Eroberung der Zeitungsspalte

18. April 2008, 12:07
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Wie kommen Kleinbetriebe in die Medien? Wege zur Öffentlichkeit, ohne mit der Chefredakteurin verschwägert zu sein

Abseits der sogenannten Erfolgsgeschichten über No-Name-Betriebe, die es nur deshalb gibt, weil Firma X gerade einen wichtigen Preis gewonnen oder Firma Y einen prominenten Auftrag an Land gezogen hat, kommen Kleinunternehmen in den Medien nur selten vor. Woran liegt das? Kurz gesagt: Der Informationsfluss stimmt nicht. Die Betriebe haben kaum Erfahrung im Umgang mit Medien, und die Redaktionen ertrinken ohnehin schon in PR-Meldungen von Großunternehmen, sehen also gar keinen Raum mehr, den sie Kleinunternehmen widmen könnten.

Trotzdem: Auch Kleine haben eine Chance auf Medienpräsenz. Wichtig ist, den geeigneten Anlass und die richtigen Worte zu finden. Um an die passenden AnsprechpartnerInnen im jeweiligen Medium zu kommen, reicht dann meist schon ein kurzer Anruf.

Der Anlass

Zum Anlass einer Presseaussendung: Es muss nicht immer eine Pressekonferenz sein. Ein neues, witziges oder innovatives Produkt, eine neue Kooperation, ein wichtiger Auftrag, eine Auszeichnung, eine Rekordmeldung, Richard Lugner als Stammkunde: Alles kann herangezogen werden, um daraus eine Pressemitteilung zu machen - vorausgesetzt, es hat das Potenzial zum Newswert.

VerfasserInnen von Pressemeldungen sollten sich fragen, ob sie das, was sie da schreiben, auch selber gerne lesen würden - und zwar aus der Sicht eines völlig branchenfern stehenden Menschen (ausgenommen, die Meldung geht an ein Fachmedium). Kann diese Frage mit Ja beantwortet werden, besteht zumindest eine geringe Chance auf eine Veröffentlichung.

Die Neugier des Käufers

Auch Medienmenschen konsumieren. Aus KonsumentInnen-Sicht möchten sie also nicht nur wissen, dass das Produkt oder die Leistung "innovativ" oder "maßgeschneidert" oder "von höchster Qualität" sind. Sie wollen - wie alle neugierigen potenziellen KäuferInnen - erfahren, was eigentlich neu an der Innovation ist und wie die hohe Qualität erreicht wird. Die Neugier muss aber erst geweckt werden: Das Betreff des E-Mails, der erste Satz des Briefs müssen so packend sein, dass der/die Adressatin Lust bekommt, weiter zu lesen. Es muss zwar nicht immer die Anspielung auf Sex sein - die Vorstellung bestimmter Sinnesempfindungen (Veilchenduft, saftiger Braten) hat sich aber schon immer als guter Neugier-Stachel erwiesen.

Pressemeldungen müssen so kurz wie möglich sein - maximal zwei gedruckte Seiten, mit großzügig eingesetzten Absätzen. Unbedingt darin enthalten sein sollten: Was (ist) passiert? Warum ist es so wichtig/witzig/interessant? Wo und wann ist es passiert? Wer kann im Unternehmen Auskunft darüber geben? Essentielle Infos sollten auch nie erst in der Mitte oder am Ende der Mitteilung stehen - die Gefahr, dass sie nie gelesen werden, ist zu groß.

Kurz informiert Kleinbetriebe sollten auch nie vergessen, eine Kurzinfo zum Unternehmen beizulegen - schließlich sind sie in den meisten Fällen ja noch unbeschriebene Blätter. Der/die RedakteurIn sollte durch diesen Factsheet in kürzester Zeit möglichst umfassend über den Betrieb informiert werden: Name, Adresse, Telefonnummer, Unternehmensbereiche, Produkte oder Dienstleistungen, Zahl der Mitarbeiter, Gründungsjahr.

Wärmstens zu empfehlen: ein Foto vom Produkt oder der Dienstleistung. Das Kind im Medienmenschen verlangt nach Greifbarem - und wenn das via E-Mail oder Brief schon nicht geht, dann sollte das Ungreifbare wenigstens sichtbar sein. (Maria Sterkl)

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    foto: standard/hendrich
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