Italienerinnen mit Haushalt und Kindern alleine gelassen

18. Juli 2007, 12:41
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Istat-Bericht: Männer helfen nicht mit, weniger und ältere Mütter - Prodi will nun Familien mit konkreten Initiativen systematisch fördern

Rom - Die italienische Regierung will konkrete Initiativen zur Unterstützung der Familien ergreifen. "Italien war bisher immer das Land, in dem es im Vergleich zu den anderen EU-Ländern kaum eine Familienpolitik gab. Jetzt soll sich diese Lage ändern. Wir denken sowohl an Steuermaßnahmen, als auch an direkte Hilfsmittel. Wir wollen eine systematische Familienpolitik angehen", betonte Regierungschef Romano Prodi in Rom.

Der Premierminister reagierte besorgt auf einen Bericht des nationalen Statistikamts Istat, demnach die italienische Bevölkerung statistisch immer älter wird. Die Zahl der Familien mit mindestens drei Kindern ist zwischen 1995 und 2005 von 8,4 auf 6,5 Prozent gesunken. Die Italienerinnen werden in immer späterem Alter Mütter. Das erste Kind bekommen sie durchschnittlich mit 30,8 Jahren, in den anderen europäischen Ländern mit 26,6 Jahren.

Keine Unterstützung durch Partner

In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Kinder pro Frau - im statistischen Mittel - zwar von 1,22 auf 1,31 gestiegen, dies ist jedoch der zunehmenden Zahl von Ausländerinnen zuzuschreiben. 8,9 Prozent der Neugeborenen waren im Jahr 2005 Kinder von Immigranten. 1999 betrug dieser Prozentsatz noch 3,9 Prozent.

Belastend für Frauen ist immer noch, dass die italienischen Männer nach wie vor sehr ungern im Haushalt mithelfen. Die Last des Haushalts und der Kinder lägen wie in den fünfziger und sechziger Jahren fast ausschließlich auf den Schultern der Frauen, hieß es im Istat-Bericht.

Gesellschaft kinderfreundlicher gestalten

Die ItalienerInnen verlassen immer später das Elternhaus. Dies sei den unsicheren Arbeitsverhältnissen zuzuschreiben, geht aus dem Istat-Bericht hervor. "Daher braucht Italien ein familienfreundliches Steuersystem", sagte Familienministerin Rosy Bindi. Zugleich wolle die Regierung für eine kinderfreundlichere Gesellschaft sorgen. "Unternehmen müssen den Wert jeder Geburt begreifen. Jede Angestellte mit einem Kleinkind ist eine Investition für die Zukunft", betonte Bindi.

Weniger Ehen

Auch die Zahl der Singles wächst in Italien rasant. Sechs Millionen ItalienerInnen sind Singles, was ein Viertel der italienischen Haushalte ausmacht. Immer mehr ItalienerInnen bevorzugen eine Lebenspartnerschaft statt einer Ehe.

Pläne verteidigt

Prodi verteidigte das Gesetzesprojekt zur Legalisierung der homo- und heterosexuellen Lebensgemeinschaften (Dico), das sein Kabinett im Jänner verabschiedet hatte. "Die Regierung hat ihren Teil getan, jetzt muss sich das Parlament über dieses Gesetzesprojekt äußern. Der Vorschlag belastet keineswegs die Rechte der auf der Ehe basierenden Familie", betonte Prodi.

Das Gesetz wird vom Vatikan und von katholischen Kreisen heftig kritisiert. (APA)

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    Belastend für die Italienerinnen ist immer noch, dass die Männer nach wie vor sehr ungern im Haushalt und bei der Kindererziehung mithelfen.
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