
Evrim Ersan studiert seit neun Jahren in Wien - Hindernissen zum Trotz.
Bis vor einem Monat, denn Anfang April erhielt Ersan einen Brief vom Magistrat: Bis zum 10. April wurde ihr darin eine Frist gesetzt, innerhalb derer ihr Doktorats-Betreuer einen Brief an das Magistrat senden sollte - der Betreuer, den sie noch nicht hatte. Andernfalls würde ihr "Visum zurückgelegt", was für die 33-Jährige bedeutet hätte, ihre pflegebedürftige Mutter in Wien alleine zurückzulassen.
Wer die Soziologie in Wien kennt, weiß, dass Wartezeiten beim Finden eines Betreuers für die Diplom- oder Doktorarbeit an der Tagesordnung stehen. Ersan, die bereits seit Herbst auf der Suche ist, sah sich mit einer Frist von nicht einmal zwei Wochen in einer ausweglosen Situation.
Sie schilderte die Brisanz ihrer Lage vielen Professoren. Letztendlich wandte sie sich an den Dekan der Sozialwissenschaften, Rudolf Richter, den ihr Thema - die in Istanbul lebenden Transsexuellen - interessierte, weil es auch in seinen Schwerpunkt Sozialstrukturforschung fällt. Durch ihn darf Ersan nun vorerst hier- bleiben. "Was nach dem Studium ist, darüber versuche ich nicht zu viel nachzudenken. Ich weiß es nicht", meint sie.
Hierbleiben dürfte sie, wenn "ich einen Arbeitgeber finde, der mich als Schlüsselkraft braucht, und mir ein Gehalt von 2300 € zahlt", schüttelt Ersan den Kopf. "Oder ich heirate einen Österreicher", doch auch das kommt für die selbstbewusste Frau nicht in Frage, auch deswegen, weil sie einen Freund in Istanbul hat.
Verschärftes Recht
"Mit dem neuen Fremdenrechtsgesetz hat sich für mich alles verschlechtert", beklagt sie. Nach den letzten Wahlen hatte sie große Erwartungen. "Aus der Türkei kenne ich das, dass die Politiker vor der Wahl etwas anderes sagen, als danach, aber ich glaubte, hier herrsche eine andere politische Ethik." Doch ihr Vertrauen wurde enttäuscht, die restriktiven Gesetzesänderungen vom Jänner 2006 und die Studiengebühren sind unter dem SPÖ-Kanzler geblieben.
"Vor allem die Studiengebühren von 726,72 € machen alles schwieriger für ausländische Studenten", betont Ersan, weil sie - wenn überhaupt - nur geringfügig arbeiten dürfen. Auch Ersan bekam keine Arbeitserlaubnis.
Weil sie sich die Gebühren ohne Job nicht leisten konnte, setzte sie nach dem Diplom aus. Als sie nach einem Semester das Doktorat machen wollte, musste sie all ihre Dokumente in der Türkei neu übersetzen und beglaubigen lassen - insgesamt dauerte die Prozedur ein Jahr. Drei Seminare musste sie zusätzlich absolvieren, damit ihr Diplom wieder anerkannt wurde.
Trotz der Hürden, die ihr in den Weg gelegt werden, liebt Ersan das Land wie eine zweite Heimat. "Am liebsten würde ich jedes Jahr sechs Monate in Wien und sechs Monate in der Türkei leben." (Tanja Traxler/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2007)
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würde das auch nichts helfen, da ja in österreich der generalverdacht der "scheinehe" (übrigens ein von den nationalsozialisten geschaffener begriff) bei binationalen eheschliessungen gilt - inklusive fremdenpolizei auf zahnbürsten- und privatlebensuche und andere erniedrigende schnüffeleien und befragungen ..
.... warum sie dann in wien ist?
wenn ich schon über transsexuelle in istanbul schreiben will wärs vielleicht vor Ort besser, näher am thema, leichter zu recherchieren usw.
und ihren freund hat sie ja auch dort.... also es ist ja nicht gerade so als ob sie dort niemanden kennt und völlig aufgeschmissen ist....
... aber ja, wie schon andere poster bemerkt haben, dürfte wohl die pflegebedürftige mutter der / ein grund sein hierbleiben zu wollen ;-/
wie wäre es mit der persönlichen Freiheit zu studieren, wo man will?
Was ist den dagegenzuhalten, wenn jemand Wien und Istambul als Lebensraum liebt.
Wenn ein Wiener gerne das halbe Jahr in Paris ist um Kunst zu studieren, regt sich seltsamerweise hier auch keiner auf, nein, der ist dann ja angesagt in der Szene.
aber bei dieser
In den Orchideenstudien, oder denen nicht besonders geldträchtigen, findet man kaum Asiaten. Die findet man in Naturwissenschaften, Medizin und Technik - dort findet man nachher einen Job.
Erst die Einwandererkinder älterer Migrationswellen - Italiener, Juden z.B. - findet man zahlreicher in solchen Fächern. Deren Familien sind sozial genug integriert, damit die nachher zu irgendwas schon kommen.
Asiatische Zuwanderer in den USA wissen genau, das sie ein Handicap haben. Ein zweites würden sie nie riskieren. Erst vielleicht in dritter Generation, wenn sie schon voll integriert sind und das Immigrationshandicap weg ist.
Auch ich sehe keine grosse Zukunft in der Analyse von tuerkischen Transsexuellen. Aber: Man sollte niemanden abhalten, auch ein etwas exotisches Thema zu bearbeiten. Wer kann mit Sicherheit prophezeien, dass daraus nichts wird?
Hardy war einer der groessten Matematiker des 20. Jahrhunderts. In seinen Memoiren prophezeite er dass "No one has yet discovered any warlike purpose to be served by the theory of numbers or relativity, and it seems unlikely that anyone will do so for many years."
Die Atombombe war die erste Anwendung von E=mc**2, fuer die Zahlentheorie musste man noch ein paar Jahre warten - RSA -Code und verwandte sind heute aus der Informatik nicht wegzudenken.
Daher ist Vorsicht bei der Diagnose "Nutzlosigkeit" angebracht!
das schlimmste ist, dass die arschlöchrigsten postings hier eher der gesetzeslage entsprechen. also österreich ein land mit vielen netten, besorgten bürgern, aber auch einem gesetzlich angeordneten, und von vielen deswegen gelobten haufen intoleranz.
mfg
the outlandish ausländer
Das ist aber grundsätzlich der Hintergedanke an der Ausbildung von ausländischen Studenten.
Nach dem Ende des Studiums sollten die Leute wieder in Ihre Heimat zurück und dort mit dem erlernten Wissen am Aufbau und der Entwicklung der Volkswirtschaft, dem Staat bzw. dem Land im allgemeinen positiv mitwirken. Das wäre die beste Entwickungshilfe, die Österreich beitragen könnte. Aber warum wollen die Leute alle nur immer hierbleiben, obwohl ihre Freunde zuhause in der Heimat sind? Rätselhaft für mich?
ja, es ist ein tatsächlich ein volkswirtschaftlicher Irrsinn, Leute aus dem Ausland hereinzuholen, die dann fast ein Jahrzehnt (!!) ein überlaufenes Fach fast gratis studieren und zu einem bescheuerten Randthema dissterieren und auch noch die Pflegekosten für Mama mitzubezahlen. Das ist tatsächlich ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn.
Sorry, Rosastahl, mein ich.
Da 5087,04 € für Sie fast gratis ist, ersuche ich Sie, mir diesen Betrag auf mein Konto zu überweisen.
Und eine Frage: was haben Sie auf der Unität stukkatiert? Tun Sie auch gerade dissterieren? Sicher höhere Mathematik, gell? Und ihre Humanität ist herzergreifend: kaum von einem pflegebedürftigen Menschen ein paar Zeilen lesen, schon ist er da der zwingende Gedanke: wer legt das Gerschtel hin für die sieche Alte?!!! Wir alle, owa genau!
Die IV hat's auch kapiert, aber die suchen Leute aus anderen Fachbereichen (und natürlich viel billiger als unsere eigenen ausgebildeten Leute). Glaube kaum, dass sich irgendwer in der Industrie mit der Problematik Transsexueller in der Türkei beschäftigt, oder jemanden dafür monatlich 2300 Euronen bezahlt.
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