Edler Auftritt

31. Oktober 2007, 13:57
posten

Besonders modisch sind die Schuhe von Santoni nicht - Dafür aber von höchster Qualität

Die Arbeitsschürze ist schmutzig weiß, die Socke geringelt. Keine Frage: Den Herrn über eine der edelsten italienischen Schuhmanufakturen hat man sich etwas anders vorgestellt. Als uomo nobile im Maßanzug - und nicht als Handwerker im Arbeitskittel. Nur der dicke Siegelring an der rechten Hand passt ins erwartete Bild.

Auch heute noch ist in Corridonia die Herstellung von Schuhen eine bodenständige Angelegenheit. "Ich bin Schuhmacher", sagt Andrea Santoni lapidar, fragt man ihn nach seiner Profession. In den 1970er- Jahren gründete er in der hügeligen Landschaft der italienischen Marken aus dem Nichts seine Firma, heute fabriziert er hier täglich an die tausend Paar Schuhe - keine, die durch ihren modischen Touch, sondern durch ihre Qualität glänzen. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, modische Schuhe herzustellen." Man glaubt es Andrea Santoni aufs Wort. Besonders gesprächig ist er nicht, den Verkaufs- und Marketingbereich hat er mittlerweile seinem Sohn Giuseppe überlassen, Andreas Ort ist die Werkstätte. Seit über 35 Jahren überwacht er jeden Schritt in der Herstellung seiner Schuhe. "Nur dadurch", sagt er, "können wir uns von unseren Mitbewerbern unterscheiden."

Limited-Kollektion

Davon gibt es in den Marken dutzende. In den vergangenen Jahrzehnten ist im Landstrich südlich von Ancona eines der italienischen Schuhzentren entstanden. Zugpferd ist Diego Della Valles Tod\s-Konzern, der lange im Nachbarort seinen Sitz hatte. Vor einigen Jahren ist man einige Kilometer weiter in einen moderneren Hauptsitz gezogen. Ein direkter Konkurrent war Tod\s für Andrea Santoni aber nie. Schließlich ist der eigenständige Familienbetrieb (auch Frau und Tochter arbeiten im Unternehmen) über den Umweg Amerika groß geworden. Mithilfe eines Vertriebspartners besetzte Santoni dort in den 1980er-Jahren den Markt für Luxusschuhe. Kein Wunder, dass der Flagship Store bis heute auf der schicken Madison Avenue in Manhattan steht. Mittlerweile verkauft man längst weltweit. Die Herstellung findet aber nach wie vor in den Marken statt.

Drei Santoni-Fabriken stehen hier. Über 300 Arbeiter werken in den lauten Hallen. Der Großteil von ihnen arbeitet in der Herstellung der Classic-Kollektion, der teils maschinell, teils per Hand gefertigten klassischen Lederschuhe. Die wirklichen Prachtstücke stammen allerdings aus der Limited-Kollektion, die zur Gänze per Hand gefertigt ist. Wie ein Großwildjäger demonstriert Andrea Santoni unterschiedliche Lederarten. Im Lager, erzählt er, lagerten Vorräte im Wert einiger Millionen Euro. "Gutes Leder zu bekommen ist heute aufgrund der Massentierhaltung gar nicht so einfach." Der Clou der Santoni-Schuhe besteht allerdings in der nachträglichen Bearbeitung des Leders.

In mehreren Arbeitsschritten werden verschiedene Farbschichten aufgetragen - und anschließend unterschiedlich stark poliert. Dadurch ergeben sich Farbeffekte, die zum Markenzeichen Santonis geworden sind. Qualität alleine genügt im stark umkämpften Schuh-Hochpreissegment nicht mehr. Englische Hersteller dominieren hier immer noch den Markt - auch wenn die Italiener, was Eleganz und Qualität anbelangt, schon lange mithalten können. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/11/05/2007)

  • Ein Teil der edlen Lederschuhe wird bei Santoni noch immer per Hand hergestellt
    foto: santoni

    Ein Teil der edlen Lederschuhe wird bei Santoni noch immer per Hand hergestellt

  • unter der Aufsicht von Firmengründer Andrea Santoni
    foto: santoni

    unter der Aufsicht von Firmengründer Andrea Santoni

  • Der Schwerpunkt liegt auf klassischen Herrenschuhen - seit einigen Jahren gibt es aber auch Sport- und Damenschuhe.
    foto: santoni

    Der Schwerpunkt liegt auf klassischen Herrenschuhen - seit einigen Jahren gibt es aber auch Sport- und Damenschuhe.

Share if you care.