Kleiner Führer durch den EU Praktikumsdschungel - Teil 3

3. August 2007, 15:45
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Tipps, Tricks und Anleitungen für Praktika im Ausschuss der Regionen und im Wirtschafts- und Sozialausschuss

Im vorletzten Teil der Serie zu EU Praktika beschäftigen wir uns mit den zwei beratenden Organen der europäischen Union, dem Ausschuss der Regionen und dem Wirtschafts- und Sozialausschuss. Beide Organe müssen zu bestimmten Themen angehört werden und können auch Berichte aus eigener Initiative verfassen. Weder die Kommission noch das Parlament oder der Rat sind allerdings gezwungen den Empfehlungen der beiden Ausschüsse zu folgen.

Die Stimme der Zivilgesellschaft

Der Wirtschafts- und Sozialausschuss (WSA) sieht sich als die Stimme der organisierten Zivilgesellschaft in der EU. Für Hochschulabsolventen werden zweimal pro Jahr fünfmonatige Praktika, jeweils ab dem 16. Februar bzw. dem 16. September, organisiert. Unter Anleitung eines Betreuers nehmen die Praktikanten verschiedenste Aufgaben war, z.B. das Verfassen von Protokollen oder die Recherche zu bestimmten Themen. Für rund 15 Stellen gehen im Durchschnitt 800 bis 1000 Bewerbungen ein; daher ist es besonders wichtig die Bewerbung formal korrekt auszufüllen.

Die Bewerbung erfolgt zwar online, ähnlich wie bei Praktika bei der Kommission, muss aber in einem zweiten Schritt die Bewerbung zusätzlich ausgedruckt werden und gemeinsam mit Kopien aller Hochschulabschlüsse und weiterer Nachweise an das Praktikantenbüro postalisch versandt werden. Weitere Unterlagen wie ein detaillierter Lebenslauf oder Empfehlungsschreiben können optional mit geschickt werden. Langzeitpraktika sind bezahlt.

Zusätzlich zu den allgemeinen Zulassungsbedingungen (ein abgeschlossenes Studium, Kenntnisse zweier EU Sprachen und ein Höchstalter von 30 Jahren) sollten die Bewerber auch eine Basisqualifikation in den Aufgabengebieten des WSA vorweisen können. Da der WSA aus Vertretern von Gewerkschaften, Unternehmerverbänden und NGOs besteht, erhöht man natürlich seine Chancen wenn man ein Engagement bei solchen Organisationen nachweisen kann. Für Studenten gibt es auch die Möglichkeit eines Kurzzeit Praktika für das die Zulassungsmodalitäten gelockert wurden.

Die Stimme der Regionen

Auch im Ausschuss der Regionen (AdR) gibt es die Möglichkeit Lang- und Kurzzeitpraktika zu absolvieren. Für Langzeitpraktika decken sich die Praktikumszeiten mit denen des WSA. Die Aufgaben sind sowohl administrativer als auch politischer Natur.

Um sich zu bewerben, muss man entweder ein Universitätsstudium abgeschlossen haben oder zumindest 4 Jahre (8 Semester) erfolgreich studiert haben sowie zwei EU-Sprachen beherrschen (wobei man zumindest Englisch oder Französisch sehr gut können sollte). Normalerweise sollten Anwärter nicht älter als 30 Jahre sein, Ausnahmen können auf Antrag allerdings gewährt werden. Praktikanten (Langzeit) erhalten derzeit ein Stipendium von 1000 Euro.

Präferenzen zum Einsatzgebiets

Wie auch bei der Kommission können Praktikumsanwärter Präferenzen bezüglich des Einsatzgebiets angeben. Der AdR erhält ca. 1000 Bewerbungen für 15 Praktika pro Periode, auch hier ist also die Konkurrenz sehr groß. Seit 1. Oktober 2005 müssen alle Bewerbungen über das Internet abgewickelt werden, wobei als Sprachen nur Englisch und Französisch zur Verfügung stehen. Sobald die Bewerbung erfolgreich versandt wurde schickt das Praktikantenbüro eine Bestätigungsemail, es ist also essentiell eine funktionierende E-Mail Adresse anzugeben. Der Status der Bewerbung kann dann online gecheckt werden. Bewerbungen können von 1. April bis 30. September des Vorjahres für das Frühjahrs Praktikum eingereicht werden, sowie von 1. Oktober des Vorjahres bis 31 März für das Herbstpraktikum.

Das Verfahren läuft in drei Phasen ab: einem Berechtigungscheck, einer Vorauswahl (Bewerber werden in eine interne Datenbank eingetragen) sowie die Endauswahl (in der letzten Phase müssen dann Zeugnisse in Papierformat eingereicht werden). Zusätzlich bietet der AdR auch wesentlich weniger aufwendige Studienbesuche an, die bis zu 4 Monate dauern können aber nur von Postgraduate Studenten genutzt werden können. Diese Studienbesuche sind allerdings unbezahlt.

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