Pulsare "schwindeln" über ihr Alter

6. August 2000, 19:05

Und wenn man sich von ihnen bisher in die Irre führen hat lassen, sieht man plötzlich grundlegende Annahmen über das Universum in Frage gestellt.

Socorro - Vielleicht sind sie noch viel älter als gedacht: Pulsare, also superdichte Neutronensterne, die rotierende Entladungen intensiver Strahlung ausschicken. Ein Team von Wissenschaftern stellt daher grundlegende Annahmen über das Universum in Frage - ihre These wurde bereits in "Nature" veröffentlicht.

Jahrzehntelang haben Wissenschafter Pulsare als Standard-Referenzgröße für eine Vielzahl von astronomischen und teilchenphysikalischen Schlussfolgerungen herangezogen. - Das könnte nun zum Problem werden, wenn es stimmt, was Astronomen vom National Radio Astronomy Observatory in Socorro, New Mexico, sagen: nämlich dass Pulsare "über ihr Alter schwindeln". So scheint ein Pulsar, dessen Alter man bisher auf 16.000 Jahre geschätzt hatte, laut Bryan Gaensler vom Massachusetts Institute of Technology eher 40.000 bis womöglich sogar 170.000 Jahre alt zu sein. Gaensler: "Das bedeutet, dass vieles von dem, was wir über die Natur von Pulsaren und Neutronensternen zu wissen glaubten, falsch sein könnte."

Älter als gedacht

Neutronensterne, die für die dichtesten Objekte im Universum gehalten werden, ermöglichen wichtige physikalische Tests für ein grundlegendes Verständnis der Materie. Doch "basiert viel von dieser Theorie auf dem Glauben, wir könnten ihr Alter genau bestimmen. Unsere Forschung deutet darauf hin, dass diese Objekte zehnmal älter sein könnten, als wir dachten. Dies könnte uns zu einer Menge an Neubewertungen zwingen", sagt Gaensler.

Jahrelang haben Wissenschafter das ungefähre Alter eines Pulsars dadurch bestimmt, dass sie die Rate, mit der sich die Rotation des Pulsars verlangsamt, maßen. Doch wie Gaensler und andere, die das Alter eines 15.000 Lichtjahre entfernten Pulsars mittels einer neuen Technik bestimmten, befanden, lagen die Ergebnisse der traditionellen Methode gewaltig daneben. Indem sie Weg und Geschwindigkeit des Pulsars aus dem Zentrum der Reste der Supernova, die den Pulsar erzeugt hatte, ermittelten, errechneten sie, dass der Pulsar zumindest 3,5 mal älter sein musste, als bisher geschätzt worden war. Wegen ihrer Form haben Pulsar und die Überreste der Supernova übrigens den Namen "die Ente" erhalten.

(red)

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    foto: nrao
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