Hirnfutter im ORF

22. Juni 2007, 14:37
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Dass Eva Pölzl nicht Kopfrechnen kann, sei ihr nachgesehen - "Wie bitte?" zählt aber zu den gelungensten neuen Sendungen im ORF

Okay, dass Eva Pölzl nicht Kopfrechnen kann, sei ihr nachgesehen, weil alles was zehn Finger überschreitet, ist ohnehin höhere Mathematik. "Wie bitte?" Genau so heißt das neue, Richtung Jugend hin gedachte Vorabendmagazin, das Pölzl abwechselnd mit der Ö3-Nervensäge Andy Knoll präsentiert und in der sie diese Woche meinte, um 1,4 Millionen Euro – Thema waren die Lottosiege in dieser Höhe – könne man sich bei Frau Rumpold glatt zwei Pressekonferenzen leisten. Zur Erinnerung: Rumpold behauptete vorm Eurofighter-Untersuchungsausschuss, für ein paar Mineralwasserflascherln mit Tutu 95.000 Euro zu verlangen.

Neben solchen Unschärfen und eher faden Gastro-Beiträgen, die belegen, dass junge Köche und Wirte eher schmähstad sind, zählt "Wie bitte?" zu den gelungensten neuen Sendungen seit ORF-Reform. Zumal hier die Zielgruppe einmal nicht für blöder gehalten wird, als sie (angeblich) ist. Die alte ORF-Krankheit: immer zu glauben, man überfordere die Kundschaft, wenn man als "heikel" oder "schwierig" eingeschätzte Themen nicht wie für Vorschüler aufbereitet.

Im Vergleich zu Vorgängermodellen wie "25 – Das Magazin", das bestenfalls Dünnbuchlesern und Seitenblickestatisten Aufmerksamkeit abrang, erweist sich "Wie bitte?" als journalistisch souverän gemacht. Siehe etwa einen Beitrag über SUVs (Sport Utility Vehicles). Also diese modernen vierrädrigen Schlachtschiffe, für Großstadt-Daktaris. Der Bericht war vielseitig aufbereitet, bewusstseinsbildend und konsequent.

So sickert auch hier das existenzielle Thema Klimawandel – immerhin auch eine Woche lang Schwerpunkt im ORF – in die Zielgruppe, die sich in ihrer Zukunft damit rumschlagen wird müssen. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.5.2007)

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    foto: orf
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