Mit A350 aus Turbulenzen fliegen

6. Juni 2007, 15:09
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Die internen Probleme bei Airbus ziehen den Mutterkonzern EADS trotz guter Auftragslage in die Tiefe

Wien – Es ist schon länger her, dass sich hochrangige Vertreter von Airbus nach Wien bemühten. Da half wohl das derzeit Eurofighter-getrübte Verhältnis von Konzernmutter EADS dabei nach, dass Airbus in Wien für die "langfristigen Marktaussichten" und den neuen A350 (nicht zu verwechseln mit dem Riesenjumbo A380) guten Wind zu machen versuchte. Unter peinlicher Vermeidung des Kürzels EADS übrigens, die zeitgleich in Paris ihre – dank Airbus – erröteten Zahlen berichten musste. Obwohl die Auslieferungen auf Hochtouren laufen schaffte es Airbus, mit 60 Mio. Euro Verlust (im Vorjahr 684 Mio. Euro Gewinn) den Gesamtkonzern einen Verlust von 89 Mio. Euro (im Vorjahr 791 Mio. Euro Gewinn) zu bescheren. Frankogermanische interne Querelen samt mehrmaligem Führungswechsel, Schwierigkeiten mit dem Riesenbaby A380 und der schwache Dollar brachten den Hersteller in Turbulenzen.

Aber mit dem neuen A350 – der nach seiner ersten Vorstellung und negativen Reaktionen der potenziellen Kunden zurück aufs Reißbrett musste – soll alles besser werden. Die A350 ist ein Twin-Engine Langstreckenflieger, der mit einer Reichweite von 8500 nautische Meilen von Wien aus bis fast in alle Ecken der Welt fliegen könnte – bis Santiago de Chile in Südamerika, dem gesamten asiatischen Raum und sogar bis Perth im westlichen Australien.

Wesentlicher Vorteil

Gegenüber Boeings Dreamliner 787, tags zuvor mit österreichischen Zulieferern in Wien präsentiert, soll er einen wesentlichen Vorteil haben, erklärt Airbus-Manager Andrew Armistead: Die A350-Familie hat eine Kapazität von rund 250 bis rund 350 Passagiere und konkurriere damit gleich mit zwei Boeing-Modellen: Der neuen 787, die bis zu 250 Personen aufnimmt, und der größeren, aber bereits etwas betagteren Boeing 777 mit einem Fassungsvermögen bis zu 350 Passagieren.

Die fünfjährige Verspätung gegenüber der Boeing 787, die voraussichtlich Ende Juli zum Jungfernflug abheben und ab Mitte 2008 in den Einsatz kommen wird, versucht Armistead positiv zu deuten: "Unsere Technologie ist jünger, was in Hinblick auf 20-jährige Lebensdauer ein Vorteil ist." Boeing sieht dies naturgemäß anders, für sie seien eben genau diese fünf Jahre eine Chance Airbus davon zu fliegen, sagte tags zuvor Boeing-Manager Stephen Ford. Und die derzeitige Auftragslage gibt ihm Recht: Für die 787 liegen mehr als doppelte so viele fixe Bestellungen vor, in der Boeinggeschichte der beste Verkaufserfolg eines neuen Fliegers. Wie sein unmittelbarer Mitbewerber ist auch die A350 ein zu wesentlichen Teilen aus Karbonfaser gebauter Jet, was Gewicht und damit Kerosin spart, zu geringeren Emissionen führt und obendrein bei der Wartung aufgrund geringeren Materialverschleißes billiger sein soll.

Genug Raum für zwei Anbieter

Den wichtigsten Trost findet Airbus trotz des Abstands zu Boeing in seinen Marktprognosen: In den nächsten 20 Jahren würden in dieser Flugzeugklasse rund 5700 Maschinen gebraucht, also Raum genug für zwei Anbieter. In Österreich beziffert Airbus den Bedarf in dieser Zeit auf 121 Stück. Mit der AUA gebe es jedoch noch keine Verhandlungen. Verhandelt wird jedoch mit heimischen Zulieferern, sagte Armistead, ohne Namen zu nennen. Einer davon soll jedenfalls wieder FACC sein, die bereits beim A380 ein Hauptlieferant ist. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2007)

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