Richtig Gas geben

6. September 2007, 16:28
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Aus dem Auspuff kommen weniger Schadstoffe und so gut wie kein Feinstaub mehr - in der Börse bleibt mehr Geld. Bald kann auch Biogas getankt werden

Wien - Als der Taxiunternehmer Werner Rosenov mit seinem neuen Auto erstmals zur Tankstelle fuhr, blieb ihm beim Zahlen auf gut Wienerisch "die Lad\ offen". Denn nach "Einmal volltanken, bitte" hieß es an der Kassa: "Das macht 16 Euro, 56 Cent." Wobei aber Rosenov "nur" 20 Kilo getankt hatte. Nämlich Erdgas.

Drei Erdgasautos hat Rosenov vergangenen Herbst für seinen Fuhrpark angeschafft und inzwischen auf mehr als 45.000 Kilometern getestet. Jetzt weiß er: Das war erst der Anfang. Beim Tanken sparen die "Gaserer" rund 30 Prozent gegenüber einem Diesel - "da sind die rund 1500 Euro an höheren Anschaffungskosten schon im ersten Jahr locker wieder eingespielt". Zum Vergleich: Bei einer Flotte von 50 bis 70 Taxis fallen pro Jahr circa 300.000 Euro an Treibstoffkosten an. Mit Erdgas ist das Unternehmen um rund 100.000 Euro billiger unterwegs.

Als nächsten Schritt will Rosenov nicht nur fünf weitere Erdgasautos anschaffen - sondern auch gleich eine eigene Tankstelle errichten.

Unterstützt wird er dabei von der Wien Energie, denn diese Stadtwerke-Tochter setzt derzeit voll auf Erdgas im Straßenverkehr - und nimmt dafür viel Geld in die Hand, nämlich 4,5 Mio. Euro: "Bei öffentlichen Tankstellen übernehmen wir Errichtung, Finanzierung und Anschluss. Betriebstankstellen unterstützen wir ab einer bestimmten Größe mit einem Contracting-System", berichtet Gerhard Kunit von der "Erdgas Mobil"-Abteilung. In Wien wird bereits an acht öffentlichen und zwei Betriebstankstellen Erdgas abgegeben. Bis 2010 soll es 24 öffentliche und bis zu fünf Betriebstankstellen geben.

Österreichweit gibt es derzeit 51 Gas-Tankstellen. International ist das Angebot in Nord- und Südeuropa gut - in Südosteuropa gibt es allerdings noch erhebliche Lücken im Netz. Aber das ist auch der Hauptmarkt der OMV - und auch die gibt in diese Richtung derzeit ordentlich Gas.

Der größte Vorteil von Erdgas ist aber neben dem Preis: Bei Gasfahrzeugen ist es am leichtesten, den fossilen Brennstoff durch einen Biotreibstoff zu ersetzen. Und damit ergeben sich auch vollkommen neue und ökologisch sinnvolle Versorgungsmöglichkeiten.

Biogas aus Bruck

So ist die Wien Energie gemeinsam mit der OMV am neuen Biogaswerk in Bruck an der Leitha beteiligt, berichtet Wien-Energie-Geschäftsführer Helmut Miksitz. Dort soll ab Sommer Bio-Rohgas auf Erdgasqualität gereinigt und in das Erdgasnetz eingeleitet werden. Wobei in Bruck bei der Veredelung erstmals eine neue und billigere Membrantechnologie eingesetzt wird. Der Rohstoff wird von den Landwirten in Fruchtfolge hergestellt: Nach der Ernte des Winterweizens können im Sommer beispielsweise noch spezielle Gräser angebaut und an das Gaswerk geliefert werden. Und die Gärreste können dann auch gleich wieder als Dünger aufs Feld ausgebracht werden.

Durch die Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz könnten "bis zu 15 Prozent des derzeitigen Erdgasverbrauches substituiert werden", ist Klaus Dorninger, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Biogas im Fachverband Gas Wärme, überzeugt. Gasversorger und Landwirtschaft haben vor Kurzem die "Plattform Bio-CNG" gegründet mit einem ehrgeizigen Ziel: Bis 2013 sollen 100.000 Gasfahrzeuge mit dem Treibstoff "Bio-CNG" betankt werden, der aus mindestens 20 Prozent gereinigtem Biogas besteht. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.05.2007)

  • Derzeit gibt es in Wien acht und österreichweit 51 Biogas-Tankstellen. Und das Netz wird zügig ausgebaut.
    foto: standard/wien energie

    Derzeit gibt es in Wien acht und österreichweit 51 Biogas-Tankstellen. Und das Netz wird zügig ausgebaut.

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