Polit-Dates für unverdrossene Schüler

21. April 2008, 14:11
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Jugendliche sind ganz und gar nicht politikverdrossen, im Gegenteil: Sie fordern mehr politische Bildung ein

Das besagt eine neue Studie des Politologen Peter Filzmaier. Eine ganz persönliche Lehrstunde in Sachen Politik erhielten Schüler aus Krems: Beim "Speed-Dating" lernten sie Politiker aus nächster Nähe kennen.

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Wien – Ein "Date" mit einem Politiker, das hat man nicht alle Tage, vor allem wenn man erst 15 oder 16 ist. Die Schüler eines Kremser Gymnasiums hatten am Dienstag Gelegenheit zu solch einem Stelldichein, und zwar gleich mit sieben Politikern, dafür nur für je zwei Minuten: "Speed Dating" war im Parlament angesagt. Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP), Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), der Zweite Nationalratspräsident Michael Spindelegger (ÖVP) und die Dritte Nationalratspräsidentin Eva Glawischnig (Grüne) standen ebenso für ein kurzes Pläuschchen zur Verfügung wie die Nationalratsabgeordneten Silvia Fuhrmann (ÖVP), Elisabeth Grossmann (SPÖ) und Dagmar Belakowitsch-Jenewein (FPÖ).

Was dabei besprochen wurde, ist wenig überraschend: "Was ist Ihre Meinung zum Thema Wählen mit 16?", wurde ÖVP-Jugendsprecherin Fuhrmann gefragt. "Ich war immer dafür, da Schritt für Schritt heranzugehen. Nun haben wir es auch umgesetzt." "Wann kommt die Gesamtschule?", wollte jemand von Bildungsministerin Schmied wissen – darauf hatte sie freilich keine Antwort parat. Das Resumee der Sechstklässler lautete jedenfalls: Politik ist ganz und gar nicht langweilig.

Klischee "stimmt nicht"

Damit unterstrichen sie das, was der Politologe Peter Filzmaier von der Donau-Universität Krems kurz zuvor als Ergebnis einer Studie präsentiert hatte:_Das Klischee von der politikverdrossenen Jugend "stimmt definitiv nicht". Jugendliche zeigen nicht nur Interesse für Politik, sie fordern auch mehr politische Bildung ein, lautet die Kernaussage der Studie "Jugend und Politische Bildung", bei der 14- bis 24-Jährige befragt wurden.

Für 48 Prozent der Befragten ist Politik in Zukunft "eher wichtig", für 12 Prozent "sehr wichtig". 64 Prozent sind der Meinung, dass an Österreichs Schulen und Universitäten zu wenig Demokratiebewusstsein vermittelt wird. 71 Prozent sprechen sich für ein eigenes Unterrichtsfach "Demokratie lernen" aus.

"Wirklich bemerkenswert" findet Filzmaier die Themen, für die sich die Jugendlichen interessieren: 44 Prozent wollen mehr über die Gleichbehandlung von Frauen und Männern wissen, 43 Prozent über Integration. Am Ende der Skala rangieren die Europäische Union und aktuelle innenpolitische Ereignisse.

Starker Mann

Ein Ergebnis stimmte Filzmaier nachdenklich: Jeder fünfte Befragte stimmt zu, dass es manchmal sinnvoll wäre, einen "starken Mann an der Staatsspitze zu haben, der weit gehend allein entscheidet", so die Studie. "Diese Autoritätsgläubigkeit sinkt mit zunehmendem Demokratiebewusstsein", glaubt Filzmaier. Dies sei ein Grund mehr, den Stellenwert der politischen Bildung zu forcieren.

Damit rennt er bei Wissenschaftsminister Hahn und Bildungsministerin Schmied offene Türen ein. Diese Studie sei "ein Auftrag", erklärte Schmied. Sie will als ersten Schritt Politische Bildung im Curriculum der Pädagogischen Hochschulen verankern. Ob es in Zukunft an den Schulen Politische Bildung als eigenes Fach geben wird, darauf wollte sich Schmied nicht festlegen. Man müsse verschiedene Varianten prüfen, zum Beispiel ein Kombinationsfach mit Sozialkunde.

Hahn will die Einrichtung eines Lehrstuhls für Didaktik in der Politischen Bildung an einer Universität "anregen". Außerdem solle das E-Voting forciert werden. Geht es nach Hahn, dann können die Studierenden bei den übernächsten ÖH-Wahlen, also im Jahr 2009, ihre Stimme per Internet abgeben. Davon erhofft sich Hahn eine deutliche Steigerung der Wahlbeteiligung. (Andrea Heigl/DER STANDARD Printausgabe, 8. Mai 2007)

  • Kurzes Stelldichein im Parlament:
Je zwei Minuten hatten Politiker und Schüler Zeit, um zu plaudern. "Sehr nett" war’s, versicherten sie danach.
    foto: standard/corn

    Kurzes Stelldichein im Parlament: Je zwei Minuten hatten Politiker und Schüler Zeit, um zu plaudern. "Sehr nett" war’s, versicherten sie danach.

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