"Trash" gegen mehr Öffentlich-Rechtliches

27. Juli 2007, 17:49
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Vor ORF-Klausur: Wo die Quote blieb

Samstag diskutiert die ORF-Führung mit ihren – teils erbosten – Stiftungsräten Programmreform und Quotenschwund. Die Argumentation zeichnet sich ab. Beginnen öffentlich-rechtlichere Programme früher, kosten sie Quote, klingt es vom Küniglberg. Er verweist auf die vorgezogenen Dokus am Donnerstag gegen frühere Austrocomedy in ORF 1, "Schauplatz" am Freitag und "Kreuz & quer" am Dienstag.

Das (und die neue Kultur) habe einen Prozentpunkt Marktanteil im Hauptabend und einen danach gekostet, heißt es intern zum schlechtesten Marktanteil in der ORF-Geschichte. Wie berichtet im April 37,9 Prozent nach 41,3 Prozent ein Jahr zuvor.

Marktanteilstanz

Zum Schwund der Marktanteile im Spätabend trug allerdings auch "Dancing Stars" gewichtig bei, das der ORF diesmal auf 20.15 Uhr vorverlegte. Ergibt zu besser bezahlter Werbezeit mehr junge Zuschauer – aber weniger Marktanteil später, wo große Zuschauermengen mehr Gewicht haben.

Manch langjährigen ORF-Insider bringt die Linie – öffentlich-rechtliches Programm koste Quote – in Rage: "Sie verlieren nicht wegen Qualitätsprogrammen, sondern wegen Trash", echauffiert sich einer im Gespräch mit dem STANDARD: "Nicht wegen guten Programms also, sondern wegen schlechten."

Der Mann meint wohl etwa den Vorabend mit "Mitten im Achten" und "Szene", an dessen eiligem, breiter angelegtem Ersatz gearbeitet wird. Laut ORF-Linie kostet der Vorabend, wiewohl umstrittenste Problemzone der Reform, nur 0,5 Prozent Marktanteil.

Die Quotensollbruchstelle "Julia" in ORF 2 um 17.30 Uhr weicht wie berichtet einem Servicemagazin, möglicherweise mit Elisabeth Engstler. "Wie bitte" darf mit einer Wiederholung nach der "ZiB 24" rechnen. Und am Donnerstag laufen die Comedys künftig (ausgenommen der monatliche "Donnerstalk") staffelweise durch. Die "Liebe Familie" beginnt im Sommer. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2007)

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