Andachtsjodeln im Donaudelta

von Redaktion  |  05. Mai 2008, 13:17
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    Der 54-jährige Volkssänger Hubert von Goisern über Kunst und Visionen: "Erzwingen kann man nichts!"

Hubert von Goisern im Interview über Tanz und Improvisation

Ab Juni ist der 54-jährige Volkssänger zwei Sommer lang musizierend auf einem Schiff auf der Donau unterwegs.


Wien – "Es gibt ja viele Leute, die sagen, spannender als das Spannende sei das Langweilige. Da muss ich sagen, dass mir im Zweifel das Spannende als Spannendes lieber ist!"

Hubert von Goisern könnte sich mit 54 als eines der Schwergewichte in der österreichischen Popmusik dank alpiner Welthits wie "Koa Hiatamadl" längst auf ein gemütliches Altenteil zurückziehen. Er könnte sich mit ewiggleichen Best-of-Shows dank seiner Vorreiterrolle im Bereich der alpenländischen Deutung des Rock 'n' Roll ohne Not darauf beschränken, sein treues Publikum in den deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas alle zwei, drei Jahre wieder mit halb- oder zumindest herzigen Abspielungen alter Errungenschaften zufrieden zu stellen.

Später Erfolg

Damit wäre er sehr wahrscheinlich immer noch interessanter und frischer als der Großteil seiner Kollegenschaft, die mit der einst als "Neue Volxmusik" titulierten Revolution im Grenzbereich von alpenländischer Tradition, modernistischer Brauchtumspflege und Chuck Berry Anfang der 1990er-Jahre zeitgleich mit ihm angetreten ist – und heute längst Einzug in den "Musikantenstadl" gehalten hat.

Dem 1952 in Bad Goisern als Hubert Achleitner geborenen Volkssänger, der nach langen lebenskünstlerischen Reisen und Aufenthalten in Südafrika oder Kanada Mitte der 80er relativ spät zur Musik als Profession fand und den Erfolg überhaupt erst ab 1992 mit dem Album "Aufgeigen statt Niederschiasse"n und der innigen, heute in so gut wie jeder TV-Dokumentation zum Thema "Land der Berge" vertretenen Ballade "Heast As Nit" einfahren konnte, ist die Gnade der selbstzufriedenen Verwaltung alter Errungenschaften allerdings nicht gegeben.

So sieht er die Einladung, am heutigen Freitag live am Wiener Rathausplatz und zeitgleich auf ORF 2 als Moderator und Musiker gemeinsam mit Bobby McFerrin oder Joe Zawinul die Wiener Festwochen im Rahmen eines bunten Abends zu eröffnen, zwar mit gemischten Gefühlen entgegen – von denen mit Sicherheit eines mit der Angst zu tun hat. Andererseits wächst man mit der Aufgabe.

Hubert von Goisern: "Ich habe absolut keine Ahnung, wie das werden wird. Ich bin zwar wie die meisten anderen Menschen schon auch immer auf Sicherheit bedacht und möchte mich nicht gern auf unbekannten Straßen und Wegen 'überfahren' lassen. Andererseits lasse ich mich auf solche unabwägbaren Vorgaben aus reinem Trotz ein. Erstens habe ich schon immer mit großer Freude improvisiert und vertraue auch Bandproben nur bedingt. Zweitens ist doch gerade auch das eventuelle Scheitern in der Kunst immer eine große Versuchung. Erzwingen kann man sowieso nichts! Und was ich so auf dem Regieplan gesehen habe, muss ich während der zwei Stunden, außer drei Lieder zu singen, ohnehin nur vier G'satzln sagen, nachdem ich mir die Ziehharmonika abgeschnallt habe."

Schauen, was passiert

Dem heimlichen Drang, das sichere Terrain zu verlassen und abseits knapper eigener Ansagen während eines Goisern-Konzerts als legendär wortkarger, wenn nicht berüchtigt verschlossener Austropop-Star auch noch den TV-Moderator zu geben, wurde mit einem geplanten Duett mit dem US-Gesangsvirtousen Bobby McFerrin sicherlich Unterfutter gegeben:

"McFerrin wollte immer schon einmal jodeln. Und für mich ist das natürlich eine große Ehre, wenn ich ihm diesen Wunsch erfüllen kann. Außerdem kommt mir seine ähnliche Einstellung, eher ungern durchzuplanen und lieber zu schauen, was sich live ergibt, sehr entgegen. Da McFerrin erst am Vorabend einfliegt, lege ich ihm einfach drei Jodler zur Auswahl vor. Und wir schauen, was passiert."

Alles könne man von ihm dann aber doch nicht haben. Im Gegensatz zu seiner einstigen Begleitsängerin Sabine "Alpine Zabine" Kapfinger ist der Mann froh, dass er bisher keine Einladung zu den "Dancing Stars" bekommen hat:

"Ich habe mit der Sabine in der ersten Sendung mitgezittert. Weil gleich am Anfang hinauszufliegen, das wäre schon ein arger Gesichtsverlust. Gott sei Dank hat sie diese Hürde sogar bis ins Finale geschafft. Nicht dass ich etwas gegen das Tanzen hätte! Aber wenn man ein diesbezügliches Angebot bekommen würde, müsste man sich doch sorgen, ob vielleicht bezüglich der Karriere etwas ein klein wenig schief gelaufen ist. Meine Familie hat ja auch wissen wollen, ob ich das machen würde. Meine Antwort: Wenn ich einmal so alt bin wie der Johannes Heesters, werde ich 'Dancing Star' werden – und gewinnen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es die Sendung dann nicht mehr geben wird."

Sein bisher größtes Projekt wird er jetzt ab 22. Juni in Angriff nehmen. Als "Botschafter" der EU-Kulturhauptstadt Linz im Jahr 2009 wird von Goisern diesen und nächsten Sommer auf einem 170 Meter langen Wohn-Arbeits-Bühnen-Schiffskonvoi die Donau bereisen und zwischen Delta und hin zu deren noch befahrbaren Ursprüngen mit lokalen Musikern versuchen, Synergien zu erzeugen.

Gedanken fischen

Hubert von Goisern: "Die Idee kam mir beim Fischen an der Donau in Oberösterreich. Da habe ich zweimal nichts gefangen und bin jetzt der festen Überzeugung, dass es zumindest dort drin keine Fische mehr gibt. Obwohl sie, wie ich mich später selbst überzeugen konnte, unten in Rumänien dauernd große Viecher herausziehen. Aber wenn man nichts fängt, fängt man halt an, sich Gedanken zu machen."

Von Goisern weiter: "Mich interessierte vor allem der Osten als mir völlig unbekannter Landstrich, den ich mir jetzt erwandern will. Ich habe bis zum Vorjahr ja auch keinen Balkanpop oder Roma-Bands gehört. Ungarn oder Rumänien wollten dann gerade diese Musiker auch nicht als Repräsentanten ihrer Länder bei meinem Projekt vertreten sehen. Die musste ich dann teilweise mit Gewalt wieder reindrücken. Wir werden vor Ort an den Stationen unserer Reise Konzerte mit Bands wie Besh-O-Drom oder Rambo Amadeus geben und dann versuchen, auch gemeinsam zu musizieren und die Ergebnisse 2009 in Linz präsentieren. Wenn das nicht klappt, macht es auch nichts. Wie gesagt: Erzwingen kann man nichts." (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5.2007)

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1 2
cannery row
24.04.2008 11:24
musikalische schwergewicht..

na ja. der auftritt beim amadeus war legendär peinlich..

Faktenfreund
13.05.2007 07:22
Am Schiff tingeln

Am Ende der Karriere am Schiff zu tingeln ist sicher die gerechtest aller Strafen für vergeudetetes Talent...

ruder leiberl
12.05.2007 13:59
Hubert...

..in der Wals-Siezenheim Red Bul, Disco.Seit dem "Nein danke"

grashopper
12.05.2007 07:57
sein gejodel am rathausplatz war trotzdem unaustehlich

aber das motto war toleranz, wurde mit hubert bei mir wirklich auf die probe gestellt... ansonsten war das programm toll

günter klinger
11.05.2007 13:00
allein für dieses Statement muss man ihn mögen!

"Wenn ich einmal so alt bin wie der Johannes Heesters, werde ich 'Dancing Star' werden – und gewinnen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es die Sendung dann nicht mehr geben wird."

miraculixII
11.05.2007 09:14
Vom Beruf Chemiker ..

mike11
11.05.2007 10:05
... und eine Persönlichkeit

mit Stil abseits der oberflächlich wirkenden, tanzbeinschwingenden Kamaragrinsgesellschaft von Adabeis.

cst
11.05.2007 08:10
Karriere

"...müsste man sich doch sorgen, ob vielleicht bezüglich der Karriere etwas ein klein wenig schief gelaufen ist". Höflich und gleichzeitig direkt genug; besser könnte man es einer ehemaligen Freundin/Kollegin nicht mitteilen. Ich mag diesen Kerl einfach, von Anfang an, als er noch in Deutschland durchgestartet ist, bevor ihn irgendein dummer Ö3 Moderatort kommentiert hat. Aber Anbiederung hat er ohnehin nicht nötig, und dumme Kritik perlt an ihm ab. Wie gesagt, ich mag ihn einfach, einer der spärlichen prominenten Österreicher mit Herz und Verstand, bei dessen Anblick man nicht vor angewiderter Scham rot wird.

stasiman  
11.05.2007 20:12
ganz meine meinung!

hubert ist echt einer von wenigen österr. musikern, die mit HERZ bei der sache sind.

man denke an die cds/projekte mit afrikanischem und tibetischem einfluss.genial!

die musik wirkt auf mich irgendwie echt beruhigend, besonders in stresssituationen (3s?ist das konform nach der rücknahme der rechtschreibreform?)

UND: hier in germany nehm ich den hubert gern her, um die these:
'österrichischen dialekt versteht eh ein jeder'
zu wiederlegen.

a beinvogelschworm auf a bimbambliah:)oder so ähnlich...

readymate
12.05.2007 03:31
a Beevoglschwoam...

ein Bienenschwarm auf einer Birnbaumblüte...
(wenns weiterhilft!)

christian schachinger
12.05.2007 11:26

beavogi

readymate
13.05.2007 01:47

beevegi

readymate
11.05.2007 03:26
"Die Idee kam mir beim Fischen..."

...eine Gedankenwelt von erhabener Schlichtheit, wie nur große Naturburschen sie hervorbringen können!


GallopingDog
11.05.2007 13:20

jaja, man muss vor erfurcht erschaudern ob dieser erhabenen schlichtheit... "koa hiatamadl" ist ihm wahrscheinlich am plumpsklo eingefallen - das ist erhaben hoch zwei!

wahre Lüge   
11.05.2007 10:00
HvG

ist ein Fischmörder
und kein Thomas von Aquin

sekir 09
09.06.2007 15:13

thomas von aquin war der letzte mensch, der alles gewusst hat. also muss er auch gewusst haben, wie man fische killt. wahrscheinlich verwechseln sie den aber sowieso mit franz von asissi

Herr Dr. Bitter 
11.05.2007 02:27

Das mit dem Donauschiff klingt jedenfalls gut.

Das kann gar nicht schief gehen, auch wenn der Typ recht anstrengend ist.

Wir wünschen gute Fahrt - und bitte viel Filmmaterial von den Ostkapellen zurückbringen!

Jürgen Rembremerding
10.05.2007 22:19
Österreichs Antwort auf

Patrick Lindner!

Grillparzer
11.05.2007 18:51
Aufzog'n mit'n Rum?

Oder geprügelt worden als Kind?
Mit Brezina-Märchen großgeworden?
Fan des Notgeil-Quintetts?
Einst oder jüngst an Karl Moiks Defribrillator angeschlossen worden?

ODB Wu
11.05.2007 08:39
...wenn

das unsere Antwort ist, haben wir echt gewonnen. hvg ist ein ehrlicher musiker, mit feinen texten, wir können froh sein, dass es solche bei uns noch gibt.

habe mir gestern noch die generalprobe am rathausplatz angesehen: nach einem hvg, bobby mcferrin und joe zawinul diesen unsäglichen schnulzenheini muhabett, irgendeine Ö-popgöre und parishilton-verschnitt namens missy may und die schlager-mädels von luttenberger klug auftreten zu lassen... wenn es das ist, was die wiener festwochen zu bieten haben, sollten wir uns wirklich sorgen machen...

Jürgen Rembremerding
11.05.2007 11:22
Aber der Patrick Lindner hat schönere Sakkos!

ODB Wu
11.05.2007 11:31
besser frisiert ist er auch.

Markus Oberhauser 
11.05.2007 08:53

eigentlich sollten die drei herren den gesamten Abend spielen dürfen. Das wäre ein Feuerwerk an Musikalität und ich denke, dass die jungen Leut dabei auch noch was lernen können.

Wenn diese Pop-Dinger tatsächlich so sind, wie Sie sie beschreiben, dann wäre das echt ein Armutszeugnis.

Muss demnach nach Hubert, Bobby, Joe abdrehen... aber seh ma mal. Leider kann ich nicht live dabei sein. Dafür am Sonntag beim Bobby. Entschädigt vieles.

mfg

ODB Wu
11.05.2007 09:16
bitte sehr, zum abtasten:

Missy May:
http://www.youtube.com/watch?v=1gsFaYaNVIs

Luttenberger Klug:
http://www.youtube.com/watch?v=CUrayG3J_pQ

Muhabbet:
http://www.youtube.com/watch?v=3lnhX-DQUbs

alles werden sie vermutlich nicht durchstehen...

http://www.waschpulver.at   
11.05.2007 16:40

Luttenberger Klug sind wirklich eine 'Antwort' auf das Berliner Deutsch-Revival von vor ein paar Jahren. Eben diese paar Jahre zu spät halt... und bei weitem nicht so gut wie WSH und Konsorten.

Traurig.

Den Rest kenn' ich nicht. Schätze ich habe nix verpasst.

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