Rebellen legen Ölförderung des Eni-Konzerns lahm

7. Juli 2007, 22:30
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Weitere Anschläge auf Förderanlagen angekündigt - Vier US-Mitarbeiter von Ölfirma entführt

Abuja/Lagos - Bewaffnete Männer haben nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Nigeria vier US-Mitarbeiter einer Ölfirma verschleppt. Die Opfer seien am Mittwoch von einem Lastkahn vor der nigerianischen Küste in der Nähe einer Anlage des US-Ölkonzerns Chevron entführt worden, hieß es aus den Kreisen. Die Arbeiter hätten für Chevron Leitungen verlegt.

Entführungen und Lösegeldzahlungen sind zu einem massiven Problem für die meist von ausländischen Konzernen kontrollierte Ölindustrie Nigerias geworden. Anfang Mai wurden vor der Küste des Landes bereits sechs ausländische Mitarbeiter einer Ölfirma von einem Schiff verschleppt. Aus Branchenkreisen hieß es, die Arbeiter seien für Chevron im Einsatz gewesen. Die Welle der Gewalt hat im vergangenen Jahr tausende ausländische Arbeiter aus dem afrikanischen Land getrieben. Zahlreiche Anschläge auf Öl-Förderanlagen führten dazu, dass die Fördermenge um mehr als ein Viertel gedrosselt wurde.

Sechs andere Geiseln frei

Sechs Tage nach ihrer Entführung in Nigerias Ölförderregion im Nigerdelta sind drei Südkoreaner und acht Philippiner wieder frei gekommen. Die elf Männer seien in Sicherheit und würden zu Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht, teilte das Außenministerium in Seoul am Mittwoch mit. Zuvor sei bei Verhandlungen zwischen den Entführern und den Behörden im nigerianischen Bundesstaat Rivers eine Einigung erzielt worden. Über die Bedingungen der Freilassung, die am Dienstag erfolgte, wurde nichts bekannt.

Bewaffnete hatten in der Nacht zum Donnerstag voriger Woche die südkoreanischen Manager und philippinischen Arbeiter der südkoreanischen Baufirma in ihre Gewalt gebracht, nachdem sie deren Unterkunft in Rivers überfallen hatten.

Bombenanschläge auf Pipelines

Rebellen haben mit Bombenanschlägen auf drei Pipelines im Süden des Landes die gesamte Erdölproduktion des italienischen Konzerns Eni lahm gelegt. Zwei Ölfelder mit einer Liefermenge von 150.000 Barrel pro Tag seien ausgefallen, hieß es am Dienstag aus Firmenkreisen. Der Ölpreis kletterte auf 65 US-Dollar pro Barrel. Die Rebellengruppe "Bewegung für die Befreiung des Niger-Deltas" (Mend) bekannte sich per E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters zu der Tat. Ziel sei gewesen, den noch amtierenden Präsidenten Olusegun Obasanjo bloßzustellen. Die Gruppe kündigte weitere Anschläge bis zum Amtswechsel am 29. Mai an.

Förderung eingestellt

Der Ölkonzern Eni bestätigte am Dienstag, dass es Sabotageanschläge auf Pipelines gab, die einen Exportterminal versorgen. In zwei Ölfeldern sei die Arbeit vorsorglich eingestellt worden, erklärte Eni. Eine private Sicherheitsfirma teilte mit, auf einem Fluss breite sich ein großer Ölteppich aus. Die Berichte über die Angriffe in Nigeria, dem größten Ölexporteur Afrikas, führten an der Börse in London zu einem leichten Anstieg des Ölpreises.

Erst am 1. Mai hatten Mitglieder von Mend sechs Arbeiter von einer Bohrinsel des US-Konzerns Chevron entführt. Am Montag musste Chevron zudem die Produktion von 42.000 Barrel pro Tag einstellen, als wütende Dorfbewohner an einer Anlage protestierten.

Anschläge beeinträchtigen Ölexport

Eine Reihe von Gruppen wie Mend fordert eine größere einheimische Kontrolle der Öl-Industrie in dem größten Förderland Afrikas und dem achtgrößten der Welt. Seit einer Serie von Anschlägen auf Ölanlagen im Februar 2006 ist die nigerianische Produktion dauerhaft um mehr als ein Viertel der Fördermenge zurückgegangen.

Die weithin als manipuliert angesehenen Präsidentenwahlen im April haben die Gewalt in dem Land wieder aufflammen lassen. Immer wieder werden zudem ausländische Öl-Arbeiter entführt. Damit solle das fehlende Vertrauen in den künftigen Präsidenten Umaru Yar'Adua und dessen Stellvertreter demonstriert werden, erklärte ein Sprecher von Mend. "Bis zum 29. Mai werden wir mehr Pipelines zerstören als im gesamten vergangenen Jahr", kündigte er an. Er drohte mit weiteren Angriffen auf Pipelines, Bohrplattformen und Versorgungsschiffe. Das genaue Ausmaß der Schäden war nicht bekannt. (APA/Reuters/AP)

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