Ganz ohne Laska geht die Chose nicht

5. Juni 2007, 16:16
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Die Wiener SP und ihr Operettensommer: Die Entscheidung zu fördern fiel, ohne das Kuratorium für Off-Theater und Tanz zu informieren

Wien – Andreas Mailath-Pokorny, Wiener SP-Kulturstadtrat, ließ am Dienstag vom Kulturausschuss eine Förderung in der Höhe von 150.000 Euro für den Wiener Operettensommer 2007 genehmigen. Im Förderakt lobt Thomas Stöphl, Mailaths Theaterreferent, die angeblich "mitreißende Bühnenshow" in höchsten Tönen. Der Park des Theresianums, einst "Schauplatz prunkvollster Hoffeste", sei ein "idealer Spielort", die Veranstaltung ergänze das kulturelle Angebot auf "optimale Weise".

Im vergangenen Jahr stand der Operettensommer unter dem Titel Remasuri auf der Wieden. Die PID-Rathauskorrespondenz kündigte im Vorfeld an, dass "sympathische Künstler mit guten Stimmen, hübschen Kostümen und echtem Wiener Charme im Einsatz" sein würden. Bei Melodien wie Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht käme "ganz geschwind wahre Operetten-Glückseligkeit" auf.

Das diesjährige Programm lautet Wien, Wien nur du allein! "Ein ansteckend fröhliches junges Ensemble" wird wieder Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht geben.

Die Entscheidung, die Chose zu fördern, fällte Mailath, ohne das von ihm bestellte Kuratorium für Off-Theater und Tanz zu informieren, das die Subventionsansuchen eigentlich beurteilen soll. Es hätte das Projekt wohl kaum für förderungswürdig erachtet: Die drei Kuratoren lehnten den Antrag des Musiktheaters Schönbrunn bezüglich seiner Fledermaus-Produktion ab.

"Irrsinnige Frechheit"

Den Operettensommer organisiert Scheibmaier Promotions, eine Werbeagentur, die zur Hälfte der A.W.H. Beteiligungsgesellschaft gehört. Und deren Eigentümer ist der Verband der Wiener Arbeiterheime. Über die A.W.H. besitzt der Verband ein beachtliches Medienkonglomerat (samt der Echo Werbeagentur, die das VOR-Magazin herausgibt).

Eine sehr zentrale Funktion beim Arbeiterheim-Verband hat SP-Landesparteisekretär Harry Kopietz inne, der auch im Aufsichtsrat der A.W.H. sitzt. Da Kopietz der Organisator des von Mailath hoch subventionierten SP-Donauinselfestes ist, nimmt es nicht wunder, dass Scheibmaier Promotions seit Beginn an (1984) die Hauptbühne des Donauinselfestes ausrichten darf.

Die A.W.H. und der Verband haben den gleichen Firmensitz. Geschäftsführer beider Organisationen ist Helmut Laska. "Der Verband hat die Aufgabe, die Partei zu unterstützen", sagte Laska gegenüber dem trend. "Eigentümer ist letztendlich die Partei."

Helmut Laska ist der Ehemann von SP-Vizebürgermeisterin Grete Laska. Und sie ist auch Chefin der PID-Rathauskorrespondenz, die nicht nur Werbung für den Operettensommer macht, sondern auch Geld zuschießt: 71.000 Euro dieses Jahr, obwohl der Veranstalter laut seiner Kalkulation nur 50.000 Euro für Werbung und Marketing ausgibt.

Marie Ringler, Kultursprecherin der Grünen, spricht von "verdeckter Parteifinanzierung" und hält das Ganze für eine "irrsinnige Frechheit". Ihr Parteikollege David Ellensohn hatte bereits 2005 im Standard kritisiert, dass Grete Laska ein Helmut-Laska-Projekt (Christmas in Vienna) mit 150.000 Euro förderte.

Mailath-Pokorny sprach sich bekanntlich wiederholt gegen In-sich-Geschäfte aus. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 09.05.2007)

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    foto: scheibmair.at
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