Alternativen zur gottgeprägten Schule

11. September 2007, 10:19
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Ersatzunterricht "Weltanschauung" statt religiöser Symbole im Klassenzimmer

Turku - Die Glocke läutet zur Mittagspause, und der Schulhof füllt sich prompt. Jugendliche stehen in kleinen Gruppen zusammen. Auf dem Rasen dahinter spielen andere Fußball - viele von ihnen tragen ihre Religion offen zur Schau.

Völlig anders die Situation in der Schulpraxis selbst. Die Rede ist von der "Turun normaalikoulun Lukio", einer Grundschule am Rande von Turku. Rund 30 unterschiedliche Nationalitäten zwischen sieben und 19 Jahren werden hier täglich unterrichtet. Die Schule ist bekannt für ihren im Vergleich hohen Anteil andersgläubiger Schüler.

Während viele der Mädchen ein Kopftuch zu ihren Markenschuhen und Diesel-Jeans tragen, sucht man religiöse Symbole vonseiten der Schule vergeblich. Weder die in Österreich obligatorischen Kreuze noch Zeichen anderer Glaubensgemeinschaften zieren hier die Wände. "Wenn schon, dann sollten Symbole aller Religionen vorhanden sein", fordert die 18-jährige Pauliina Talikka Gleichheit.

Schule und Religion sollten strikt getrennt werden, betont sie weiter. Denn "es allen Religionsgemeinschaften recht zu machen" hält Pauliina für nicht möglich, besser sei dies auf diese Art zu lösen.

Diese Trennung ist auch das Erfolgsrezept, das eine friedliche Zusammenarbeit von Schülern vieler Konfessionen auf engstem Raum gewährleisten soll.

Von den insgesamt 189 Schülern, die an der "Turun normaalikoulun Lukio" unterrichtet werden, stellen die evangelisch-lutherischen mit 99 Schülern die Mehrheit dar, gefolgt von muslimischen Schülern. Ist jemand ohne Bekenntnis und kommt somit für keinen der Religionsunterrichte in Frage, muss er in einen Alternativunterricht. Dieser besteht aus Ethik, Weltanschauungskunde und allgemeiner Religion. Seilan Moulani (15) sieht keinen Bedarf mehr an schulischer Religion: "Ich finde nicht, dass es notwendig ist, seine Religion in der Schule auszuleben."

Für ihren islamischen Glauben hat die Kurdin "nach der Schule noch genug Zeit", betont sie. Ebenso sei die Trennung "wichtig für eine funktionierende Gemeinschaft", führt die evangelisch-lutherische Liisa Lundell (17) aus.

Eine Gemeinschaft

Von dieser kann man sich beim Mittagessen im großen Saal überzeugen, denn Gruppenbildung innerhalb der Religionen ist kaum zu erkennen. Der Lärm in der Kantine legt sich, die Schüler gehen vereinzelt in ihre Klassen.

Die Trennung von Religion und Schule sei jedoch für keinen ein Problem, es beschwere sich niemand, erzählt Liisa: "Die meisten sind hier ja sowieso nicht religiös", schmunzelt sie. (muel, smf/DER STANDARD Printausgabe, 8. Mai 2007)

  • Ein Kreuz in jeder Klasse ist in Österreich selbstverständlich. Finnlands Schulen kommen ohne religiöse Symbole aus.
    foto: stanard/corn

    Ein Kreuz in jeder Klasse ist in Österreich selbstverständlich. Finnlands Schulen kommen ohne religiöse Symbole aus.

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