Sechs Mal mehr Lkw in Österreichs Alpen als in der Schweiz

10. Juli 2007, 13:35
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Im Vorjahr haben 6,1 Millionen Lkw die Alpen in Österreich überquert. In der Schweiz waren es hingegen nur 1,19 Millionen Lkw

Wien - Durch Österreichs Alpen sind im vergangenen Jahr sechs Mal mehr Lkw gerollt als durch die Schweiz. Wie aus neuen Daten des Schweizer Bundesamts für Verkehr (BVA) hervorgeht, die der VCÖ am Dienstag in Wien veröffentlicht hat, haben im Vorjahr 6,1 Millionen Lkw die Alpen in Österreich überquert. In der Schweiz waren es hingegen nur 1,19 Millionen Lkw, um 10.000 weniger als 2005. In den österreichischen Alpen ist die Transitbelastung dagegen noch einmal um 3,5 Prozent oder 200.000 Fahrten gestiegen.

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der alpenquerenden Lkw in der Schweiz demnach um 210.000 zurückgegangen, in Österreich dagegen um 900.000 Fahrten gestiegen - und das obwohl die Transportpreise auf der Straße in den vergangenen zwei Jahren laut einer neuen Wifo-Untersuchung leicht angestiegen sind. Trotz allem kassiert die Schweiz noch immer doppelt so viel Lkw-Maut wie Österreich.

Bescheidene Anhebung

Dennoch stößt die verglichen mit den Schweizer Tarifen bescheidene Anhebung der Lkw-Maut in Österreich um 4,2 Cent auf durchschnittlich 26,9 Cent je Kilometer ab Jahresmitte, auf die sich Österreich am Wochenende mit der EU-Kommission geeinigt hat, auf heftige Proteste in der Transportwirtschaft. Frächter-Obmann Nikolaus Glisic bezeichnete am Dienstag die Anhebung als "völlig inakzeptabel". Die Reisebus-Veranstalter wollen eine Ausnahme für Busse. Die Grünen dagegen verlangten am Mittwoch, dass angesichts der Klima-Belastung durch den Verkehr auch Großverbraucher im Autoverkehr wie Geländewagen stärker besteuert werden.

Laut den Daten des Schweizer Bundesamts wurden im Vorjahr stolze 80,5 Millionen Tonnen Güter über Österreichs Alpenpässe transportiert, das war doppelt so viel wie noch vor einem Jahrzehnt. In der Schweiz erhöhte sich das Transportvolumen im alpenquerenden Güterverkehr im selben Zeitraum von 6,2 auf 13,1 Millionen Tonnen. Abgesehen von der doppelt so hohen Lkw-Maut, die anders als in Österreich nicht nur auf Autobahnen und Schnellstraßen sondern im Gesamtgebiet gelte, wirke in der Schweiz vor allem auch eine um 21 Cent pro Liter höhere Diesel-Steuer. Während in Österreich die Mineralölsteuer auf Diesel auch nach der Erhöhung um 5 Cent zu Jahresmitte lediglich 35,2 Cent betragen werde, liege sie in der Schweiz bei 52 Cent, betonte der Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Preise tendenziell rückläufig

Nach der Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) waren die Preise für Gütertransportleistungen von 1983 bis 2004 in Österreich - dank modernerer Lkw, besserer Straßen und des Wegfalls von Grenzmodalitäten - tendenziell noch rückläufig. Die Einführung der Lkw-Maut, die höhere Nachfrage durch Konjunkturbelebung, und steigende Dieselpreise hätten jedoch den Straßengüterverkehr leicht verteuert. Davon hätten 2005 und 2006 auch die ÖBB profitiert, so Wifo-Experte Puwein in der am Dienstag veröffentlichten Analyse.

Frächtervertreter Glisic beklagte am Dienstag, dass die jetzt geplante Anhebung der Lkw-Maut "den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig beschädigen" werde. 40 Tönner zahlten jetzt in Österreich 32,4 Cent pro Kilometer, in Deutschland dagegen nur 12 Cent, in Italien neun bis elf Cent und in Tschechien 15 Cent. Die Frächter wollen jetzt, dass die Kfz-Steuer von derzeit knapp 3.000 Euro im Jahr nicht halbiert, sondern gleich gedrittelt wird. Die Busunternehmen wollen überhaupt einen eigenen Mauttarif, da Busse im Gegensatz zu Lastwagen auch nicht von der geplanten Senkung der Kfz-Steuer erfasst sind.

Die Grünen dagegen stehen der Kompensation der Mauterhöhung grundsätzlich kritisch gegenüber. Sie verlangten am Dienstag außerdem zur Maut- und Mineralölsteueranhebung zusätzliche Steuermaßnahmen im Verkehr. "Keiner Auto-PendlerIn ist zuzumuten mehr MöSt zu zahlen, wenn gleichzeitig die großen Treibstofffresser steuerlich privilegiert sind", erklärte die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser. Geht es nach den Grünen, soll sowohl die Normverbrauchsabgabe (NOVA) als auch die motorenbezogene Versicherungssteuer nach dem CO2-Ausstoß des Fahrzeuges gestaffelt werden und die Gesamtbelastung dadurch um 150 bis 200 Mio. Euro steigen. (APA)

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