 bis ein Prozent der Lohnsumme unter den Arbeitnehmern verteilt werden. Ob der Rohertrag von den Arbeitnehmern goutiert wird, bleibt abzuwarten. Denn bei dieser rein auf die österreichische Wertschöpfung abgestellten Analysemethode wird die Fremdleistung aus dem Ausland in Abzug gebracht, was die gemeinsam mit dem Ostgeschäft erreichten und erfolgreichen "Mischsätze" der Österreicher torpediert. Er sei aber gerechter, meint der Chef von Welser Profile in Ybbsitz in Niederösterreich. Denn viele Unternehmen erwirtschafteten einen Teil ihrer Gewinne im Ausland.

An erfolgsabhängigen Mitarbeiterbeteiligungen führe kein Weg vorbei, betont Welser, der von Kapitalbeteiligungen nichts hält, weil damit auch Risiko auf die Arbeitnehmer überwälzt werde. Man brauche aber mehr Flexibilität beim Lohn, nicht nur bei der Arbeitszeit, weil es trotz besserer Konjunktur nicht automatisch allen Betrieben besser gehe. Eine andere Idee wäre, einen gewissen Teil des Ebit in eine Stiftung zu geben und als Pensionsvorsorge anzulegen. Ohne Abgeltung der Teuerung und eines Teils des Produktivitätzuwachses im Basisabschluss werde es aber sicher nicht gehen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe 12.05.2007)

Share if you care.