Seibersdorf: Millionen-Minus

25. Oktober 2007, 16:01
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Ex-Finanzchef Krünes hat nicht auf ARC-Forderungen verzichtet

Wien – Die Bilanz 2006, die die Geschäftsführung der Austrian Research Centers (ARC) ihrem Aufsichtsrat am 16. Mai vorlegt, weist "gut sechs Millionen Euro" Minus aus. Gegen die zwölf, die die Seibersdorfer vom Infrastrukturministerium (50,46 Prozent) zur Verlustabdeckung gewünscht hatten, sei dieser Betrag bescheiden, meinen ARC-Aufsichtsräte. Davon 2,5 Mio. seien Verlustvorträge aus 2005.

Etwas weniger vorsichtig kalkuliert, meint der ARC-Kontrollor weiter, "wäre sich sogar Plus-Minus-Null ausgegangen." Dann wäre der Polster stiller Reserven dünner ausgefallen. Rekordverdächtig früh, wie die ARC-Führung meint, kommt der Jahresabschluss übrigens keineswegs. Denn in der Vergangenheit lagen Ende März die Bilanzen der ARC-Töchter vor, aus denen bis Juni der Konzernabschluss erstellt wurde. Da es für 2006 aufgrund der Fusion der ARC-Holding mit den Töchtern nur einen Jahresabschluss gibt, ist der Mai-Termin noch im Plan.

Dem Rechnungshof, der die Seibersdorf-Gebarung prüft, wird es an Stoff nicht mangeln. 20 Millionen Euro Material- und Sachaufwand etwa werden lohnendes Betätigungsfeld sein. Genaues Hinsehen dürfte sich auch bei der ARC-Tochter Funktionswerkstoffe (FWG) lohnen. FWG, Entwickler von Solarzellen-Akkus, war 2005 durch Auflösung von ARC-Kapitalrücklagen in Höhe von 651.000 Euro entschuldet worden. Ihr Verkauf um 50.000 Euro an Smart Energy Solutions wurde im September 2006 beschlossen. Bis dato noch nicht als Einnahmen verbucht wurde hingegen die am 14. November fixierte Ablöse von 408.000 Euro FWG-Verbindlichkeiten.

Keine nachvollziehbaren Rückflüsse brachte hingegen En-o-de. Energy on Demand Production and Sales war jene im Besitz von FWG-Geschäftsführerin Martha Maly-Schreiber (50 Prozent), Krünes Consulting des Ex-ARC-Finanzchefs Helmut Krünes (zehn Prozent) und Treibacher Industrie (40 Prozent) stehende Gesellschaft, der die Verwertung der FWG-Forschungsergebnisse vorbehalten waren.

Um den En-o-de-Konkurs zu ermöglichen, hat FWG im Dezember auf ihre Forderungen verzichtet. Der Ende September 2006 aus der ARC ausgeschiedene Helmut Krünes hat im Konkurs der En-o-de aber, entgegen dem STANDARD-Bericht "Family-Business in Blau" am 6. April in seiner Eigenschaft als ARC-Finanzchef auf keinerlei Forderungen der ARC verzichtet. Weder zugunsten seiner eigenen Firma noch zugunsten anderer. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.05.2007)

  • Ex-Seibersdorf-Finanzchef Helmut Krünes
    foto: standard/regine hendrich

    Ex-Seibersdorf-Finanzchef Helmut Krünes

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