STANDARD-Interview: "Auf das Treibhausklima der Zukunft einstellen"

von Redaktion  |  04. Mai 2007, 19:22
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Dürre, Hitze, Hungersnöte: Der Meteorologe Reinhard Böhm erklärt, weshalb ein kühler Kopf in der Klimadebatte zielführender ist als Panikmache

STANDARD: Rund um den Klimawandel sind Sie einer der wenigen Meteorologen, die manches an den Prognosen infrage stellen. Warum?

Böhm: Es gibt sicher einen globalen Temperaturanstieg, der vom Menschen beeinflusst ist. Die generelle Aussage aber, dass das Klima immer extremer wird, ist nicht haltbar. Ich halte auch nichts davon, beim Temperaturanstieg alles der menschlichen Beeinflussung zuzuschreiben. Da kommen nämlich schnell Schuldzuweisungen ins Spiel, die vernünftige Lösungen eher erschweren.

STANDARD: Welche Faktoren gibt es denn noch?

Böhm: Weitere wichtige Faktoren sind die Änderung der Sonneneinstrahlung, verstärkter Vulkanismus und die Ozeanströmungen.

STANDARD: Was meinen Sie, dass in der derzeitigen Klimadebatte falsch läuft?

Böhm: In vielen Fällen kommt der Mittelweg zu kurz. Angesichts steigender Weltbevölkerung und des Nachholbedarfs der Entwicklungsländer scheint es realistisch, sich vom Traum der Wiederherstellung eines "natürlichen" Erdklimas zu verabschieden.

STANDARD: Sie meinen also, dass ein Zurückfahren des CO2-Ausstoßes nichts hilft?

Böhm: Die derzeitigen Lösungsvorschläge bürden dem Einzelnen viel auf, und der Nachweis der Sinnhaftigkeit liegt in weiter Zukunft. Zum Beispiel wird Kohle, für die es noch lange genügend Reserven gibt, in Zukunft stärker ins Spiel kommen. Da Kohle einer der Hauptverursacher von CO2 in der Atmosphäre ist, werden wir wahrscheinlich mit dem Treibhausklima der Zukunft eine Zeit lang leben müssen. Ich meine, wir tun gut daran, uns mit kühlem Kopf auf das Treibhausklima der Zukunft einzustellen. Eine Übertreibung, die Angst macht, war noch nie eine gute Voraussetzung für die Bewältigung eines komplizierten Problems.

STANDARD: Bei Prognosen wie der, dass ein Fünftel von Bangladesch überflutet werden könnte, ist das aber schwierig.

Böhm: Bangladesch halte ich für eines der drängendsten Probleme. Eine der wenigen Klimafolgen-Aussagen mit guter wissenschaftlicher Absicherung ist der Anstieg des Meeresspiegels, obwohl es auch da heillose Übertreibungen gibt - ich habe schon von sieben Meter Anstieg gelesen. Der erste Teil des IPCC-Berichtes, der von den wissenschaftlich abgesicherten Tatbeständen beim Klimawandel handelt, spricht von 30 bis 40 Zentimetern in hundert Jahren.

STANDARD: Dieser erste Teil ist noch gar nicht veröffentlicht.

Böhm: Ja, das ist etwas, das ich dem UN-Klimarat IPCC ankreide. Es ist untragbar, dass die Studien erst Monate nach den "Policy Summaries" veröffentlicht werden. Diese Zusammenfassungen sind ja lediglich ein Produkt diplomatischer Verhandlungen. Ich war einer der Begutachter für diesen ersten Bericht; ich weiß, was drinsteht, und ich weiß, was in den Medien geschrieben wird. Ich empfehle, diesen Bericht zu lesen, wenn er denn im Herbst endlich in voller Länge veröffentlicht wird. Das ist die Bibel des Klimawandels.

STANDARD: Sie meinen also, dass vieles aus dem Bereich Klimahysterie kommt. Warum kommt es überhaupt dazu?

Böhm: Nun, ich gehöre nicht zu den Klimaskeptikern, die sagen, dass dies alles von Umweltschutzorganisationen gesteuert ist. Es ist aber ein Irrtum, zu glauben, dass man etwas erreichen kann, weil viele Übertreibungen dargestellt werden, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Damit wird nämlich der gemäßigte Standpunkt leicht angreifbar.

STANDARD: Das heißt?

Böhm: Wir müssen uns von der Hoffnung verabschieden, dass geringe Reduktionen des Treibhausgas-Ausstoßes bereits einen Effekt haben. Und - um beim Beispiel Bangladesch zu bleiben: Mich stört, dass die Prognose der riesigen Überschwemmungen in diesem Land derzeit nur für eine Propaganda-Maschinerie verwendet wird - als Argument dafür, dass künftig weniger Treibhausgase emittiert werden müssen. Bei 30, 40 Zentimeter Meeresspiegel-Anstieg muss etwas getan werden. Die Niederlande oder Hamburg haben die finanzielle Potenz, sich höhere Dämme zu bauen - für Bangladesch braucht es internationale Solidarität. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 5. 2007)

Zur Person
Reinhard Böhm (59) studierte Meteorologie und Geophysik an der Universität Wien. Er ist Mitarbeiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien, zuständig für Klimageschichte und -schwankungen. Der US-Autor Michael Crichton hat in seinem Thriller-Bestseller "Welt in Angst", bei dem es um den Klimawandel geht, ungefragt aus einer Arbeit des Klimatologen "Reinhard Boehm" zitiert.
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Edelbert
05.05.2007 17:34
das problem

ist nicht die klimaerwärmung. das problem ist die überbevölkerung. daher sind diese klimaveränderungen gleich eine katastrophe weil heute in vielen bereichen eine population vorherrscht die einfach natürlich nicht tragbar sind.

wär besser wir sorgen vor damit die nächste völkerwandung nicht wieder zu einem dunklen zeitalter in europa führt.

Paul K
05.05.2007 13:11
ja, die vorschläge bürden dem einzelnen viel auf...

und wir geben uns jetzt alle der illusion hin, dass wir lieber wenig bis nichts tun sollten, um unter der last der nötigen veränderung nicht zusammenzubrechen? die menschheit schaufelt sich mit akws, überbordendem straßen- und flugverkehr, extremer viehwirtschaft samt kunstdünger und pestiziden für die landwirtschaft einschließlich gentechnik und müll sondergleichen ihr eigenes grab. also machen wir weiter wie bisher oder nützen wir endlich unseren hausverstand und beginnen anders zu leben ...?

asinus asinus 
05.05.2007 10:39

Ob da Dammbau da noch was nutzt...auch die Flutsperrwerke in den NL sind auf den derzeitigen Pegelstand ausgerichtet.
Und die vielen Inselgebiete Asiens, wer baut denen die Dämme (wenn das überhaupt möglich ist)?

RichardRoe
05.05.2007 13:01

Ob 40 cm Pegelanstieg das Problem sind ?

Dilbert
05.05.2007 14:04

manchmal genügt der sprichwörtliche Tropfen

flotter denker
05.05.2007 09:30
Endlich eine vernünftige Meinung

Ava Tar
04.05.2007 23:48
"Die derzeitigen Lösungsvorschläge bürden dem Einzelnen viel auf"


Die USA sprechen davon, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen 3% des weltweiten Wirtscahftswachtums kosten würden.

He hallo !? DREI PROZENT soll zu viel sein ?

2006 wuchs die Weltwirtschaft - laut IMF - statt wie angenommen um 4,3% um 4,9 %

Na also, wenn man da 3% abzieht, dann bleiben ja immer noch 1,9 % übrig !

Wir hatten schon schlechtere Zeiten als 1,9% Wachstum, hallo ! Erst vor wenigen Jahren, als Schüssel Kanzler wurde !

Was heißt also "bürden zu viel auf" ?

Wenn es 30% wären, ok, aber 3 % ?!?!?

Buffy die Vampirjägerin 
05.05.2007 09:29
3% des Wachstums!

Ich glaube sogar, dass es um 3% des Wachstums geht, nicht um 3 absolute Prozente! also absolut statt 4,9 ca. 4,75

Wobei das mit dem Wachstum sich in den nächsten hundert oder so Jahren eh aufhören wird, falls es keinen großen Krieg gibt. Dan wern's schaun, die Hayekianer.

imir
05.05.2007 07:35

Es werden eine Menge Arbeitsplätze wegrationalisiert, weil die erwirtschafteten Gewinne den Aktionären zu niedrig sind. Der Kapitalismus geht über Leichen, wegen eines hunderstel Cent Kursgewinnes pro Aktie. Glauben sie ernstlich, daß es der Bourgeoisie auf ein paar Millionen Arbeitssklaven ankommt? Menschen sind nachwachsender Rohstoff, der kaum etwas kostet.

dancing norbu
05.05.2007 08:57
3 % ist den Wirtschaftsbossen sicherlich zuviel

... es ihnen geht doch um Milliarden (an Papierscheinen). Erst wenn der letzte Baum geschlägert und die Atmosphäre voll CO2 ist, werden diese "Gieralde" merken, daß man Papier nicht essen kann. So ähnlich drückte es mal ein Indianerhäuptling aus.
Und - als Vergleich, nebenbei gesagt - nur 0,5 % des globalen Waffenbudgets würden genügen, den Hunger aus der Welt zu schaffen. Aber auch da rührt kein Waffenlobbyist den Finger.
Interessant ist, daß der Klimabericht schon vor 2 Jahren hätte veröffentlicht werden können. Gewissen Personen (wie etwa D. Melchizedek) lag er bereits vor. Aber man mußte wohl warten, bis ... ?
Und Herr Böhm meint - alles halb so schlimm. Also warten wir halt auf den letzten Baum ....................................

re flexion   
05.05.2007 08:47
Ah geh

Die Kaffeesudleser Klima-Wissenschafter stellen aus den Daten und wackeligen Theorien mögliche Zukunftsszenarien dar.

Die Kaffesudleser Wirtschafts-Wissenschafter nehmen dies als Fakten und erstellen daraus mit ihren wackeligen Theorien mögliche Zukunftsszenarien dar.

Das Ergebnis wird uns dann als Tatsache verkauft.

Wenn's schon daran glauben: Die Maßnahmen dagegen werden dann - auf unserer Angst bauend -vom "über Leichen gehenden" Kapitalismus entwickelt!

Silvio Lackner  
04.05.2007 23:10
ängstliche menschen wollen aber in der gewissheit leben, dass solche (wenn auch aufgebauschten - wer kann das schon hinterfragen) bedrohungen von der menschheit selbst verursacht sind

das vermittelt ihnen die sicherheit, alles wieder in den alten zustand verkehren zu können, wenn nur "die guten" obsiegen.

die vorstellung, dass ein vulkanausbruch, eine viel instabilere sonne, als bisher angenommen, sonnenflecken oder kosmische strahlungen veränderungen bewirken, das behagt weniger.

wie viel angenehmer ist es da, die ursache des scheinbar bedrohlichen in sich selbst zu finden. schon veränderung per se ist böse für ängstliche. also dass CO2 ist schuld an einer (vermeintlichen) veränderung. ist das nicht herrlich (einfach) ?

Steverino
05.05.2007 16:18

Na hauptsache Sie sind nicht ängstlich!

Brücke
04.05.2007 20:43

"Wir müssen uns von der Hoffnung verabschieden, dass geringe Reduktionen des Treibhausgas-Ausstoßes bereits einen Effekt haben"

was jetzt ? Gar nichts tun?
die paar millionen Geschädigten können eh
mit Frontex unter Kontrolle gebracht werden ?

strangerinastrangeland 
05.05.2007 11:41

" Bei 30, 40 Zentimeter Meeresspiegel-Anstieg muss etwas getan werden. Die Niederlande oder Hamburg haben die finanzielle Potenz, sich höhere Dämme zu bauen - für Bangladesch braucht es internationale Solidarität."

Der Mann will, dass das Machbare auch tatsächlich gemacht wird.

Brücke
05.05.2007 12:24

Zu machen
ist das Notwendige .
Notwendig ist eine drastische Reduktion
der Treibhausgase

strangerinastrangeland 
05.05.2007 13:00

Ich denke auch, dass wir von den fossilen Brennstoffen so rasch als möglich abgehen sollten, wenn auch vermutlich aus anderen Gründen als Sie.

So wie es aussieht wird das aber nicht geschehen.

Und wenn es geschieht, heisst das nicht, das es hilft.
Für die Erwärmung und den Anstieg des Meeresspiegels, welche unbestritten sind, kann und wird es auch ander Ursachen geben.

Deswegen sollten wir über der vermutlich fruchtlosen CO2 Debatte nicht vergessen, Länder wie Bangladesch vor dem Absaufen zu bewahren.

huachzszua
04.05.2007 19:45
Dass die Steigerung der CO2-Konzentration

die Gleichgewichtstemperatur nach oben jagt, ist ein Experiment, zu dessen Vorführung die Ausstattung eines Mittelschul-Physiklabors locker ausreicht.
Und viel Konkreteres wissen die lieben Wissenschaftler in Wahrheit auch nicht, denn ein so komplexes System wie das Klima ausreichend zu durchschauen ist hoffnungslos.
Aber das ist ja die große Gefahr: Jede Änderung der CO2-Konzentration (und dass die primär menscheninduziert ist, ist wohl sicher) hat unabsehbare Folgen für unsere Zivilisation, die in Wahrheit auf Sand gebaut ist. Sie ist intensiverem Regen, Dürre, Wind etc. in keiner Weise gewachsen.

flotter denker
05.05.2007 09:29
Unsere Zivilisation ist dem sicher gewachsen

Und zwar gerade weil wir eine sich rasant entwickelnde Technologie und ein - weltweit gesehen - tolles Wirtschaftswachstum haben. Das reicht aus, um alle Zusatzkosten, die durch Klimaänderung kommen, zu decken. Im Übrigen ist überhaupt nicht klar, ob eine Erwärmung der Erde unterm Strich besser oder schlechter bewohnbar ist, als jetzt.
Drum schlage ich vor, denken wir mehr darüber nach, wie wir uns das veränderte Klima zunutze machen können statt immer darüber zu jammern.

August Hoffmann 
04.05.2007 23:34

"und dass die primär menscheninduziert ist, ist wohl sicher"

I wo! Nix ist sicher.

Es gibt Quellen, die sagen aus, dass die Vulkantätigkeit der Erde weit mehr CO2 fabriziert als alle Autos und Kraftwerke der Welt zusammen. Und dass die Tiere der Erde (plus Bakterien) 150 Gigatonnen/Jahr CO2 produzieren, der Mensch dagegen lediglich 6,5 Gigatonnen/Jahr.

http://tinyurl.com/2ebssp

schwarzbrot
05.05.2007 21:44
diejenigen..

...welche nicht auf ihr Auto verzichten wollen, glauben ihren Quellen...

ganz einfach

August Hoffmann 
06.05.2007 14:48

Sie können "auf ihr Auto verzichten"?

Dann haben Sie es gut getroffen und wohnen an einer gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur und sind jung und können Ihre Einkäufe problemlos längere Strecken schleppen.

Schweizer ETH
07.05.2007 03:33
Jaaa, ich kann auf mein Auto verzichten und

ich bin nicht einer dieser gruenfanatischen Birkenstocktraeger sondern ein neoliberaler Freidenker! Zudem, und das wird Sie jetzt aus den Socken hauen - ich wohne an der Peripherie einer nordamerikanischen Grossstadt. Was ich habe ist ein FAHRRAD und, sie werden es kaum glauben, wenn ich hochkaraetige Kunden treffe (und das kommt ziemlich haeufig vor), dann setze ich mich halt mit Hemd, Krawatte und in Nadelstreifen drauf; sch**egal was die anderen Denken - bis jetzt gab es im uebrigen darauf nur positive Reaktionen.
Die Vergeudung von Ressourcen faengt bei jedem Einzelnen an - Klimawandel bewiesen hin oder her!

Und erzaehlen Sie mir nicht, Sie koennten nicht auf Ihr Auto verzichten, das ist zu 100% eigene Bequemlichkeit.

August Hoffmann 
07.05.2007 17:19

Wieviel Meilen bergige Strecke schaffen Sie denn so, ohne völlig verschwitzt bei Ihrem Kunden anzukommen? Oder pudelnass? Gewichtige oder sperrige Unterlagen und Notebook packen Sie auf den Gepäckträger Ihres Drahtesels?

Wenn ich fürs Auto plädiere, meine ich selbstverständlich nicht, mit einer Ihrer amerikanischen Großraumlimousinen mal eben um die Ecke Brötchen holen fahren ...

Man sollte nicht immer von seiner Situation auf die der anderen schließen...

schwarzbrot
06.05.2007 17:00
http://www.schruns.at/

Im (nahezu) hintersten Winkel Vorarlbergs..

Aber es stellt sich die Frage, warum Sie Ihre Meinung verfestigt hat....

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