Wet Cookies: "Earthling"

    11. Juni 2007, 13:29
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    Ein Album aufnehmen ist wie eine Reise mit vielen Wegen - das Erstlingswerk der Wet Cookies hat dabei eine neue Welt entdeckt

    Am Anfang waren die 1990er, und die waren vor allem eines: laut. Und voller Jazz und unhörbarem Freejazz. - So klangen die bösen Bubenjahre der Wet Cookies. Mittlerweile haben sich die Töne geordnet und aus dem einen oder anderen ist ein güldener Philharmoniker geworden.

    Ein liebevoller Angriff

    Wollen die Buben von damals heute zusammen Spaß haben, gehen sie ins Studio und spielen live ein Album ein. Was herauskommt, heißt "Earthling" und ist eine Gesamtsumme an Emotionen, die unwahrscheinlich frisch und unwahrscheinlich gut klingen.

    Wie klingt eigentlich Jazz-Dub?

    Miles Davis meets King Tubby? Wie klingt eigentlich Dub-Jazz? Wer Billy Cobhams Scheiben kennt, Miles Davis auch noch in den Siebzigern etwas abgewinnen konnte und dann noch weiß, dass King Tubby nicht der König der Teletubbys sondern einer der Mitbegründer des jamaikanischen Musikstils Dub ist, kann sich vielleicht etwas darunter vorstellen.

    Wiener NuJazz-Formation

    Die Masterminds hinter dem Projekt, Björn Klein und Axel Hirn, der auch mit Projekten wie "Noiseshaper" international auf sich aufmerksam machen konnte, schaffen es auf ihrem Erstlingswerk, eine homogene Fusion nur scheinbar gegensätzlicher Stile zu etablieren. Erstaunlich gut funktioniert das Ganze, voller Hingabe im digitalen Zeitalter und doch immer im Geiste der alten Meister. Der Sound der Siebzigerjahre ist allgegenwärtig, - nicht selten erinnert der coole Soundscape an Filme dieser Zeit.

    Elf Mann stark...

    ... ist das Ensemble und für jeden ist Platz und jeder einzelne Musiker speist die Maschine mit Kreativität und Leben. Neben den Bläsern, die fast immer überzeugen, ist der Pianist Thomas Uhegbu hervorzuheben, der auch die Moog-Synthies würgen darf. Die Rhythm Section klingt, als würde sie schon ewig zusammenspielen, und völlig unüblich ist auch der Einsatz des Kontrabasses im Dub.

    Wet Cookies schaffen es, mit alten Traditionen erfolgreich zu experimentieren und so endlich wieder Frische in die verstaubte Jazzlandschaft zu bringen. Egal ob Dub-Head oder Jazz-Freak: Für alle, die bereit sind zuzuhören, öffnet sich hier eine Welt großer Musik.

    Jenseits der Heimat

    Die Bestätigung des guten Geschmacks hat nicht lange auf sich warten lassen: Jenseits der Heimat haben auch schon andere den Wert dieses Kleinodes entdeckt: So lautet bei NBC die zusammenfassende Kritik: "This is really good stuff". Man kann nur sagen: die Jungs haben das echt verdient! (nia)

    • Wet Cookies: "Earthling" (Collision Cause Chap 2007)
      foto: collision cause chap

      Wet Cookies: "Earthling" (Collision Cause Chap 2007)

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