Schottisches Nein zu Blair

23. Juli 2007, 17:03
9 Postings

Die schallende Ohrfeige der Schotten vergällte Tony Blair die noch Freitagnachmittag bekundete Freude

Als „politisches Erdbeben“ bezeichnete die BBC das Ergebnis der schottischen Parlamentswahlen vom Donnerstag, das nach einer chaotischen Stimmauszählung mit langer Verspätung erst am frühen Freitagabend bekannt wurde. In einem historischen Sieg hatte die Scottish National Party SNP die Labour Party, die im Norden der britischen Inseln seit Jahrzehnten das Sagen hatte, vom ersten Platz verdrängt. Ob SNP-Führer Alex Salmond tatsächlich „First Minister“ der (mit sehr beschränkten Rechten ausgestatteten) Regionalregierung werden kann, hängt davon ab, ob er einen Koalitionspartner findet. In drei Jahren will die SNP dann ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands abhalten.

Die schallende Ohrfeige der Schotten vergällte Tony Blair die noch Freitagnachmittag bekundete Freude, bei den Regional- und Gemeindewahlen des Vortages weniger schlecht als erwartet abgeschnitten zu haben. Mit seiner zwei Tage vor den Wahlen abgegebenen Erklärung, er werde das Amt des Premiers schon demnächst an Schatzkanzler Gordon Brown übergeben, wollte er den Drang der Wähler bremsen, ihm (vor allem wegen des Irakkriegs) einen Denkzettel zu verpassen. Bei den Regionalwahlen in Wales konnte Labour tatsächlich Platz eins halten, doch bei den Gemeindewahlen in England zogen ihr die Konservativen davon. In Birmingham, der zweitgrößten britischen Stadt, wurden die Torys stärkste Kraft.

Die Liberaldemokraten kamen insgesamt auf 26 Prozent der Wählerstimmen, Labour auf 27 und die Konservativen auf 41. Tory-Chef David Cameron, der an Blair zu dessen besten Zeiten erinnert, hatte aber nur zu verhaltenem Jubel Anlass. Mit einem Stimmenanteil von 41 Prozent können sich die Torys bei den 2009 fälligen britischen Unterhauswahlen knapp einen Sieg erhoffen. Bei Zwischenwahlen vor ihren tatsächlichen Siegen 1979 und 1992 hatten sie aber mehr, nämlich 45 Prozent. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 5.5.2007)

Share if you care.