"Wer bescheißt, muss mit Konsequenzen rechnen"

2. Juli 2007, 21:28
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Felix Gottwald, Österreichs erfolg­reichster Olympia-Athlet, unterstützt Salzburg 2014 und appelliert an Eigenver­antwortung der Sportler - ein Interview

Salzburg - Aktuelles Interview mit Felix Gottwald, Österreich erfolgreichstem Olympia-Athleten, der vergangenen März zurückgetreten ist:

Sie unterstützen Salzburgs Olympia-Bewerbung und waren auch bei der Präsentation in Peking aktiv dabei.
Gottwald: "Es ist sehr interessant, die Seiten zu wechseln. Die Präsentation war spitze, dort wird sehr professionell gearbeitet. Ich habe viele Interviews gegeben, die meisten zu später Stunde."

Konnten Sie Vergleiche zum Sport erkennen?
Gottwald: "Es ist wie im Spitzensport. Alle stehen unter Druck. Man muss wie im Spitzensport seine Top-Leistung im richtigen Moment abrufen können. Und man kann sich da wie dort nur möglichst gut vorbereiten und die Rahmenbedingungen schaffen. Ob du gewinnst, weißt du aber vorher nicht."

Wie sehen Sie die Chancen Salzburgs?
Gottwald: "Es wären kompakte Spiele in einem Land, in dem Wintersport schon seit Jahrzehnten Tradition hat. Wie in Lillehammer 1994. Die Siegerehrungen in Turin waren eine Verhöhnung. In Lillehammer hingegen bin ich als 17-jähriger vor 200.000 begeisterten Menschen gelaufen."

Was könnte der Zuschlag für 2014 für Österreich bedeuten?
Gottwald: "Mit so einer Veranstaltung wächst das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation."

In Peking wurden aber auch sechs ÖSV-Athleten wegen der Vorfälle in Turin 2006 vom IOC lebenslang gesperrt.
Gottwald: "Es ist absolut positiv, dass endlich Fakten auf den Tisch liegen. Und dass man in aller Deutlichkeit klar gemacht hat, dass das alles mit der Salzburger Olympia-Bewerbung in keinem Zusammenhang steht. Das glaube ich auch, da kann man mir gerne Naivität unterstellen."

"Macht es Sie betroffen, dass "Verbands-Kollegen" gesperrt wurden?
Gottwald: "Nein, gar nicht. Wer bescheißt, muss mit Konsequenzen rechnen. Der ÖSV muss sich jetzt endlich klar deklarieren."

Aber medizinische Hilfe scheint im Spitzensport unumgänglich zu sein?
Gottwald: "Einen Arzt brauche ich, wenn ich verletzt oder krank bin. Wenn ich aber krank oder verletzt bin, habe ich bei Olympia nichts verloren."

Hat man sich fahrlässig falsch verhalten?
Gottwald: "Ich musste in Turin meinen Vogelbeer-Schnaps ins Olympische Dorf hineinstreiten. Es wäre unmöglich gewesen, solche Geräte, von denen jetzt die Rede ist, dort hineinzubringen. Das ist eine saubere Zone. Wenn ich also eh schon seit Jahren unter Beobachtung des IOC stehe, wohne ich doch im Dorf, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen."

Es heißt, dass viele Athleten den betreffenden WADA-Code gar nicht kennen.
Gottwald: "Ich musste den Code nie durchlesen, weil ich ohnehin nie Infusionen gemacht habe. Bei Olympia haben Infusionen nichts verloren. Und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Man muss als Athlet Eigenverantwortung übernehmen."

Halten Sie die Reaktion des IOC für überzogen?
Gottwald: "Es war ein deutliches und absolut notwendiges Zeichen. Es geht auch um ethische Fragen und darum, ob Eltern ihre Kinder weiterhin dem Sport anvertrauen."

Wird im Kampf gegen das Doping jetzt vielleicht das Kind mit dem Bad ausgeschüttet?
Gottwald: "Das sind keine Verdächtigungen mehr, sondern Fakten. Sieger muss am Schluss der Sport sein. Das IOC weiß, dass ihm sonst am Schluss der Sport davon rinnt. Das wäre verheerend. Und deshalb spielt es keine Rolle, ob es Bauernopfer sind oder nicht."

Olympia-Medaillen sind aber auch ein wirtschaftlich verlockender Faktor. Gehen deshalb Sportler in Grauzonen?
Gottwald: "Was hilft mir eine 'dämliche' Olympia-Medaille, wenn ich dafür 30 Jahre später gesundheitlich kaputt bin. Einige gehen da halt über Leichen. Ich aber möchte jeden Tag in den Spiegel schauen können." (APA)

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    Felix Gottwald hat wenig Verständis für das Vorgehen seiner Kollegen im Langlauf-Bereich.

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