Österreicher haben Aktien-Boom verschlafen

2. Juli 2007, 10:38
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Die Österreicher haben vom Boom an der Wiener Börse nicht in dem Ausmaß profitiert wie Ausländer, glauben die Börse-Chefs Buhl und Schaller

Wien (APA) - Die Österreicher haben vom Boom an der Wiener Börse nicht in dem Ausmaß profitiert wie Ausländer, erklärte Michael Buhl, Vorstand der Wiener Börse AG in der "Presse" (Montagausgabe). Nur rund 6 bis 7 Prozent besitzen hierzulande Aktien - mit Fonds und der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge komme man auf etwa 14 Prozent. Das liege zum Teil auch an der Beratung durch die Banken, man müsse die Berater mehr dazu bringen, in Richtung österreichische Aktien zu argumentieren und zu beraten, so Börse-Vorstand Heinrich Schaller. Die Börse-Chefs rechnen damit, dass heuer noch drei bis vier neue Unternehmen an die Börse kommen.

"Wir sind ja alle auch selbst Bankkunden und hören beispielsweise von Freunden, dass üblicherweise bestenfalls Fonds empfohlen werden", so Buhl zur Beratungspraxis der heimischen Kreditwirtschaft. Und wenn tatsächlich Aktien angeboten würden, seien es keine österreichischen. "Ich gebe ihnen schon recht, dass die Entwicklung in Österreich verschlafen wurde. Wahrscheinlich sogar weniger von den Privatanlegern als von den Banken."

Markt nicht zu teuer

Dass der österreichische Markt so teuer sei, dass man in nicht mehr empfehlen könne, weist Buhl zurück - "das ist wahrscheinlich der Tenor, den sie zu hören bekommen, wenn sie in eine Bank gehen." Der Wiener Börseindex ATX habe in den vergangenen Jahren in etwa gleich zugelegt wie die Unternehmensgewinne. Die Bewertung sei mit einem KGV von etwa 14 wahrscheinlich noch immer unter Deutschland und weit unter dem US-Markt mit 18 bis 19 Prozent. In Wien sei noch immer eine Outperformance möglich.

Allein das stärkere Wachstum in Osteuropa sorge dafür, dass die Gewinne der österreichischen Werte stärker steigen würden, so Schaller. Buhl glaubt "grundsätzlich", dass heuer wieder ein zweistelliges ATX-Plus möglich ist.

Zu prominenten Abgängen an der Wiener Börse - Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und Böhler-Uddeholm - sagte Buhl, dass die BA-CA zuletzt ja nur mehr 1 Prozent des Börseumsatzes ausgemacht habe. Und der Abgang von Böhler sei "noch nicht so ganz gegessen". Und selbst wenn die voestalpine Böhler zur Gänze übernehme, habe man zwar einen Abgang, die Böhler-Kapitalisierung würde aber in der voestalpine aufgehen "und wir hätten damit in der Voest einen wesentlich stärkeren und liquideren Titel".

Drei bis vier Neuzugänge erwartet

Die Börse-Chefs erwarten heuer auch noch drei bis vier Neuzugänge, deren Namen man jetzt allerdings noch nicht nennen könne. Auf Bundesebene gebe es nicht mehr viel zu privatisieren, da seien jetzt "definitiv die Länder gefragt", so Schaller. Zum möglichen Börsegang der Energie AG Oberösterreich (EAG) sagte Schaller im "Presse"-Bericht: "Aber auch darüber würden wir uns sehr freuen und ich hielte es für einen richtigen Schritt für das Unternehmen." Buhl will das Thema nicht auf Oberösterreich beschränken: "Die Lösung über die Börse könnte auch für andere Bundesländer interessant sein."

Die Asfinag ist für Schaller auf Grund der derzeitigen Diskussion eher kein Börsekandidat. Anders die ÖBB: "Bei der ÖBB, was den Gütertransport betrifft, wäre ich sehr wohl dafür, dass dieser Schritt gesetzt wird. Das wird aber noch zwei, drei Jahre dauern." Bei der Telekom hält der Börsevorstand einen stabilen Kernaktionär gut für das Unternehmen, dieser müsse aber nicht der Staat sein. "Ich weiß aber nicht, ob es gescheit wäre, die Telekom vollständig in Streubesitz zu geben", so Schaller. Es habe heuer in Wien bereits mehrere Börsegänge gegeben - Warimpex, Teak Holz und Meinl Airports. Dazu komme der Rückkehrer Pankl. Und die Strabag werde - entnehme man den Medien - ja vielleicht noch kommen, so Buhl.

International verfolge die Wiener Börse die Strategie, in erster Linie Kooperationen mit Ostbörsen abzuschließen, erklärte Schaller. Zusätzlich werde man sich beteiligen, wo man als strategischer Partner willkommen sei. Angepeilt wird aktuell eine Beteiligung an der Börse Sofia, die Konkurrenten seien - "so wie es aussieht" - OMX aus Schweden, die Frankfurter, die griechische und die Warschauer Börse. Ein Thema sei auch die Börse Laibach. Der Vorteil der Wiener Börse sei ihre stabile Eigentümerstruktur, es bestehe "in keiner Weise die Gefahr, dass es zu einer feindlichen Übernahme kommt." (APA)

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    Nur rund 6 bis 7 Prozent besitzen hierzulande Aktien - mit Fonds und der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge kommt man auf etwa 14 Prozent, so die Börse-Chefs Michael Buhl (li) und Heinrich Schaller (re).

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