Kleiner Führer durch den EU Praktikumsdschungel - Teil 2

3. August 2007, 15:45
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Im zweiten Teil unserer EU Praktikaserie befassen wir uns mit dem europäischen Parlament und dem Ministerrat

Europäisches Parlament:

Wer sich für ein Praktikum beim europäischen Parlament interessiert, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: ein Praktikum bei einem "MEP", also einem Europaabgeordneten, oder beim Parlament als Institution. Der Hauptunterschied: die Arbeit für einen MEP ist im Allgemeinen (partei)politischer als in der Verwaltung des Parlaments. Die Bewerbungsmöglichkeiten für ein Praktikum bei einem Abgeordneten sind auch weitaus weniger formalisiert.

Normalerweise reichen ein Anschreiben und ein Lebenslauf, wobei das allerdings je nach Parlamentarier unterschiedlich gehandhabt wird. Es hilft natürlich wenn der Bewerber oder die Bewerberin in einer nahe stehenden Partei engagiert ist, bzw. zumindest ein allgemeines politisches Interesse in der jeweiligen politische Richtung vorweisen kann oder in dem spezifischen Arbeitsbereich des Parlamentariers bereits Erfahrung hat.

Bewerbungen an verschiedene Nationen

Zunächst sind klarerweise die österreichischen Parlamentarier die logische Anlaufstelle für solche Praktika, dem entsprechend viele Bewerbungen gehen auch in den jeweiligen Büros ein. Allerdings nehmen manche Abgeordnete durchaus auch Bewerber aus anderen Ländern auf, es kann sich also z.B. durchaus auch lohnen deutsche MEPs anzuschreiben, oder, besonders wenn man mehrere europäische Sprachen spricht, bei den Briten anzuklopfen.

Schließlich gibt es auch einige Stellen bei den Fraktionen der Parteien selbst (also z.B. bei der Europäischen Sozialdemokraten oder der Europäischen Volkspartei). Genauso unterschiedlich wie die Bewerbung selbst ist auch Bezahlung (meist allerdings unbezahlt) und die Dauer des Praktikums.

Praktikant bei der Parlamentsverwaltung

Die zweite Möglichkeit besteht darin, ein Praktikum bei der Parlamentsverwaltung zu machen. Angeboten werden sowohl bezahlte als auch unbezahlte Praktika für alle Staatsbürger/innen der EU (oder der Beitrittsländer, sowie einiger Drittstaaten) die zwischen 18 und 45 Jahren alt sind und bei noch keiner anderen EU Institution ein Praktikum absolviert haben. Die Bewerber müssen außerdem zumindest zwei EU-Amtssprachen beherrschen. Bezahlte Praktikanten bekommen ein Robert Schuhmann Stipendium, das es in zwei Varianten gibt: eine für Journalisten und eine allgemeine.

Für das allgemeine Stipendium muss ein Hochschulstudium nachgewiesen werden, für das Journalismus-Stipendium muss auch berufliche Kompetenz auf diesem Gebiet erworben worden sein. Bezahlte Praktika dauern fünf Monate, beginnend jeweils am 15. Februar (Bewerbungsfrist bis 15. Oktober der Vorjahres) und am 15. September (Bewerbungen bis 15. Mai). Das Bewerbungsformular muss ausgedruckt und dann per Post mit allen Unterlagen eingesendet werden.

Unbezahlte Praktika dauern nur vier Monate und können drei Mal pro Jahr absolviert werden. Eigene Praktika (bezahlt und unbezahlt) werden für Übersetzter sowie für Konferenzdolmetscher angeboten.

Europäischer Rat:

Beim Rat kann ein Praktikum innerhalb des Generalsekretariats absolviert werden, allerdings werden pro Kalenderjahr nur nur ca. 85 Praktikanten aufgenommen, (bei ca. 1000-1500 Bewerbungen). Praktika beim Rat dauern 3-4 Monate wobei es sowohl die Option eines bezahlten (850 Euro) als auch eines unbezahlten Praktikums gibt. Der Bewerbungsschluss ist jeweils der 1. September des Vorjahres. Das Praktikum richtet sich an Hochschulabsolventen und an Beamte ohne Hochschulabschluss aber mit mehr als dreijähriger konzeptueller Verantwortung. Nicht vergütete Praktika sind für Stundenten gedacht. Bewerber dürfen nicht älter als 30 Jahre sein.

Die Bewerbungsformulare für die nächste Runde können voraussichtlich ab April auf der Webseite des Rates abgerufen werden.

Alles per Post

Zusammen mit einem Lebenslauf und einem Motivationsschreiben ist das Formular dann postalisch einzusenden. Der Rat hinkt allerdings der Zeit etwas hinterher: die Bewerber werden aufgefordert die Unterlagen mit der Schreibmaschine auszufüllen.

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