Wenig Geschäft, viele Ideen

26. Juni 2007, 17:44
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Leer stehende Geschäfte: Viele Köpfe brüten darüber, wie man Wallensteinstraße oder Lerchenfelder Straße wieder flottbekommt

Wien – Österreichs Immobilientreuhänder möchten in der Stadtentwicklung mitmischen: Am Montag forderten sie eine verpflichtende Einbeziehung in den Widmungsprozess von Grundstücken. Außerdem will Thomas Malloth, Obmann des Fachverbandes der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich, in die "Gebietsbetreuung rein", um ein echtes Quartiermanagement auf die Beine zu stellen.

Pilotprojekt

Um sterbende Einkaufsstraßen wieder flottzukriegen, schwebt ihm weiters eine Art Förderung für die Instandsetzung von Geschäftslokalen im Erdgeschoß vor. Letzteres nennt Grün-Politiker Christoph Chorherr einen "Schnellschuss". Chorherr ist in seiner Partei für das rot-grüne Pilotprojekt zuständig, das drei Einkaufsstraßen aus der Krise führen soll. Wobei auch er als Hauptproblem von Wallensteinstraße, Lerchenfelder Straße und Hernalser Hauptstraße die leer stehenden Erdgeschoßlokale sieht. Er will bei den Hausbesitzern ansetzen.

"Sex in die City" Wenig hält Chorherr auch von einer anderen Idee, die am Montag in der Wirtschaftskammer formuliert wurde. Stadtentwickler Karl Schörghuber hat dort sein neues Stadterneuerungsbuch präsentiert. Der etwas eigenartige Titel: "Sex in die City statt tote Hose". Darin regt Schörghuber etwa den Bau von Geschäftsarkaden als Wetterschutz an. Dazu Chorherr knapp: "Die Mariahilfer Straße birst vor Menschen, und es gibt keine."

Weiters sollte es, so Schörghuber, mehr Dauerparkplätze in den Innenstädten geben, damit die Kurzparkplätze nicht zu stark zweckwidrig beansprucht werden. Entscheidend ist für ihn: die Stadterneuerung habe sich "an feminine Baugesetze" zu halten: "Die Stadt ist weiblich: Frequenzerhebungen zeigen, dass zwei Drittel der Frequenzbringer Frauen sind." Ein Beispiel: Auf der Mariahilfer Straße liegt der Frauenanteil bei 54 Prozent.

"Labor" Mariahilf

In Wien gibt es seit 1998 in der Stadtbaudirektion eine eigene Leitstelle "Alltags- und frauengerechtes Planen und Bauen". Wer deren Arbeit im öffentlichen Raum sehen will, muss nur nach Mariahilf spazieren. Der Bezirk war in den Jahren 2004 bis 2005 das "Labor" für Gender-Mainstreaming in der Planung.

Frauen legen deutlich mehr Wege zu Fuß zurück. Dem wurde – nicht nur in Mariahilf – Rechnung getragen. Gehsteige wurden verbreitert oder "Alles-Grün"-Ampelphasen eingeführt. Letztere erlauben das Queren einer Kreuzung auch in der Diagonale, da alle Fußgängerampeln gleichzeitig auf Grün schalten, so etwa bei der Kreuzung Mariahilfer Straße / Neubaugasse zu erleben.

Sehr weit ist man in einem anderen Bereich: punkto Gehsteigabsenkungen liege man bei der Umsetzung bereits bei 90 Prozent, sagt Kail. Die Handschrift der Stabsstelle zeigt sich auch bei U-Bahn-Stationen: "Wir achten auf die sorgfältige Situierung der Ausgänge." Um das Sicherheitsgefühl in der Station zu steigern, werden die "Röhren öfters miteinander verbunden". (red, DER STANDARD Printausgabe, 8.5.2007)

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    foto: standard/urban
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