Steuerreform richtiges Signal für westliche Welt

10. Juli 2007, 13:02
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KPMG: Bedenken bei Investoren wegen rechtlicher Unsicherheit, Bürokratie und Schutz des geistigen Eigentums

Wien - China streicht per 1. Jänner 2008 ausländischen Investoren die Steuervorteile und stellt sie auf eine Stufe mit chinesischen Unternehmen. Die geplante einheitliche Besteuerung von einheimischen und internationalen Unternehmen wurde bei einer Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG von der Mehrheit der Befragten als richtiges Signal an die westliche Welt gewertet. "Die Umfrage zeigt in Summe, dass China als Investitionsstandort mehr Vertrauen als je zuvor genießt", heißt es in der KPMG-Presseaussendung von heute, Mittwoch.

Am 1. Jänner 2008 werden die Steuersätze für ausländische Unternehmen auf den nationalen Satz in Höhe von 25 Prozent angehoben. Außerdem werden bei der Verrechnungspreisgestaltung und Besteuerung von Auslandsgewinnen international anerkannte Konzepte eingeführt. Mit den Änderungen entspricht China den Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO). Statt bisher 15 bis 24 Prozent für ausländische Investoren gilt nun ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent für alle Unternehmen. Einige Sektoren können jedoch weiterhin vergünstigte Steuersätze beantragen. Dazu zählen Hochtechnologie-Unternehmen sowie Unternehmen aus den Bereichen Umweltschutz, Energie-Einsparung und -Effizienz sowie der Landwirtschaft. Für Unternehmen, die bereits in China ansässig sind oder noch heuer gegründet werden, gilt eine Übergangsphase von fünf Jahren.

Reizvoller Investitionsstandort

"Durch die Steuerreform werden einige tax incentives schrittweise abgebaut", so Hans Zöchling, Geschäftsführer der KPMG in Wien. China bleibe auch mit der Anhebung des Steuersatzes ein reizvoller Investitionsstandort. Mithilfe des Doppelbesteuerungsabkommens mit China, der österreichischen Gruppenbesteuerung sowie des internationalen Schachtelprivilegs könnten attraktive steuerliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, so Zöchling.

Der steuerliche Aspekt ist jedoch nur eines der Kriterien für eine Investitionsentscheidung in China. Vor allem drei große Bereiche rufen bei potentiellen Investoren Bedenken hervor: die rechtliche Unsicherheit (32,8 Prozent), die chinesische Bürokratie (22,6 Prozent) und der Schutz des geistigen Eigentums (21,9 Prozent). 34 Prozent der Befragten sehen eine unabhängige Justiz als wichtigste Institution an, um langfristig das Vertrauen in die Wirtschaft eines Landes zu sichern. Die unabhängige Justiz wurde noch vor "guten Finanzaufsichtsbehörden" (28 Prozent) und einem "modernen Bankensystem" (11 Prozent) genannt.

"Obwohl sich China verstärkt um den Schutz geistigen Eigentums kümmert, sind österreichische Unternehmen derzeit nicht bereit, wertschöpfungsintensive Bereiche wie Forschung und Entwicklung auszulagern", so Verena Trenkwalder, Steuerexpertin und Geschäftsführerin der KPMG in Linz.

Konkurrenz für die USA

Auf die Frage: "Wo sehen Sie China in zehn Jahren?" waren 29 Prozent der Befragten der Meinung, dass China in zehn Jahren als Weltmacht den Vereinigten Staaten Konkurrenz machen wird. Die Spitzenführungskräfte sprechen von einem "Geldgürtel" um China, den investitionsfreudige Unternehmen angesichts der florierenden chinesischen Wirtschaft aufgebaut haben. Die Unternehmen scheuen sich allerdings noch davor, sich möglicherweise in den Eigenheiten und Unsicherheiten des chinesischen Rechts- und Besteuerungssystems zu verfangen.

KPMG führte die Befragung zum Investitionsstandort China unter den Teilnehmern des "KPMG Asia Pacific Tax Summit" durch, der Mitte April in Peking statt fand. Befragt wurden 350 Teilnehmer, die über 70 multinationale Unternehmen repräsentieren. (APA9

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