Ab in den Süden...

5. Juli 2007, 15:59
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Erstmals in der Geschichte der österreichischen Bundesliga wechselt ein Verein seinen Standort. Der FC Pasching geht durch die Übersiedlung nach Klagenfurt auch dem in Oberösterreich viel populäreren Aufsteiger LASK aus dem Weg

Pasching - Im Endeffekt war alles in kaum einer Stunde erledigt. Sentimentalitäten kamen keine auf im Festsaal des Paschingerhofs, nachdem 66 der 70 anwesenden Mitglieder des FC Superfund Pasching am Donnerstag für den Umzug des Vereins nach Kärnten votiert hatten. Eigentlich ging es ja nur um die Änderung eines Satzes im Vereinsstatut. Das Ergebnis mit Gültigkeit 1. Juni: "Der Sitz des Vereins ist in Klagenfurt."

Die vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider geborene Idee, den gerne als Dorfklub titulierten Verein aus der oberösterreichischen 6000-Einwohner-Gemeinde vor Linzens Toren in die Kärntner Landeshauptstadt zu verpflanzen, war schon gereift, ehe öffentlich bekannt wurde, dass Paschings Präsident Franz Grad (68) die Lizenz für die österreichische Bundesliga zur Verfügung stellen will. Der Spediteur, der dem Verein seit 1993 vorsteht, gab als Grund an, von den Vorgängen in der Bundesliga, namentlich den Konkursen der Grazer Klubs, angewidert zu sein. Tatsächlich sah Grad für seinen Klub keine Entwicklungsmöglichkeit, zumal die Gemeinde Pasching nach jahrelanger enger Zusammenarbeit mit dem Verein jüngst angekündigt hat, die Zuwendungen für den Profifußball deutlich kürzen zu wollen. Dazu kommt, dass mit dem LASK ein lokaler Konkurrent in die Liga aufsteigt, der weit populärer ist. Grads Team konnte selbst in den besten Zeiten und ohne LASK im Nacken nur wenige Zuseher ins Waldstadion locken.

Der Umzug nach Klagenfurt, wo ein 30.000 Zuseher fassendes Stadion für die EURO 2008 im Fertigwerden und Sehnsucht nach Spitzenfußball im österreichischen Maßstab vorhanden ist, war leichter zu bewerkstelligen, als angenommen werden sollte. Grad durfte Paschings Lizenz nicht einfach verkaufen, also musste der Klub umziehen. "Das ist wie bei einer Firma, die ihren Sitz verlegt. Notwendig ist nur die Eintragung ins Handelsregister." Eine Fusion mit dem bestehenden FC Kärnten wäre auch möglich gewesen, allerdings hätte sie beispielsweise den nicht unwesentlichen Nachteil gehabt, dass die Altlasten des in der Red-Zac-Liga dahinvegetierenden Vereins quasi mitfusioniert worden wären.

Nur ein Arbeitstitel

Laut dem ehemaligen Klagenfurter Vizebürgermeister Mario Canori, der den FC Pasching, der natürlich einen neuen Namen bekommt - FC Kärnten neu ist nur ein Arbeitstitel - führen wird, erhält der bestehende FC Kärnten in zweiter Instanz die Lizenz für die zweite Leistungsstufe. Ob er die überhaupt annimmt, sei allerdings noch offen.

In Pasching wurde ein neuer Klub namens FC Superfund gegründet. Er bemüht sich um die Aufnahme in die oberösterreichische Landesliga und wird nicht zum geringsten Teil vom gleichsam großen Bruder in Klagenfurt mitfinanziert. Die Rede ist von 200.000 Euro. Mit drei Millionen Euro soll der "FC Kärnten neu", der am 1. Juni seine erste Generalversammlung erlebt, alle Rechte an den Paschinger Spielern abgelten. 15 Kicker haben Trainer Walter Schachner zugesagt, in Klagenfurt spielen zu wollen. Canori sagt, dass ein Standortwechsel kein Vertragsauflösungsgrund sei. "Aber zwingen werden wir niemanden."

Jörg Haider bezifferte das Budget des neuen Vereins am Freitag mit zunächst fünf Millionen Euro. Eine Million könne noch hinzukommen. Die Namen der Geldgeber will er erst nennen, wenn alle Verpflichtungen gegenüber Pasching erfüllt sind, "denn ich möchte alles ganz transparent haben". (stein, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 12.5. 2007)

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    Pasching-Boss Grad übergibt die Agenden an den FC Kärnten und ist überzeugt: "Es freut sich die gesamte Liga..."

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